Automotive-ICs Renesas setzt auf Japan: Keine Chip-Fab in den USA

Von Michael Eckstein

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Trotz Erdbebengefahr: Halbleiterhersteller Renesas will seine Fertigungsstätten in seinem Heimatland Japan ausbauen – und erteilt Spekulationen über den Bau von Chip-Fabs in den USA eine Absage. Im Fokus stehen einmal mehr lukrative Automotive-ICs.

Renesas entwickelt und fertigt ein breites Portfolio an Chips für den Automotive-Markt.
Renesas entwickelt und fertigt ein breites Portfolio an Chips für den Automotive-Markt.
(Bild: Renesas Electronics)

Nach den Erfahrungen mit dem anhaltenden Chipmangel stehen weltweit die Zeichen auf eine Diversifikation: Hersteller wie Intel, Infineon, Bosch, STMicroeletronics, Globalfoundries beabsichtigen, neue Fabs in Asien, Europa und den USA zu bauen – oder sind bereits dabei.

Doch nicht alle Halbleiterhersteller folgen dem Ruf von Investitionsprogrammen wie dem CHIPS for America Act oder dem EU Chips Act: So hat Hidetoshi Shibata, der Vorstandsvorsitzende von Renesas Electronics Corporation (Renesas), klar gemacht, dass der japanische Halbleiterhersteller keine Pläne zum Bau von Chip-Produktionsanlagen in den USA hat. Stattdessen soll vielmehr die Produktion in der japanischen Heimat ausgebaut werden. Zudem hält Renesas an Prozessknoten von 40 nm und mehr fest, um die hohe Nachfrage nach Automotive-Chips decken zu können.

Interessant ist die Begründung: „Wenn es um die Front-End-Produktion geht, glaube ich nicht unbedingt, dass es in Regionen wie Europa oder den USA ein gutes Angebot an Rohstoffen gibt“, sagte Shibata im Gespräch mit dem Nachrichtendienst Reuters. Shibata hatte sich zuvor mit Mitarbeitern von US-Chipunternehmen getroffen, die Renesas in den letzten Jahren übernommen hatte. Die Front-End-Produktion bezeichnet die eigentliche Fertigung der Chips auf Silizium-Wafern. Danach erfolgt das Packaging, also die Integration der Chips in die Gehäuse.

Immer wieder rumpelt in Japan die Erde – mit schwerwiegenden Folgen

Dabei birgt die Konzentration der Produktion in Japan durchaus Risiken. So kommt es immer wieder vor, dass Erdbeben die Produktion unterbrechen. Betroffen war im Januar etwa Toshibas Werk in der Präfektur Präfektur Ōita, im März dann Renesas mit seinen Werken in Naka, Yonezawa und Takasaki nahe Fukushima. Auch Murata, Toyota, Nissan, Sony und Kioxia meldeten Produktionsausfälle wegen desselben Erdbebens.

Doch Shibata betonte, Renesas investiere in Technologien, um mit den Herausforderungen von Naturkatastrophen fertig zu werden. Außerdem würde das Unternehmen einen Vorrat an Chips anlegen, den es im Falle von Produktionsausfällen an Kunden liefern könnte.

Bereits im Mai hatte Renesas angekündigt, rund 90 Mrd. Yen (650 Mio. US-Dollar) in sein 2014 geschlossenes Werk in Kofu in Japan investieren zu wollen. Dort sollen Leistungshalbleiter entstehen – allerdings ist dafür eine Umrüstung der Fertigung notwendig. Renesas, zu dessen Aktionären die Toyota Motor Corp und der Automobilzulieferer Denso Corp gehören, ist ein wichtiger Chiplieferant für die Automobilindustrie. Nicht zuletzt wegen des boomenden Elektroautomarkts zieht die Nachfrage nach Power-Chips enorm an.

Engpässe vor allem bei Power-Management und Mixed-Signal-ICs

Im Gespräch mit Reuters sagte Shibata, dass es zwar auf Makroebene „weltweit genügend Kapazitäten gibt, um die gesamte Nachfrage zu decken“, dass es aber immer noch Bereiche gebe, in denen es bei Power-Management-Chips (PMIC) und einigen analogen und Mixed-Signal-Chips (analog und digital), die mit größeren Technologieknoten hergestellt werden, zu Engpässen kommt.

Während Prozessoren für Smartphones oder Laptops mittlerweile mit Prozessknoten von unter 10 nm gefertigt werden, etwa 7 oder 5 nm (noch in diesem Jahr wollen Samsung und TSMC ihre 3-nm-Produktion hochfahren), kommen für Mikrocontroller und Prozessoren für Autos häufig Chips mit größeren Strukturgrößen zum Einsatz, typisch zum Beispiel 40 nm. An diesen Technologien wird Renesas laut Shibata festhalten, um den steigenden Bedarf in der Automotive-Industrie decken zu können.

Zusätzlich werde das Unternehmen auch Chips entwickeln, die „den neuesten Technologien nahekommen“, erklärte Shibata. Diese würden jedoch von anderen Chipherstellern produziert. Gemeint ist mutmaßlich der taiwanesische Auftragsfertiger TSMC, mit dem Renesas seit langem zusammenarbeitet. Erste 7-nm-Chips würden Kunden aus der Automobilindustrie bereits evaluieren.

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