Intersolar 2026 Mit Wide-Bandgap-Halbleitern gegen den Preisdruck und für mehr Netzstabilität

Von Dipl.-Ing. (FH) Hendrik Härter 3 min Lesedauer

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Bei Temperaturen von 35 Grad und unter dem Eindruck einer neuen globalen Energiekrise öffnet die Intersolar Europe in München. Während auf den Bildschirmen des Messegeländes die Nachricht von der faktischen Kontrolle der Straße von Hormus durch den Iran verbreitet wird, ist eines klar: Die Photovoltaik-Branche ist endgültig in der Realpolitik angekommen.

Überangebot an Solarstrom: Die Intersolar 2026 steht im Zeichen intelligenter Stromspeicher. „Der Speicher ist ein ‚Zwilling der Photovoltaik‘“, sagt Carsten König vom Bundesverband Solarwirtschaft.(Bild:  frei lizenziert /  Pixabay)
Überangebot an Solarstrom: Die Intersolar 2026 steht im Zeichen intelligenter Stromspeicher. „Der Speicher ist ein ‚Zwilling der Photovoltaik‘“, sagt Carsten König vom Bundesverband Solarwirtschaft.
(Bild: frei lizenziert / Pixabay)

Die Stimmung zum Messeauftakt ist geprägt von einem „Ich hab’ es euch schon immer gesagt“-Moment, wie es Branchenvertreter formulieren. Angesichts der drohenden Blockade fossiler Brennstoffe wird die Photovoltaik mehr denn je als Garant für nationale Resilienz gesehen. Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Solarwirtschaft (BSW), betont gegenüber dem Deutschlandfunk die gewachsene Bedeutung der Technologie: „Die Erkenntnis ist gewachsen, dass unsere Technologie nicht nur für den Klimaschutz wichtig ist. Wir haben in den letzten fünf Jahren bewiesen, dass wir mithilfe der Photovoltaik bereits über 20 Mrd. Euro an Energieimporten einsparen konnten“, sagte Körnig. Er fordert daher unmissverständlich, dass man sich „resistenter und sicherer aufstellen“ müsse, indem verstärkt in Photovoltaik und Speicher investiert wird.

Solarstrom hat Braunkohle und Erdgas überholt

Technisch gesehen hat die PV-Branche einen Meilenstein erreicht: Mit einem Anteil von 19 Prozent am Gesamtstrommarkt hat Solarstrom im vergangenen Jahr Braunkohle und Erdgas überholt und liegt nun auf Rang zwei hinter der Windenergie. Doch dieser Erfolg bringt für die Geräteentwicklung neue Hürden mit sich. Die gemischten Signale zwischen Boom und Bremse zeigen sich nun in einer veränderten Marktstruktur. Ein zentrales Problem sind die zunehmenden Phasen negativer Strompreise.

Ein Überangebot an Solarstrom an sonnigen Tagen führt dazu, dass sich Investitionen langsamer amortisieren als geplant. Fabio Garcia, Investmentmanager eines spanischen Private-Equity-Fonds, warnt: „Die Nachfrage von Strom oder die Elektrifizierung der Gesellschaft ist nicht so schnell gekommen, wie man dachte.“ Dies sorge für eine „gewisse Ernüchterung“ bei Produzenten und Banken.

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(Bild: VCG)

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Mehr intelligente Stromspeicher

Wenn das Netz die Energie nicht mehr abnehmen kann, muss die Intelligenz der Hardware steigen. Die Intersolar 2026 steht im Zeichen von intelligenten Stromspeichern, deren Kapazität bei Großanlagen innerhalb eines Jahres fast verdreifacht wurde. Der Wechselrichter entwickelt sich vom reinen Wandler zum bidirektionalen Energie-Router. Carsten Körnig bezeichnet Speicher treffend als den „Zwilling der Photovoltaik“, der nun zum Standard bei neuen Solarparks werde, um Strom rund um die Uhr verfügbar zu machen.

Ein neuer, massiver Treiber für die Elektronikentwicklung ist zudem der enorme Hunger von KI-Rechenzentren und Data Hubs. Da diese Anlagen immense Mengen an Energie für den Betrieb und die Kühlung von Halbleitern verschlingen, entstehen laut Branchenanalysen von Xpert.Digital völlig neue Synergien zwischen PV-Kraftwerken und Rechenzentrum-Infrastruktur. Entwickler sind hier gefordert, Lösungen für die direkte DC-Kopplung und hochperformante Kühlsysteme in der Leistungselektronik zu liefern.

Einspeisevergütung wird gesenkt

Die politische Lage bleibt derweil schwierig. Die aktuelle Bundesregierung unter Bundeswirtschaftsministerin Reiche (CDU) plant für das kommende Jahr eine Absenkung der Einspeisevergütung. Das setzt die Entwicklungsabteilungen unter massiven Entwicklungsdruck. Um Photovoltaik auch ohne hohe Subventionen attraktiv zu halten, müssen die Systemkosten durch technologische Fortschritte sinken. Wide-Bandgap-Halbleiter wie Galliumnitrid (GaN) und Siliziumkarbid (SiC) werden bis 2026 keine Nischenprodukte mehr sein, sondern die Voraussetzung darstellen, um die von der Industrie geforderten Ziele bei Effizienz und Kompaktheit zu erreichen. (heh)

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