Produkte „Made in China“ gelten als günstig und nicht so hochwertig. Doch kaum ein Produkt kommt heute noch aus einer anderen Region. Gerade im Hightech-Segment fällt das auf. Aber wäre eine Fertigung in Deutschland wirklich so viel teurer, oder sind das alles nur Vorwände?
Zugegeben: das ist wirklich nur ein schwarzes Farbfeld. Doch so sehen Dark-Factories in China aus. Hier ist die vollautomatische Produktion ohne Mitarbeiter schon im Gange. Ohne Licht in den Hallen.
(Bild: Michael Richter)
„In China ist alles günstiger“, „die Arbeiter bekommen nur einen Hungerlohn“, „die Produktqualität stimmt ja eh nicht“. Das sind Argumente, die man immer wieder hört, wenn es um chinesische Waren geht. Aus eigener Erfahrung kann ich aber sagen, dass die Qualität stimmt. Gerade im Elektronik-Bereich dominieren chinesische Firmen inzwischen den Markt und setzen Standards. Firmen wie Xiaomi oder die Drohnen von DJI zeigen, dass Qualität längst nicht mehr das Problem ist. Natürlich wurde hier auch international Know-how eingekauft, aber hätte man das zulassen müssen?
Doch schauen wir in das Land, in dem inzwischen dunkle Fabriken die Fertigung von morgen zeigen. Es wird kein Licht benötigt, weil keine Mitarbeiter dort benötigt werden. Somit wird das Personal komplett eingespart und eine 24/7 Produktion ist keine Frage mehr von Krankheitsstand und Fachkräftemangel.
Kosten
Wir werfen einen Blick auf die Elektronikfertigung. Ob ein Bestückungsautomat in China steht oder in Deutschland, macht kaum einen Unterschied. Lediglich die Stromkosten und die Lohnkosten für den Einrichter variieren. Doch auf Stückzahlen hochskaliert ist das kaum ein Unterschied.
Ein großer Hebel in China sind die Materialkosten. Die Rohstoffpreise liegen dort 40 bis 60 Prozent unter dem deutschen Niveau. Außerdem sind die Elektronik-Komponenten deutlich günstiger. SMD-Komponenten haben in China deutlich günstigere Einkaufspreise. Durch Volumen und Lieferantennähe sind diese 20 bis 30 Prozent niedriger. Da Materialkosten etwa 60 bis 70 Prozent der Gesamtkosten in der Fertigung ausmachen können, ist die Produktion dort wirklich günstiger. Das ist also kein bloßes „Billigland“-Klischee, sondern eine systematische Kostenstruktur, welche aber klug aufgebaut wurde.
Entwicklung des durchschnittlichen Jahresgehalts eines Beschäftigten in China von 2009 bis 2024. Angegeben in Yuan. 120.698 Yuan = 14.379.96 Euro (Stand 14.08.2025).
(Bild: National Bureau of Statistics of China)
Die Erschließung von Rohstoffen und die Produktion von Komponenten im eigenen Land haben China über einen langen Zeitraum diese Vorteile geschaffen. Und genau dieses Durchhaltevermögen trägt jetzt Früchte. Chips werden im eigenen Land entwickelt und produziert, im Energiesektor werden Kraftwerke, PV-Zellen und die Infrastruktur entwickelt und gefördert. Während Deutschland noch über Förderprogramme diskutiert, setzt China längst um. Auch ein Sondervermögen bringt nichts mehr, wenn Firmen abwandern oder aufgekauft werden.
Hightech-Unternehmen werden in China nicht so hoch besteuert, die Energiekosten sind geringer und die inzwischen ebenso steigenden Lohnkosten werden durch einen hohen Automatisierungsgrad kompensiert. Die erwähnten Dark-Factories zeigen, dass hier das umgesetzt wird, worüber bei uns immer noch nachgedacht wird.
Staatliche Unterstützung
Wenn der Staat und Unternehmen am selben Strang ziehen, dann funktioniert Wachstum. Außerdem sind die Unternehmen dazu gewillt, Fortschritte zu machen. Agile Entwicklung ist hierzulande ein Konzept auf dem Papier. Ein Prozess, den man einhalten muss. Aber wenn der Entwickler nur über die Straße gehen muss, um einen Prototypen in 24 Stunden zu bekommen, ist das agiler als jeder Prozess. Es ist die Mentalität und das Ökosystem, das über Jahrzehnte aufgebaut wurde, das jetzt die Vorteile bringt. Und genau hier liegt der eigentliche Unterschied: nicht allein im Preis, sondern im Willen zur Geschwindigkeit und Umsetzung.
In Deutschland hingegen wird dieser Wille oft gebremst. Viele Firmen verkleinern sich, geben Entwicklung nur noch als Auftrag nach außen und beschäftigen ganze Abteilungen damit, Projekte zu verwalten, statt sie umzusetzen. Große Gruppen an Projektleitern greifen auf immer kleinere Entwicklerteams zu. Doch selbst diese Arbeit wird dann noch ausgelagert. Am Ende bleibt Verwaltung, aber keine echte Umsetzung. Excel-Listen statt Entwickler-Tools stehen auf der Tagesordnung. Es wirkt so, als will jeder nur noch verwalten, statt etwas zu erschaffen. Die immer erwähnte Fehlerkultur sollte man hier vielleicht als Beispiel anschauen. Firmen betonen immer wieder wie offen sie für Fehler sind. Aber wenn alle nur noch verwalten, wo soll dann das Learning sein? „Wir haben Zelle X9 grün statt blau gemacht" ist kein Fehler! Die falsche Auslegung eines Kondensators hingegen schon. Und nun stellt sich die Frage, wo wirklich jemand etwas gelernt hat.
Stand: 08.12.2025
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Wir schauen weiter zu, machen eine Produktion nach der anderen zu. Gerade wandert die PCB-Fertigung ab. Schaut man sich die aktuellen geopolitischen Ereignisse an, so kann dies ein fataler Fehler sein. Die Pharmaindustrie hat das ja schon erlebt. Aber was aus den Versprechen wurde, dass die Produktion wieder zurückkommt, sehen wir alle. Aus der Pandemie hat niemand etwas gelernt. Am Ende zählt nämlich nur der ausgewiesene Gewinn in der Bilanz und die daraus resultierende Dividende und nicht der Nutzen oder das gute Gefühl zu sagen, dass man 100 Mitarbeitern einen Job bieten kann, der deren Leben finanziert. Die Frage ist: Wollen wir wirklich so weitermachen, oder wollen wir die Kontrolle über Schlüsselindustrien zurückgewinnen? (mr)