Ukraine-Krieg IBM und VW ziehen sich aus Russland zurück

Von Sebastian Gerstl

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Nach Beginn der russischen Invasion in der Ukraine hatte IBM bereits seine Geschäfte in Russland vorläufig ausgesetzt, nun zieht sich Big Blue komplett zurück, Stellen werden abgebaut, die Webseite abgeschaltet. Auch VW stellt zumindest seine Co-Fertigung in Russland ein.

Logo auf dem französischen Hauptsitz von IBM: Der multinaltionale Konzern für Computersysteme hat als Reaktion auf den Krieg in der Ukraine beschlossen, seine Aktivitäten in Russland komplett einzustellen und den lokalen Standort zu schließen.
Logo auf dem französischen Hauptsitz von IBM: Der multinaltionale Konzern für Computersysteme hat als Reaktion auf den Krieg in der Ukraine beschlossen, seine Aktivitäten in Russland komplett einzustellen und den lokalen Standort zu schließen.
(Bild: Clipdealer)

Nach drei Monaten Ukraine-Krieg ziehen immer mehr Unternehmen drastische Konsequenzen. Mit IBM stellt ein weiteres tonangebendes multinationales Technologieunternehmen seine Geschäfte in Russland komplett ein.

IBM hatte bereits Anfang März als Reaktion auf die russische Invasion der Ukraine seine lokalen Geschäftstätigkeiten ausgesetzt. Nun hat das Unternehmen beschlossen, seine Niederlassung komplett zu schließen. IBM beschäftigt in Russland „mehrere Hundert“ Mitarbeiter, .von denen man sich nun trennt. Auch die russische Webseite von IBM wird geschlossen.

Versorgung und Bezahlung lokaler Angestellter nicht mehr länger zu gewährleisten

„Unser Hauptaugenmerk liegt seit Monaten auf der Sicherheit der IBM-Mitarbeiter und ihrer Familien in den betroffenen Regionen“, sagte Arvind Krishna, Chairman und CEO von IBM. Krishna hatte bereits Anfang Mai gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters geäußert, dass er nicht sicher sei, wie lange das Unternehmen seine Mitarbeiter in Russland angesichts der eskalierenden Sanktionen noch bezahlen könne. „Unsere Kollegen in Russland haben ohne eigenes Verschulden monatelang Stress und Unsicherheit ertragen“, schrieb Krishna nun. „Ich möchte versichern, dass IBM ihnen weiterhin zur Seite stehen und alle angemessenen Schritte unternehmen wird, um sie zu unterstützen und den Übergang so geordnet wie möglich zu gestalten“.

„Wir haben uns entschieden, den Betrieb auszusetzen, um längerfristige Optionen zu prüfen und gleichzeitig unsere Mitarbeiter in Russland weiter zu bezahlen und zu versorgen. Da die Folgen des Krieges immer gravierender werden und die Ungewissheit über seine langfristigen Auswirkungen wächst, haben wir nun die Entscheidung getroffen, das Geschäft von IBM in Russland geordnet abzuwickeln. Wir halten diesen Schritt für richtig und notwendig und für einen natürlichen nächsten Schritt nach der Aussetzung unseres Geschäfts.“

Auch VW stellt Co-Fertigung in Russland ein

Die Liste der namhaften Unternehmen, die Ihre Geschäftsbeziehungen mit Russlang nach über drei Monaten Ukraine-Krieg nun endgültig einstellen, wächst damit stetig an. Auch Volkswagen zieht sich aus der Produktion im russischen Montagewerk Nischni Nowgorod an der Wolga zurück. Lokalen Beschäftigten biete man eine Abfindung, wenn sie selbst kündigen, heißt es aus dem VW-Konzern.

An dem Standort lief bisher eine gemeinsame Fertigung mit dem Autobauer Gaz. Dessen Miteigentümer, Oleg Deripaska, steht im Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg auf westlichen Sanktionslisten. Zunächst gab es eine befristete Ausnahmegenehmigung für den Weiterbetrieb, die zuletzt aber nicht verlängert wurde, wie es am Donnerstag aus Wolfsburg hieß. Insgesamt geht es um rund 200 Arbeiter.

In Nischni Nowgorod war VW bislang an einer sogenannten CKD-Produktion beteiligt, bei der fertige Bauteilgruppen und Systeme zugeliefert und zu Autos montiert werden. Für die eigenen Kollegen in der bestehenden Auftragsfertigung gebe es nun keine Perspektive mehr, hieß es. «Die Partnerschaft ist beendet.»

Zukunft des konzerneigenen VW-Standorts noch ungewiss

Im russischen Kaluga, 150 Kilometer südwestlich von Moskau, betreibt VW noch ein eigenes Werk. Seit dem 3. März steht die Produktion still. Bislang hat die Volkswagen-Gruppe noch keine Entscheidung über einen möglichen endgültigen Rückzug vom russischen Markt bekanntgegeben.

Die Autobranche in Russland durchlebt eine schwere Krise. Praktisch alle Hersteller mussten ihre Fertigung wegen Teilemangels einstellen. Auch BMW hat den Bau von Autos im russischen Kaliningrad und den Export nach Russland eingestellt. Der Konzern hat 2021 mit seinem russischen Partner Avtotor 12 000 Autos in Kaliningrad gebaut und insgesamt 49 000 Autos in Russland verkauft. Auch der französische Stellantis-Konzern, zu dem die deutsche Automarke Opel gehört, hatte im April aufgrund von Ersatzteilmangel seine Produktion in Russland eingestellt

Ähnliche Schritte beschloss Mercedes-Benz. Die Stuttgarter setzen ihre Exporte nach Russland sowie die Fertigung dort aus. Mercedes hatte vor knapp drei Jahren sein erstes Pkw-Werk nahe Moskau eingeweiht. Auch der Lkw-Bauer Daimler Truck stellte seine Russland-Aktivitäten inklusive der Kooperation mit dem Panzerwagen-Hersteller Kamaz vorerst ein.

Selbst der heimische Autobauer Avtovaz ließ monatelang die Produktion ruhen. Nach einer Wiederinbetriebnahme der Fließbänder am Mittwoch musste das Unternehmen schon am Donnerstag erneut eine Unterbrechung für mindestens eine Woche ankündigen. Der Absatz von Neuwagen ist in Russland seit dem Beginn des Krieges um über 80 Prozent eingebrochen.

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