Nanophotonik Forscher entdecken neue Möglichkeiten der Lichtmanipulation

Von Dipl.-Ing. (FH) Hendrik Härter 3 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Forschern des MIT ist es gelungen, Licht im Nanometermaßstab gezielt zu manipulieren. Dadurch eröffnen sich neue Dimensionen in optoelektronischen Anwendungen. Mögliche Applikationen sind präzisere Sensoren oder integrierte Photonik-Schaltungen.

Die Grafik veranschaulicht die neue MIT-Plattform zur Manipulation von Licht. Die dünnen Strukturen stellen gemustertes Chromsulfidbromid dar, ein schichtartiges Quantenmaterial, das je nach Anwendung eines Magnetfelds unterschiedliche optische Reaktionen zeigt (dargestellt durch verschiedene Blautöne). Die orange und rosa Struktur repräsentiert die daraus resultierende Verstärkung der Licht-Materie-Interaktionen.(Bild:  Sampson Wilcox und Michael Hurley, MIT Research Laboratory of Electronics)
Die Grafik veranschaulicht die neue MIT-Plattform zur Manipulation von Licht. Die dünnen Strukturen stellen gemustertes Chromsulfidbromid dar, ein schichtartiges Quantenmaterial, das je nach Anwendung eines Magnetfelds unterschiedliche optische Reaktionen zeigt (dargestellt durch verschiedene Blautöne). Die orange und rosa Struktur repräsentiert die daraus resultierende Verstärkung der Licht-Materie-Interaktionen.
(Bild: Sampson Wilcox und Michael Hurley, MIT Research Laboratory of Electronics)

In einem bedeutenden Durchbruch haben Forscher des Massachusetts Institute of Technology (MIT) eine neue Technologie entwickelt, die die Nutzung und Kontrolle von Licht in bisher ungeahnte Dimensionen führt. Diese Innovation könnte die Zukunft optoelektronischer Anwendungen grundlegend verändern und neue Standards für Miniaturisierung und Effizienz setzen. „Dieses Werk markiert einen signifikanten Schritt in Richtung einer Zukunft, in der nanophotonische Geräte nicht nur kompakt und effizient, sondern auch reprogrammierbar und anpassungsfähig sind“, erklärt Riccardo Comin, Leiter des Forschungsteams und Associate Professor of Physics am MIT.

Die Wissenschaftler des MIT haben mithilfe der Nanophotonik Licht auf der Nanometer-Ebene manipuliert und damit die Entwicklung kompakter optischer Geräte ermöglicht. Diese sind nicht nur kleiner und effizienter als derzeitige Technologien, sondern lassen sich auch dynamisch anpassen, indem sie von einem optischen Modus auf einen anderen umgeschaltet werden. Comin beschreibt die Einzigartigkeit dieses Fortschritts: „Die Verbindung aufkommender Quantenmaterialien mit etablierten Nanophotonik-Architekturen wird sicherlich Fortschritte in beiden Bereichen mit sich bringen.“

Fortschritt durch Quantenmaterialien

Eine zentrale Rolle spielt das Quantenmaterial Chromsulfidbromid (CrSBr). Dieses innovative Material bietet durch seine Schichtstruktur und einzigartigen optischen Eigenschaften, die hauptsächlich durch Exzitonen geprägt werden – Quasiteilchen, die entstehen, wenn Licht von einem Material absorbiert wird –, eine starke optische Interaktion. Demir hebt hervor: „Wir können optische Strukturen so dünn wie sechs Nanometer herstellen, also nur sieben Schichten von Atomen, die übereinander gestapelt sind.“

CrSBr besitzt einen außergewöhnlich hohen Brechungsindex, der es ermöglicht, optische Strukturen zu formen, die bis zu einer Größenordnung dünner sind als die mit traditionellen Materialien gefertigten. Durch das Anlegen eines Magnetfeldes konnten die Forscher den optischen Modus kontinuierlich und reversibel umschalten, was eine dynamische Steuerung des Lichtflusses durch die Nanostruktur erlaubt, ohne dass bewegliche Teile oder Temperaturänderungen notwendig sind. „Diese Steuerung wird durch eine riesige, magnetisch induzierte Verschiebung des Brechungsindex ermöglicht, weit über das hinaus, was in etablierten photonischen Materialien erreichbar ist“, sagt Demir.

Zukünftige Entwicklungen

CrSBr kann in bestehende photonische Plattformen integriert werden, was seine sofortige Relevanz für reale Anwendungen unterstreicht. Als regulierbare Lage oder Komponente in sonst passiven Geräten bietet es nicht nur die Möglichkeit für angepasste Bildgebung und präzise Sensorik, sondern auch neue Formen von nicht-linearem Verhalten und Quantenlicht-Transport. Einzigartig dabei ist die intrinsische Unterstützung von Polaritionen, hybridisierten Licht-Materie-Teilchen, die klassische äußere optische Kavitäten überflüssig machen. Vaidya erklärt: „Tunability ist essenziell für viele nächste Generationen von Photonik-Anwendungen.“

Obwohl die aktuelle Forschung bei sehr niedrigen Temperaturen stattfand, streben die MIT-Forscher an, Materialien zu entwickeln, die bei höheren, alltagstauglichen Temperaturen arbeiten können. Dies wäre ein entscheidender Schritt, um die Technologie in noch breiterem Umfang nutzbar zu machen. „Selbst bei kryogenen Temperaturen wird der Aufwand sich lohnen,“ bemerkt Demir, „denn CrSBr ist so einzigartig im Vergleich zu anderen üblichen Materialien.“

Diese Entwicklung eröffnet nicht nur vollkommen neue Wege in der optoelektronischen Geräteentwicklung, sondern legt auch den Grundstein für revolutionäre Fortschritte in den Feldern der Quantenoptik und Photonik. Unterstützt wurde die Forschung durch das U.S. Department of Energy und das U.S. Army Research Office.

Diese Erkenntnisse könnten schon bald integraler Bestandteil technologischer Entwicklungen sein, die unser tägliches Leben beeinflussen. Insgesamt zeigt sich, dass die Verbindung aus neuartigen Materialien und fortschrittlicher Nanotechnologie ein enormes Potenzial birgt, welches jetzt bereit ist, genutzt zu werden. (heh)

(ID:50505310)

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung