Ionenstrahltechnik Die Schaufeln für Chinas nächsten Technologieboom

Von Henrik Bork 5 min Lesedauer

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Optische Chips, Kernfusion und Quantentechnik treiben in China den Aufbau neuer Fertigungskapazitäten voran. Davon profitiert Bodun Optoelectronics: Das Unternehmen liefert Ionenquellen und Ionenstrahl-Anlagen und will damit zunehmend westliche Anbieter ersetzen.

Ionenstrahlen können Oberflächen abtragen, beschichten oder bis auf atomare Ebene glätten. Solche Verfahren kommen unter anderem bei optischen Chips, Präzisionsoptiken und supraleitenden Materialien zum Einsatz.(Bild:  KI-generiert)
Ionenstrahlen können Oberflächen abtragen, beschichten oder bis auf atomare Ebene glätten. Solche Verfahren kommen unter anderem bei optischen Chips, Präzisionsoptiken und supraleitenden Materialien zum Einsatz.
(Bild: KI-generiert)

In Zhongshan in Südchina floriert das Geschäft derjenigen, die Schaufeln für die Schaufelverkäufer liefern. Das Bild stammt aus den Zeiten des großen Goldrauschs in Kalifornien um 1849. Damals verdienten die Verkäufer von Schaufeln mehr als die Goldgräber.

Genau das tut eine Firma namens Bodun Guangdian, auch als Bodun Optoelectronics bekannt, deren Mitgründer Ji Ming gerade zum ersten Mal ein Interview gegeben hat. Das chinesische Technikportal Huxiu widmet der Firma daher ein ausführliches Porträt.

Bleiben wir noch einen Moment beim Bild der Schaufeln und ihrer Verkäufer. Nvidia wird oft als der Schaufelverkäufer des KI-Booms bezeichnet. Doch über Nvidia stehen die Unternehmen, die die Werkzeuge für diese Schaufelverkäufer herstellen.

Die hier porträtierte Firma Bodun stellt Ionenquellen und Ionenstrahl-Anlagen her. „Wir sind die Schaufelverkäufer“, sagt Firmengründer Ji Ming selbst. Die Infrastruktur für viele Hochtechnologien werde gerade aufgebaut. Daher sei die Nachfrage nach seinen Produkten hoch, besonders in den drei Bereichen KI-Rechenzentren, Kernfusion und Quantentechnik.

Schaufeln aus dem Optics Valley

Der Ort Zhongshan liegt in der Südprovinz Guangdong und bezeichnet sich selbst als das „Optics Valley“ der Greater Bay Area rund um Shenzhen und Hongkong. Hier wurden einst vor allem Linsen für Smartphones und Überwachungskameras produziert. Die Maschinen zum Beschichten und Ätzen dieser Linsen kamen aus dem Ausland.

Bodun baut sie nun in China selbst. Es ist Hochtechnologie, aber auch keine Hexerei. Ein Ionenstrahl entsteht, wenn ein spezielles Gas ionisiert wird und elektromagnetische Felder die Ionen zu einem Strahl formen. Dieser Strahl kann Material abtragen, Schichten auftragen oder Oberflächen bis auf die atomare Ebene glätten. Ohne eigene Ionenquellen konnte China früher keine hochwertigen Ionenstrahl-Anlagen bauen. „So wie China keine guten Autos bauen konnte, weil der Motor fehlte“, sagt Ji Ming. Er und seine Firma sind dabei, das zu ändern.

Kernfusion, klassische Präzisionsoptik und Halbleiter, einschließlich optischer Kommunikation, machen jeweils etwa ein Drittel des bisherigen Jahresumsatzes von Bodun aus. Der Umsatz wuchs mehrere Jahre in Folge um 50 Prozent jährlich. Die Firma ist nicht börsennotiert. Die Angaben stammen von Bodun selbst und müssen mit Vorsicht genossen werden.

Im Juli dieses Jahres sicherte sich Bodun mehr als 100 Millionen Yuan (mehr als 13 Millionen Euro) in einer Finanzierungsrunde, berichtet das chinesische Technikportal 36Kr. Auch hier gab es keine verifizierbaren Angaben zum Umsatz des Unternehmens. Skepsis gegenüber der Genauigkeit der veröffentlichten Zahlen sollte aber nicht dazu führen, diese Erfolgsgeschichte zu übersehen.

Hightech-Profiteure

Bodun profitiert von drei großen und sehr realen Trends. Der erste ist die „heimische Substitution“, also das Bestreben der chinesischen Regierung, den Aufbau eigener Hightech-Fertigung als Antwort auf die US-Sanktionen stark zu beschleunigen. Der zweite Trend ist die vom KI-Boom ausgelöste steigende Nachfrage nach optischen Chips. Der dritte Trend, der sich in Boduns Auftragsbüchern niederschlägt, sind chinesische Investitionen in die kontrollierte Kernfusion und Quantenrechner.

Das Umsatzwachstum kommt „vor allem aus der optischen Kommunikation und den Supraleitern für die Kernfusion“, sagt Ji Ming. Fusionsanlagen benötigen Magnete aus Bändern von Hochtemperatur-Supraleitern. Bei der zweiten Generation dieser Bänder wird eine Schicht aus Magnesiumoxid mit ionenstrahlgestützter Abscheidung aufgebracht, ein unverzichtbarer Prozess, schreibt das Technikportal 36Kr. In China entstehen gerade viele neue Fabriken für solche Bänder, und Bodun beliefert fast alle Hersteller, heißt es aus Unternehmenskreisen.

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Als ob das noch nicht genug Glück für eine kleine Firma im Süden Chinas wäre, boomt jetzt aber auch noch etwas anderes. In KI-Rechenzentren fließen Daten zwischen Servern nicht als Elektronen, sondern als Licht. Die optischen Module und Chips bestehen aus Verbindungshalbleitern wie Indiumphosphid, Galliumarsenid und Lithiumniobat. Diese Komponenten erfordern eine hochpräzise Bearbeitung, und genau das ist die Stärke der Ionenstrahlen. Der Weltmarkt für optische Module erreichte 2024 laut Marktforscher C&C rund 12,7 Milliarden Euro, ein Anstieg von 52 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, so Huxiu. Fast alle bedeutenden chinesischen Hersteller optischer Chips seien Kunden von Bodun, heißt es bei Huxiu.

Profit aus der Chance schlagen

Ji Ming gründete seine Firma 2016 gemeinsam mit einem Studienfreund, der zuvor bei einem amerikanischen Ionenstrahl-Unternehmen gearbeitet hatte. Seine Strategie beschreibt Ji Ming als „Einkreisung der Städte vom Land aus“, ein Konzept aus der chinesischen Kriegskunst. Die ersten Kunden waren kleine Linsenhersteller in den Lieferketten von Apple und Huawei, die sich Importanlagen nicht leisten konnten.

Den ersten großen Auftrag verdankt Bodun den Amerikanern und ihrem Versuch, China von westlicher Hochtechnologie abzuschneiden und dessen eigene Fortschritte im Bereich der KI und Erfolge auf dem Weltmarkt zu bremsen. Washington erwirkte einen Lieferstopp aus den USA, Deutschland und Japan. Seit 2019 durfte ein chinesischer Hersteller von Spiegeln für die optische Fernerkundung aus dem All keine Anlagen mehr aus diesen drei westlichen Ländern beziehen. Man wandte sich in der Not an das damals noch junge Startup in Südchina.

„Wir haben gleich beim ersten großen Projekt im anspruchsvollsten Bereich, der Raumfahrt, überzeugt. Das beseitigte alle Zweifel an der Leistungsfähigkeit unserer Produkte“, sagt Ji Ming. 2023 und 2024 gelangte Bodun durch die Nachrüstung alter ausländischer Anlagen als Zulieferer in führende chinesische Chipfabriken. Ein japanischer Anlagenbauer prüfte die Ionenquellen fast drei Jahre lang. Seit 2026 werden sie serienmäßig in Anlagen internationaler Hersteller eingebaut, so Ji Ming. Den Namen des japanischen Unternehmens nennt Huxiu nicht. „Wir wollen europäische und amerikanische Produkte ersetzen“, wird der Firmengründer von 36Kr zitiert.

„Bei der Basistechnik ist der Abstand nicht groß. Aber ausländische Hersteller haben Jahrzehnte an Erfahrung. Diese Vorteile bleiben“, sagt Ji Ming. Erreichten ausländische Anlagen 100 Punkte, kämen chinesische auf 70 bis 80, so seine Rechnung. Die Schwächen liegen bei Zuverlässigkeit, Stabilität und Konsistenz, sagt er. Das ist ehrlicher, als man es von vielen Unternehmern gewohnt ist, ob nun chinesisch oder nicht.

Der Preis ist heiß

Dafür stimmt aber der Preis. Chinesische Kunden erwarten bei gleicher Leistung zwei Drittel oder die Hälfte des Auslandspreises, sagt Ji Ming. Direkte Preisvergleiche sind schwer geworden, seit der Technologie- und Handelskrieg aus Washington und Brüssel dazu führt, dass Peking im Gegenzug auch den Zugang zum chinesischen Markt für bestimmte Firmen aus dem Westen erschwert.

Deutschland gehört zu den Ländern, deren Anlagen 2019 für chinesische Raumfahrtkunden gesperrt wurden. Zu den etablierten Anbietern von Ionenstrahl-Anlagen zählt beispielsweise Scia Systems aus Chemnitz. Die Firma wirbt mit dem Ionenstrahlätzen von Wellenleitern aus Lithiumniobat, genau der Anwendung, in die Bodun jetzt expandiert.

Wie lange die guten Zeiten dauern werden, wagt der chinesische Unternehmer nicht vorherzusagen. „Wenn die Branche reif ist, könnte die Nachfrage schrumpfen. Jetzt, da alle investieren, haben wir als Anlagenbauer viel Nachfrage“, sagt Ji Ming.

Die Sanktionen von Donald Trump und ein Lieferstopp aus dem Ausland waren der Startschuss, der Bodun das Wachstum ermöglicht hat. Jetzt werden in China selbst immer mehr Fabriken für Supraleiterbänder und optische Chips gebaut. Die Firmen, die die Schaufeln für die Schaufelverkäufer des KI-Goldrauschs bauen, haben erst einmal genug zu tun. (sb)

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