50 Jahre Reichle & De-Massari

Die große Geschichte der kleinen Steckverbinder

Seite: 2/2

Anbieter zum Thema

Die Alternative in der Anschlusstechnik von Telefondosen

Bild 1: 1964 nehmen Hans Reichle (li) und Renato De-Massari ihre Geschäftsätigkeit auf.
Bild 1: 1964 nehmen Hans Reichle (li) und Renato De-Massari ihre Geschäftsätigkeit auf.
(Bild: R&M)
Die beiden Gründer arbeiteten 1962 erstmals zusammen; als Elektromonteure der Autophon AG in Zürich mussten sie Hunderte von Telefonanschlüssen neu installieren. Das war sehr umständlich. Man brauchte viel Zeit, um die Drähte einzuführen und zu kontaktieren. Bei einem Bier an einem heißen Sommertag diskutierten sie Alternativen und eine neue Anschlussdose für Tischtelefone wurde konkret.

Diese fünfpolige Anschluss- und Durchgangsdose mit leicht bedienbaren Schraubklemmen reduzierte die Installationszeit um 40%. Reichles Vater half den beiden schließlich mit einem Kredit bei der Realisierung einer eigenen Firma. Die Produkte wurden von Fachleuten rasch akzeptiert, denn die Dosen und der Reichle-Stecker erleichterten den Installateuren die Arbeit.

Die erste Dekade der Firmengeschichte krönte die Erfindung einer zweipoligen Anschlussklemme mit selbst abhebenden Klemmenplatten mit Wippeffekt. Neu daran war, dass man die geraden Drahtenden unter die Klemmplatte steckte und die vorkonfektionierte Schraube anzog. Mit zwei Handgriffen war der Kontakt hergestellt. Die Klemme löste zwölf Klemmentypen von vier Herstellern ab. Und sie war bereits modular ausgeführt.

Zu Beginn der zweiten Dekade führten Reichle und de-Massari die Schneidklemmentechnik ein, bei der man sich das Abisolieren sparte. Höhepunkt war die Markteinführung des Verteilersystems VS Modular für den schnellen Auf- und Ausbau hoch verdichteter Verteilerzentren bei Telekomfirmen.

In der dritten Dekade folgte ein werkzeugfrei beschaltbares RJ45-Modul als installationsfreundliche Anschlusstechnik in der IT-Verkabelung. 1987 stieg man in die Glasfasertechnik ein.

Sprünge in der Fiber Optic

Internet, PC und Digitalisierung prägten die vierte Dekade, man konzentrierte sich auf die Weiterentwicklung der Anschlusstechnik wie z.B. das RJ45-Direktbeschaltungsmodul in der Kategorie 5. Zur Jahrtausendwende fertigten die Schweizer als erster Hersteller Anschlussmodule der Kategorie 6 vollautomatisch und testeten zu 100%. Zeitgleich gelangen große Sprünge in der Fiber Optic.

Die fünfte Dekade war anfangs geprägt durch 10 GigaBit Ethernet, wofür es eine geschirmte Verkabelungslösung gab. 2009 zählte R&M zu den Pionieren, die ein Cat. 6A Kupfer-Anschlussmodul vorstellten, das die Anforderungen der ISO-Norm übertraf. Das Single Circuit Management System (SCM) läutete 2010 eine neue Epoche für Glasfasernetze ein. Aktuell liegt das Augenmerk auf 40 und 100 GigaBit Ethernet, wo man vorrangig auf paralleloptische Verbindungstechnik setzt.

Auch in Zukunft wolle man eine marktnahe Innovationskultur pflegen. Gleichzeitig gelte es, die Balance zwischen nötigen Diversifikationen zu gewährleisten, ohne jedoch das Kerngeschäft zu vernachlässigen, fasst Reichle zusammen.

Nachfolgeregelung und rasante Auslandexpansion

Bild 8: Peter und Martin (re) Reichle
Bild 8: Peter und Martin (re) Reichle
(Bild: R&M)
Der Generationenwechsel wurde sorgfältig geplant und vollzogen. 1999 ging die operative Leitung an die Gründersöhne Martin und Peter Reichle über. Sie waren zuvor schon mehrere Jahre im Familienunternehmen tätig und trieben insbesondere die Internationalisierung des Unternehmens intensiv voran. Der Umsatz stieg unter ihrer Leitung auf über 200 Mio. CHF. Nachlesen kann man die Entwicklung der zweiten Generation in der Jubiläumsschrift. Der „familiäre Spirit“ sei auf der ganzen Welt spürbar und werde von den Geschäftspartnern sehr geschätzt, halten Martin und Peter Reichle fest.

Die Grundwerte des Unternehmens sind in all den Jahren dieselben geblieben: Ehrlichkeit, Bescheidenheit und Respekt – dies gilt für den einstigen schweizerischen Kleinbetrieb genauso wie für den heutigen internationalen Player.

Verkabelungslösungen für hochwertige Kommunikationsnetze

Mittlerweile ist das Unternehmen führender Anbieter von passiven Verkabelungslösungen für hochwertige Kommunikationsnetze. Die Schweizer leisten weltweit mit Kupfer- und Glasfasersystemen einen entscheidenden Beitrag zur Betriebssicherheit in der Sprach-, Daten- und Bildübertragung. Mit hoher Produktqualität und vorausschauendem Systemdesign sorgt das Unternehmen für zukunftsfähige Netzwerke und langfristig sichere Investitionen.

Einige markante Zahlen prägen die Erfolgsgeschichte. So hat R&M die Mitarbeiterzahl in seinen 50 Geschäftsjahren um den Faktor 500 gesteigert. Der Umsatz stieg um das Dreitausendfache auf zuletzt knapp 200 Mio. CHF. Der Exportanteil liegt bei 75%. Mehr als 50% der Produkte sind jünger als fünf Jahre.

Um R&M als etabliertes Unternehmen in eine nächste Phase der Unternehmensentwicklung zu bringen, sei eine weitere Internationalisierung notwendig, fasst Riva in seinem Ausblick zusammen. Besonders erfreulich sei im Jubiläumsjahr die Geschäftsentwicklung in den Märkten Asia Pacific (APAC) und Europa einschließlich der deutschsprachigen Länder.

(ID:42873694)