Humanoide Robotik Boston Dynamics bringt Atlas in Hyundais Werke: Erst Logistik, dann Montage

Von Manuel Christa 2 min Lesedauer

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Hyundai will den serienreifen Humanoiden Atlas in die Produktion holen. Erst sortiert er Teile, später soll er montieren. Gleichzeitig arbeiten Robohund Spot und Roboterarm Stretch in Werken und Lagern. Was bisher bekannt ist und was offen bleibt.

Boston Dynamics Atlas im Hyundai-Werk: Der Humanoid soll ab 2028 erst Teile vorkommissionieren und später in die Montage hineinwachsen.(Bild:  Boston Dynamics)
Boston Dynamics Atlas im Hyundai-Werk: Der Humanoid soll ab 2028 erst Teile vorkommissionieren und später in die Montage hineinwachsen.
(Bild: Boston Dynamics)

In Hyundais neuer Fabriklandschaft läuft Robotik längst nicht nur hinter Gittern. Im Werkverbund der Hyundai Motor Group übernehmen Systeme Materialtransport, automatisiertes Parken und Qualitätschecks. Der nächste Schritt soll ein Humanoid sein, der sich in den gleichen Gängen und Taktbereichen bewegt wie Menschen.

Dafür setzt der Konzern auf Atlas von Boston Dynamics. Hyundai plant, den Roboter ab 2028 im Hyundai Motor Group Metaplant America (HMGMA) in Georgia einzusetzen. Zuerst soll Atlas Bauteile in der richtigen Reihenfolge bereitstellen, also Teile für die Montage vorkommissionieren. Ab 2030 soll er in die Baugruppenmontage hineinwachsen. Der Konzern begründet das mit Entlastung bei schweren, repetitiven oder riskanten Tätigkeiten.

Was Atlas in der Fabrik alles leisten soll

Hyundai und Boston Dynamics beschreiben Atlas als für den Fabrikeinsatz vorgesehene Serienplattform. Reuters zufolge kann Atlas bis zu 50 Kilogramm heben und in einem Temperaturfenster von minus 20 bis plus 40 Grad Celsius arbeiten. Hyundai und Boston Dynamics setzen auf menschenähnliche Hände und einen Bewegungsapparat, der Greif- und Fügeaufgaben in Industrieumgebungen ermöglichen soll.

Der Fahrplan klingt bewusst pragmatisch: Erst Logistikaufgaben, dann Montage. Dahinter steckt auch ein Sicherheits- und Qualitätsversprechen. Hyundai stellt den Ausbau in Stufen in Aussicht. Parallel baut Hyundai seine Software- und KI-Partnerschaften aus. Reuters zufolge arbeitet der Konzern dabei unter anderem mit Nvidia und Google zusammen.

Training im RMAC statt Lernen am laufenden Band

Damit Atlas nicht als Einzelstück im Pilot hängen bleibt, baut Hyundai eine Trainings- und Validierungsstrecke auf. Boston Dynamics schreibt, dass Atlas-Flotten 2026 an Hyundais Robotics Metaplant Application Center (RMAC) geliefert werden sollen. Dort sollen Roboter Aufgaben lernen, getestet werden und in Serie belastbar werden, bevor sie in die Produktion gehen.

Hyundai koppelt das an sein Konzept der „softwaredefinierten Fabrik“. Der Konzern beschreibt damit eine Fertigungslogik, die Prozesse stärker über Daten und Software steuert und schneller umstellt. Für Robotik heißt das: Aufgaben, Updates und Datenrückfluss sollen sich systematisch organisieren lassen, statt dass jede Linie ihre eigene Sonderlösung baut.

Spot und Stretch sind schon da, Zahlen bleiben dünn

Wie nah Hyundai Robotik an die Produktion heranholt, zeigen Beispiele jenseits von Atlas. In HMGMA soll Spot für Außenqualitätsprüfungen in der Schweißerei eingesetzt werden. Hyundai nennt zudem fahrerlose Transportfahrzeuge für die Logistik und Parkroboter in der Montage. In Singapur nutzt das Hyundai Motor Group Innovation Center Singapore (HMGICS) Spot bereits, um Bilder auf dem Shopfloor zu erfassen; daraus speisen sich KI-gestützte Qualitäts- und Prüfprozesse. Hyundai beschreibt HMGICS als hochautomatisierte Fabrik mit rund 200 Robotern.

Konkrete Stückzahlen für Atlas im Werk nennt Hyundai bislang nicht. Bekannt ist aber die Produktionsambition: Reuters zufolge plant die Boston Dynamics eine Roboterfabrik, die ab 2028 rund 30.000 humanoide Roboter pro Jahr fertigen kann. Hyundai will die humanoiden Roboter ab 2028 schrittweise in mehreren Werken einsetzen. Zusätzlich nennt das Unternehmen Kennzahlen aus bestehenden Flotten: Der Lagerroboter Stretch habe seit 2023 weltweit mehr als 20 Millionen Kartons entladen, Spot sei in mehr als 40 Ländern im Einsatz. (mc)

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