Geschäftsbericht Aufschwung bei Intel, auch weil bei KI-CPUs nicht Klasse, sondern Masse zählt

Von Susanne Braun 3 min Lesedauer

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Intel hat im ersten Quartal 2026 deutlich bessere Ergebnisse erzielt als die Industrie erwartet hat. Der Umsatz etwa stieg um 7 Prozent auf 13,6 Milliarden US-Dollar. Ein Teil des Erfolgs stammt aus dem Verkauf von CPUs, die normalerweise als leistungsschwach gelten würden.

Clearwater Forest ist ein Rechenzentren-Prozessor und wird in Intels Fab 52 in Chandler produziert.(Bild:  Intel Corp.)
Clearwater Forest ist ein Rechenzentren-Prozessor und wird in Intels Fab 52 in Chandler produziert.
(Bild: Intel Corp.)

Die extreme Nachfrage nach Prozessoren für KI-Infrastruktur lässt offenbar selbst leistungsschwache Chips zu Geld werden, wie die Verantwortlichen des Chip-Konzerns Intel durchblicken ließen. Intel meldete am 23. April 2026 die Finanzergebnisse für das erste Quartal und hat mit den Zahlen die Erwartungen der Analysten deutlich übertroffen.

Im Detail: Der Umsatz lag bei 13,6 Milliarden US-Dollar, nachdem 12,36 Milliarden US-Dollar erwartet worden waren. Besonders auffällig: Die Non-GAAP-Bruttomarge erreichte 41 Prozent und lag damit deutlich über Intels eigener Prognose von 34,5 Prozent.

Profit aus Randchips schlagen

Was hinter dem überraschenden Margenanstieg steckt, erläuterte Intel auf Nachfrage von Analysten: Ein Teil des Gewinns stammt aus dem Verkauf von CPUs, die unter normalen Umständen als leistungsschwach gegolten hätten. Laut Branchenanalyst Ben Bajarin bestätigte Intels Investor-Relations-Team (via Tom's Hardware), dass Kunden derzeit „alles kaufen, was produziert wird – einschließlich dessen, was normalerweise Schrott oder minderwertiger Output wäre“. Gemeint sind dabei Chips mit geringerer Leistungsfähigkeit, die unter normalen Marktbedingungen eher niedrigeren Leistungsklassen zugeordnet oder gar nicht vermarktet würden.

Hintergrund ist die Chip-Fertigung selbst: Bei der Wafer-Produktion sind die Chips an den Rändern qualitativ schlechter als jene aus der Mitte. Sie weisen mehr Defekte auf und erreichen nicht die Leistung für High-End-SKUs. Normalerweise werden solche Chips entweder als günstigere Low-End-Varianten verkauft oder verschrottet. In der aktuellen Marktsituation jedoch kaufen Kunden selbst diese Chips – zu verwertbaren Preisen.

„Die Nachfrage nach CPUs ist so stark, dass Kunden alles abnehmen“, schließt Bajarin. Intel konnte diese Chips als niedrigere SKUs klassifizieren („binning“) und verkaufen, statt sie zu entsorgen. Das Ergebnis: zusätzlicher Umsatz und höhere Margen, durch extrem hohe Nachfrage.

Das lässt sich freilich auch kritisch sehen: Die Hardware, die in KI-Rechenzentren verbaut wird, hat schon eine kurze Lebensdauer von nur wenigen Jahren. Leistungsschwächere Anwendungen könnten noch schneller ausgetauscht werden.

KI-getriebene CPU-Nachfrage

Die Ursache liegt in der KI-Infrastruktur. Intels Xeon-Prozessoren, die in Rechenzentren für KI-Workloads eingesetzt werden, sind seit Monaten stark nachgefragt. Große OEMs wie Dell, HP und Lenovo sowie Hyperscaler wie Microsoft, Google und Amazon kaufen Intel-Prozessoren in enormen Mengen, um Rechenzentren auszubauen. „Die nächste Welle der KI wird Intelligenz näher an den Endnutzer bringen – von grundlegenden Modellen über Inferenz bis zu agentischen Systemen“, sagte Intel-CEO Lip-Bu Tan. „Diese Verschiebung erhöht den Bedarf an Intels CPUs und Wafer- sowie Advanced-Packaging-Angeboten erheblich.“

Intel meldete zum sechsten Quartal in Folge Umsätze über den eigenen Erwartungen. Im Geschäftsbereich Data Center and AI (DCAI) stieg der Umsatz im Jahresvergleich um 22 Prozent auf 5,1 Milliarden US-Dollar. Die Client Computing Group (CCG) legte um 1 Prozent auf 7,7 Milliarden zu. Intel Foundry verzeichnete ein Plus von 16 Prozent auf 5,4 Milliarden US-Dollar, ein Segment, das sowohl interne als auch externe Fertigungsleistungen umfasst.

Für das zweite Quartal 2026 prognostiziert Intel einen Umsatz zwischen 13,8 und 14,8 Milliarden US-Dollar. Die Non-GAAP-Bruttomarge soll bei 39 Prozent liegen, der Gewinn je Aktie bei 0,20 US-Dollar.

Strategische Partnerschaften

Parallel zu den Quartalszahlen meldete Intel mehrere strategische Kooperationen. Mit Google wurde eine mehrjährige Zusammenarbeit für den Einsatz von Intel-Xeon-6-Prozessoren in Google-Cloud-Instanzen vereinbart, einschließlich der Co-Entwicklung von ASICs für KI-Workloads. Intel Xeon 6 wurde zudem als Host-CPU für Nvidias DGX-Rubin-NVL8-Systeme ausgewählt. Zudem kündigte Intel gemeinsam mit SambaNova eine heterogene Hardware-Lösung an, die GPUs, SambaNova RDUs und Intel-Xeon-6-Prozessoren kombiniert. Intel trat außerdem dem Terafab-Projekt als strategischer Partner bei, gemeinsam mit SpaceX, xAI und Tesla. Ziel ist es, Silizium-Fertigungstechnologien neu zu gestalten. Wir haben darüber berichtet. (sb)

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