Vorsicht bei Investoren nimmt zu Zeigt der Speicher-Boom erste Schwächesignale?

Von Sebastian Gerstl 3 min Lesedauer

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Die Speicherpreise bleiben hoch, DRAM- und NAND-Hersteller profitieren weiter von KI und knappen Kapazitäten. Doch Analysten mahnen: niedrige Aktienbewertungen, schwacher Spot-Handel und fallende Spot-Preise speziell bei NAND deuten auf wachsende Skepsis bei Anlegern hin.

Auch wenn die Preise für DRAM- und NAND-Speicher aufgrund hoher nachfrage und geringer Kapazitäten noch hoch bleiben, scheint der Markt erste Anzeichen eines nachlassenden Booms zu zeigen. Demnach zeigen sich Anleger zunehmend skeptisch, wie viel länger der KI-Boom den anhaltenden Aufwärtstrend im Speichermarkt aufrecht erhalten kann.(Bild:  Dall-E / KI-generiert)
Auch wenn die Preise für DRAM- und NAND-Speicher aufgrund hoher nachfrage und geringer Kapazitäten noch hoch bleiben, scheint der Markt erste Anzeichen eines nachlassenden Booms zu zeigen. Demnach zeigen sich Anleger zunehmend skeptisch, wie viel länger der KI-Boom den anhaltenden Aufwärtstrend im Speichermarkt aufrecht erhalten kann.
(Bild: Dall-E / KI-generiert)

Der weltweite Speichermarkt bleibt von hoher Nachfrage nach Produkten für KI-Rechenzentren geprägt. Vor allem HBM und Server-DRAM gelten weiterhin als knapp, Branchenanalysten rechnen teilweise bis 2027 mit Engpässen. Auch die Vertragspreise sollen im vierten Quartal weiter steigen, wenngleich weniger stark als zuvor.

Gleichzeitig mehren sich Hinweise darauf, dass Investoren die Dauer des derzeitigen Speicherbooms zunehmend vorsichtiger beurteilen. „Die Bewertungen von Speicheraktien sind weiter gesunken“, meldet unter anderem das Wall Street Journal und beruft sich dabei auf eine entsprechende Mitteilung der Bank of America. So werde Micron wird derzeit mit rund dem Siebenfachen der erwarteten Gewinne gehandelt. Auch wenn das immer noch beachtlich ist, hatte der entsprechende Multiplikator im Juni noch bei etwa zwölf gelegen. Auch bei anderen Speichergrößen haben sich die Erwartungen entsprechend gewandelt: Bei SK Hynix sank etwa das Verhältnis vom achtfachen Wert auf nur noch etwa das Vierfache. Solche sinkenden Bewertungen sind in der Speicherbranche in der Regel gegen Ende eines Aufwärtszyklus zu beobachten.

Anleger zweifeln an einem dauerhaft veränderten Zyklus

Die Hersteller argumentieren dagegen, dass langfristige Lieferverträge die traditionell starken Schwankungen des Speichermarktes künftig abmildern könnten. Ein wachsender Teil der Produktion ist bereits über solche Vereinbarungen gebunden. Micron hatte im Juni beispielsweise erklärt, langfristig mindestens die Hälfte seines Umsatzes über entsprechende Verträge erzielen zu wollen.

An den Kapitalmärkten hat dies die Sorge vor einem erneuten Abschwung bislang jedoch nicht beseitigt. Zusätzliche Produktionskapazitäten bei Micron und SK Hynix sowie Erweiterungen bei chinesischen Herstellern wie YMTC und CXMT könnten das Angebot in den kommenden Jahren zwar durchaus erhöhen: In früheren Speicherzyklen führten steigende Kapazitäten regelmäßig zu sinkenden Preisen und Margen, sobald die Nachfrage mit dem Produktionswachstum nicht mehr Schritt hielt.

Für das vierte Quartal zeichnet sich allerdings noch kein allgemeiner Preiseinbruch ab. TrendForce erwartet bei den NAND-Vertragspreisen weiterhin Zuwächse von 15 bis 20 Prozent; auch bei DRAM sollen die Preise steigen. Die prognostizierten Aufschläge fallen damit zwar geringer aus als zu früheren Zeitpunkten des laufenden Zyklus, sprechen aber zunächst weiterhin für einen angespannten Vertragsmarkt.

Spotmarkt zeigt sich zurückhaltender

Deutlich verhaltener präsentiert sich dagegen der kurzfristige Spotmarkt. Der durchschnittliche Spotpreis für DDR4-Chips mit 1Gx8 und 3200 MT/s stieg zwischen dem 23. und 29. September lediglich um 0,93 Prozent von 45,89 auf 46,32 US-Dollar. Gleichzeitig blieb der Handel schwach, Käufer agierten laut den Branchenanalysten von TrendForce konservativ, die Preise bewegten sich überwiegend in einer engen Spanne.

Noch ausgeprägter ist die Zurückhaltung bei NAND Flash. Die Nachfrage aus dem Consumer-Bereich zeigt bislang keine erkennbare Belebung. Anbieter reagieren mit flexibleren Preisangeboten, während Käufer vielfach abwarten. Die durchschnittlichen Spotpreise für 512-Gbit-TLC-Wafer sanken am 28. September innerhalb einer Woche um 2,45 Prozent auf 19,396 US-Dollar.

Damit entwickelt sich der Speichermarkt zunehmend uneinheitlich. Während KI-Rechenzentren, HBM und Server-Speicher für hohe Auslastung und steigende Vertragspreise sorgen, zeigen Consumer-NAND und Teile des Spotmarkts deutlich schwächere Nachfrage. Die fallenden NAND-Spotpreise widersprechen den erwarteten höheren Vertragspreisen daher nicht unmittelbar, liefern aber ein Gegensignal zur allgemeinen Stärke des Marktes. Entscheidend für die weitere Entwicklung dürfte sein, ob die KI-Nachfrage stark genug bleibt, um zusätzliche Produktionskapazitäten und schwächere Segmente dauerhaft auszugleichen.(sg)

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