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„Kompatibel“ ist weder sicher noch zertifiziert
Dabei müsste es bekannt sein, dass der Einsatz von durchgängigen Steckverbindersystemen eines Herstellers sicherstellt, dass Zertifizierungen bestehen bleiben. Sowohl der TÜV als auch UL raten von der Kombination von Steckverbindern unterschiedlicher Hersteller ab.
Im Fall der Brandkatastrophe hatte sich der Installateur auf die Versicherung des Anbieters, seine Stecker seien kompatibel, verlassen. Dr. Michael Berginski, Leiter der PV-Aktivitäten im Bereich Engineering und Produktmanagement meint dazu: „Die Firma Multi-Contact hat bis heute keinerlei Kompatibilität von Fremdprodukten zu unseren MC3- oder MC4-Steckverbindern bestätigt. Wir beabsichtigen auch nicht, dieses in Zukunft zu tun. Eine Kompatibilität von PV-Steckverbindern gibt es für uns nur innerhalb der gleichen Typenfamilie desselben Herstellers, bei aufeinander abgestimmten Prozessen, Materialien, Produktionshilfsstoffen, Änderungswesen etc.“
Berginski hat so genannte „Fremdverbindungen“ von Multi-Contact PV Steckverbindern mit Steckverbindern anderer Fabrikate untersucht und kommt zu ernüchternden Ergebnissen: Bei Fremdverbindungen lagen die Temperaturen der Steckverbinder in einer Reihe von Fällen deutlich über den zulässigen Werten (Bild 2). Interessant war, dass der Durchgangswiderstand im Neuzustand beim Fremdverbau anfangs zwar niedrig war, aber im Laufe der Zeit teilweise sehr stark anstieg. Beim Verbau gleicher Steckerfamilien blieb der Durchgangswiderstand nahezu konstant. Die Einhaltung des IP-Schutzgrades wird bei Fremdverbau unter anderem durch die Steckertoleranzen erschwert; oft sitzen die Steckverbinder zu locker. Die Folgen sind Leistungsverluste, eine deutlich größere Erwärmung bis zur Brandgefahr, die Verformung der Stecker mit Nichteinhalten von Wasser- oder Staubschutz gemäß IP-Klasse und somit die Gefahr eines elektrischen Schlages.
Die rechtlichen Folgen können gravierend sein
„Fremdverbindungen sind in vielen PV Anlagen zu finden. Dieses kann nicht nur zu technischen, sondern auch zu rechtlichen Problemen führen. Die Hersteller übernehmen im Fall einer Vermischung von Systemen entweder keinerlei Haftung oder diese ist bei einem massiven Auftreten von Problemen zeitversetzt nach wenigen Jahren nicht mehr viel wert. Durch Bruch, Verformungen und die dadurch ungeschützt offen liegenden stromführenden Teile, kommt es im günstigsten Fall zu Ertragseinbußen der Anlagenbetreiber. Die extreme Folge kann aber sein, dass es mit fortwährender Zeit zum Schmelzen oder gar zum Brand dieser Steckverbinder kommt.“, erläutert Berginski.
Auch wenn Steckverbinder augenscheinlich ineinander passen, können Zug- und Verdrehkräfte, Verschmutzung, die gegenseitige Beeinflussung der Materialien (Gehäuse, Dichtungen, Steckerstifte usw.) zu Folgen führen, die bei einer Prüfung beanstandet würden.
Illegale Kopien der MC3- und MC4-Steckverbinder, vorwiegend aus Asien, tauchen jedoch immer wieder auf. Rein äußerlich sind diese Nachahmungen teilweise nur schwer vom Original zu unterscheiden. Bei einem Vergleich auf technischer Ebene treten bei den Plagiaten jedoch oft erhebliche qualitative Mängel zutage. Kritisch sind hier vor allem Defizite bei der Sicherheit. Oben auf der Hitliste der Mängel sind die fehlende UV-Beständigkeit und hohe Übergangswiderstände. Zu hohe Übergangswiderstände können zur Überhitzung der Steckverbinder führen; es besteht Brandgefahr.
Falsche Steckverbinder verschlechtern den Wirkungsgrad der PV-Anlage
Dort wo es nicht zum Totalausfall durch Brand kommt, verschlechtern diese Steckverbinder den Wirkungsgrad. Ein schleichendes Abnehmen des Stromertrags wird oft mit der Wetterlage „schön geredet“, in Wirklichkeit können auch die Steckverbinder die Ursache sein.
Dringt zudem Wasser durch eine nicht dichte Steckverbindung (Bild 3) ein, kann es infolge des Kapillareffekts in Richtung Modul wandern und dort Überschläge auslösen, die teure Folgeschäden verursachen. Stellt man diese Verluste den Einsparungen bei der Installation gegenüber, wird schnell klar, dass man zusätzlich zum Eingehen von leicht vermeidbaren Risiken eine schlechte Investition getätigt hat.
* Sascha Schmidt arbeitet als Produktmanager Photovoltaik bei Multi-Contact in Essen.
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