Schaltschranksystem VX25: Industrie 4.0 im Schaltschrankbau

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Das vom Rittal-Team Forschung und Entwicklung entwickelte neue Profil setzte sich durch. „Uns wurde bestätigt: Es braucht Jahre an Erfahrung, um sehr, sehr gute Schaltschränke zu entwickeln.“ Begeistert hat Loh die Dynamik der fünfjährigen Entwicklungsgeschichte des VX25. „Das würden wir in jeder Facette nochmals genauso angehen.“

Was ist neu beim Schaltschrank VX25?

Die Herborner haben beim Schaltschrank VX25 ganz bewusst nur dort angesetzt, wo es dem Anwender einen Vorteil bringt. „Bewährtes haben wir weitestgehend erhalten, um unseren Kunden den Umstieg zu erleichtern“, erklärt Matthias Müller, Abteilungsleiter Produktmanagement Schaltschränke. Aber was ist jetzt originär neu? „Dass der Schaltschrank so tickt, wie der Kunde denkt und handelt: in Funktionen und Prozessen, das sind die großen Hebel.“

Ein Beispiel sei die neue Zugänglichkeit des VX25 von allen vier Seiten. „Die äußere Montageebene lässt sich jetzt von außen bestücken, ein Riesenvorteil in der Praxis. Das betrifft locker 40% unserer Kunden.“ So lässt sich schnell 30 min Zeit gegenüber der konventionellen Montage einsparen. Gleiches gilt für die neue Möglichkeit, Montageplatten auch von hinten einzubauen.

Speziell beim Einbau von Montageplatten mit hohen Gewichten ist das ein Argument, das im Schaltanlagenbau rund um den Globus einleuchtet. 20 mm mehr Einbautiefe hinten versprechen neuen Handlungsspielraum. Das ist wichtig, um dem stetig steigenden Wunsch nach höheren Packungsdichten gerecht zu werden. Zur Optimierung der Wertschöpfungskette von Kunden im Steuerungs- und Schaltanlagenbau werden die Flachteile des VX25 mit einem „eindeutigen“ QR-Code versehen.

Dadurch können die Bauteile im Warenwirtschaftssystem des Kunden der jeweiligen Stücklistenposition zugeordnet werden. Jetzt lassen sich die Flachteile über den kompletten Workflow tracken, den korrekten Bearbeitungsprogrammen zuordnen, Bearbeitungszeiten erfassen und vieles mehr.

Viel einfacher im Konzept und weniger Aufwand bei Engineering und Montage – das führt Müller vor allem auf die reduzierte Komplexität in der Teilevielfalt zurück, die mit Multifunktionsbauteilen erzielt werden. „Beim VX25 ist es gelungen, mit deutlich weniger Zubehörteilen alle Funktionen des Vorgängers TS 8 abzubilden und zusätzlich neue Funktionen und Mehrwert zu schaffen.“, resümiert Müller.

Dass es sich beim VX25 um eine Systemplattform handelt, unterstreicht auch wirkungsvoll der neue „automatische Potenzialausgleich“. Wie beim TS 8 sind Dach, Rückwand, Seitenwände und Bodenbleche automatisch über ihre Befestigungselemente sicher kontaktiert. Neu ist: Werden in diesen Flachteilen spannungsführende Rittal-Komponenten wie Filterlüfter oder Klimageräte eingebaut, kann man zukünftig auch auf die Erdungsbänder verzichten.

Schneller Griffwechsel ohne Werkzeug

Dank des Snap-on-Griffsystems ist der Griffwechsel doppelt so schnell erledigt wie zuvor. „Einmal dranhalten, zudrücken, fertig. Früher musste der Griff mit Schrauben montiert werden“, so Müller. Ehemals musste übrigens auch geklebt werden: konkret die Anreihdichtung. Sie wird jetzt gesteckt. Und die neue Schraubverbindung in Anreihrichtung macht beliebige Kombinationen nach allen Seiten noch einfacher.

Zurück zur Tür: Komplett sparen könnten sich Kunden zukünftig die mechanische Bearbeitung der Tür bei der 180°-Scharnier-Montage. „Das Bohren von acht Löchern, entgraten, lackieren: Rund 30 min benötigte man bisher pro Tür bei der Umrüstung auf 180°.“ Schon die Türmontage wird zum Kinderspiel. „Sie lässt sich einfach wie eine Wohnungstür aus- und einhängen, wobei sie im geschlossenen Zustand automatisch gesichert ist.“, erklärt Müller.

Intelligenz im Schaltschrank-Sockel

Eine weitere Innovation ist der Schaltschrank-Sockel. Dieser vereint alle Funktionen vom TS-Sockel und dem Sockelsystem Flex-Block in einer Lösung. Im Sockel ist das Schrankzubehör einbaubar. Im Sockel geführte Kabel können über System-Chassis einfach und effizient abgefangen und fixiert werden. Das spart nicht nur Zeit und Geld, sondern gibt auch Sicherheit.

Auch das Positionieren durch die integrierte Zentrierhilfe im Eckstück oder die Möglichkeit, den Sockel direkt von oben zu befestigen „macht Schluss mit dem Bauen und Basteln. Schnelle Montage, schneller Einsatz – darum geht es doch!“, zieht Müller das abschließende Fazit.

* Hans-Robert Koch ist Gruppenleiter Produktkommunikation bei Rittal in Herborn. Ulrich Kläsener arbeitet als Journalist bei Mediabrigdes in Bergisch Gladbach.

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