Mit Intel- und AMD-Technologie zum Erfolg Prozessorentwickler Hygon aus China mit erfolgreichem Börsenstart

Von Michael Eckstein

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Der als AMD-Joint-Venture entstandene chinesische x86-CPU-Designer Hygon hat an der STAR-Börse in Shanghai einen Achtungserfolg erzielt. Gleichzeitig kämpft das Unternehmen mit den Auswirkungen des US-Handelsembargos, das auch AMD die Hände bindet.

Die Hygon-Serverprozessoren mit x86-ISA basieren auf AMDs erfolgreicher Zen-Architektur der ersten Generation.
Die Hygon-Serverprozessoren mit x86-ISA basieren auf AMDs erfolgreicher Zen-Architektur der ersten Generation.
(Bild: Hygon)

Der chinesische Chiphersteller Hygon Information Technology (Hygon) ist erfolgreich an der auf Technologie fokussierten STAR-Börse in Shanghai gestartet. Diese fokussiert sich auf Technologie-Start-ups. Die Aktie eröffnete mit einem Kurs von 70 Yuan und lag damit 94 % über dem Ausgabepreis beim Börsengang (IPO) von 36 Yuan, was die starken Wachstumserwartungen widerspiegelt. Das entspricht einer Marktkapitalisierung von 139,6 Milliarden Yuan (rund 20,2 Milliarden Euro). Mittlerweile hat sie sich bei knapp 58 Yuan eingependelt.

Das Unternehmen ohne eigene Fertigung („fabless“) wurde 2014 gegründet und entwickelt hauptsächlich Zentralprozessoren (CPUs, Central Processing Units) auf Basis der x86-Technologie von Intel sowie sogenannte DCUs (Deep Learning Computing Units) – selbst entwickelte Hochleistungsprozessoren für Aufgaben der Künstlichen Intelligenz. Nach eigenen Angaben investiert Hygon fast 70 Prozent seines Umsatzes in Forschung & Entwicklung.

Mit frischem Kapital zur Jagd auf Intel

Die CPUs und DCUs des Unternehmens kommen derzeit nur in PCs und Servern für den chinesischen Markt zum Einsatz. Hygons Umsatz im vergangenen Jahr betrug bescheidene 2,3 Milliarden Yuan, also etwa 330 Millionen Euro. Durch die Börsennotierung will Hygon nun notwendiges Kapital generieren, um sich zu einem Konkurrenten dieser Unternehmen zu entwickeln. Das dürfte noch ein langer Weg werden.

Denn AMD, auf dessen Knowhow die Hygon-Prozessoren ursprünglich basieren, stellt dem Unternehmen seit 2019 keine neuen technischen Informationen mehr bereit, weil die US-Administration Hygon und seine Schwestergesellschaften aufgrund von Sicherheitsbedenken auf die Entity-Sanktionsliste gesetzt hat. US-amerikanischen Unternehmen ist es dadurch untersagt, dem Konzern eigene Technologien bereitzustellen.

Seitdem entwickelt das Unternehmen seine Produkte selbst. Wie Tests etwa von Anandtech zeigen, mit eher bescheidenem Erfolg: In puncto Rechenleistung bleiben die Zen-basierten Hygon-CPUs deutlich hinter den AMD-Prozessoren zurück, von denen ihre Architektur abstammt.

Wie x86-Lizenzen über verschlungene Wege nach China gelangten

Zum Hintergrund: Hygon hat von AMD Technologielizenzen und technische Unterstützung für High-End-Prozessoren erhalten. Konkret entschied sich AMD 2016 dazu, mit der Investorengruppe Tianjin Haiguang Advanced Technology Investment Co. Ltd. (THATIC) ein Unternehmenskonstrukt in China für die Entwicklung von Prozessoren aufzubauen.

Laut dem Branchenmagazin Toms Hardware besteht THATIC aus öffentlichen sowie privaten chinesischen Unternehmen, einschließlich der Chinesischen Akademie der Wissenschaften, die stark unter dem Einfluss der chinesischen Regierung steht. Als Joint Venture gründeten THATIC und AMD die beiden Unternehmen Chengdu Haiguang Integrated Circuit Design Co., Ltd (Hygon), an dem AMD zu gut 30 Prozent beteiligt ist, und Haiguang Microelectronics Co. Ltd. (HMC), an dem AMD 51 Prozent hält.

Die Vereinbarung sah vor, das AMD sein x86- und SoC-IP (Zen-Architektur) für die Chipentwicklung an HMC lizenziert. Der Schritt spülte dem damals angeschlagenen Unternehmen AMD knapp 300 Millionen US-Dollar in die Kassen. Zuvor hatte es sechs Quartale in Folge Verluste ausweisen müssen. Zudem sollten jährliche Lizenzgebühren fließen, sobald die China-Prozessoren in großen Stückzahlen geliefert würden.

Der Technologietransfer ist insofern interessant, als dass Intel die Patente an der x86-Technik hält und AMD selbst Lizenznehmer ist. Offenbar hat AMD über die Firmenbeteiligungen einen Weg gefunden, dem Chipdesigner Hygon die x86-Lizenzen durchzureichen, ohne gegen die Vereinbarungen mit Intel zu verstoßen.

Zen-Architektur: Wie gewonnen, so zerronnen

Anfang 2019 kamen die ersten „Dhyana“ genannten x86-Prozessoren auf den Markt, die auf AMDs Ur-Zen-Mikroarchitektur basieren. Bereits kurz darauf platzte das Geschäft wegen der dann eingeführten Handelsbeschränkungen. Chinas Selbstversorgungsgrad bei Halbleitern beträgt nur etwa 20 Prozent, was das Land anfällig für US-Sanktionen macht. Nicht umsonst ist Präsident Xi Jinping bestrebt, die Chipindustrie im eigenen Land zu fördern, um China autarker zu machen.

Hinzu kam, dass AMD mit seiner Zen-Architektur einen für viele unerwarteten Hit landete und Prozessorprimus Intel in puncto Rechenleistung und Energieeffizienz seit vielen Jahren erstmals wieder Paroli bieten konnte. AMDs Höhenflug hält bis heute an, das Unternehmen ist erfolgreicher denn je. Auch das ist ein Grund, warum es voraussichtlich keine Zen-2-, Zen-3- und Zen-4-basierten CPUs aus China geben wird.

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