RISC-V-Pionier SiFive hat weitere 175 Millionen US-Dollar bei Investoren eingeworben. Damit erreicht das Unternehmen mittlerweile eine Bewertung von über 2,5 Milliarden US-Dollar. Mit Branchenschwergewicht Intel im Rücken geht es nun verstärkt gegen Prozessor-IP-Marktführer Arm.
SiFive macht Prozessor-IP-Marktführer Arm zunehmend Konkurrenz. Mit frischem Kapital ausgestattet will SiFive-CEO Patrick Little das Unternehmen verstärkt auf rechenstarke Designs auch für Rechenzentren und Machine-Learning-Anwendungen ausrichten, die einen größeren Gewinn versprechen.
(Bild: SiFive)
RISC-V entwickelt sich zunehmend zu einer ernsthaften Konkurrenz für Prozessor-IP-Lieferant Arm. Jüngstes Beispiel: RISC-V-Pionier SiFive konnte in einer erneuten Finanzierungsrunde rund 175 Millionen US-Dollar Risikokapital einwerben. Ganz offensichtlich sind die Investoren überzeugt, dass das Unternehmen am Markt langfristig erfolgreich sein wird. Der Schub an frischem Kapital sorgt dafür, dass SiFive mit nunmehr über 2,5 Milliarden US-Dollar bewertet wird – und damit eines der seltenen „Double Unicorns“ unter den Technologie-Start-ups ist.
Mit der jüngsten Finanzierungsrunde konnte SiFive seine Gesamtfinanzierung auf nunmehr 350 Millionen US-Dollar verdoppeln – in nur sechs Jahren. Zu den Investoren zählen neben der globalen Investmentfirma Coatue Branchengrößen wie Intel Capital, SK Hynix und Qualcomm Ventures.
Weitere 210 Millionen US-Dollar aus Verkauf von OpenFive
Neben diesem Betrag kann SiFive bald auf weitere 210 Millionen US-Dollar Barmittel zugreifen, die aus dem Verkauf seiner Tochtergesellschaft OpenFive an die Alphawave IP Group resultieren. OpenFive bringt ein High-Speed-Connectivity System-on-Chip (SoC) IP-Portfolio und ein rund 300-köpfiges Team mit Niederlassungen in Indien und im Silicon Valley ein, das seit über 15 Jahren kundenspezifische Siliziumlösungen liefert.
Den Deal hatten beide Unternehmen am Montag bekannt gegeben; er soll noch im zweiten Halbjahr 2022 abgeschlossen sein. Alphawave ist Entwickler von SerDes-Lösungen und war erst 2021 an seinem Hauptstandort London an die Börse gegangen.
Konzentration auf das RISC-V-Kerngeschäft
Mit dem kräftigen Finanzpolster im Rücken will sich SiFive auf sein Kerngeschäft konzentrieren: das Entwickeln von RISC-V-basierten Prozessorkernen und verwandter Technologien, die lizenziert und beispielsweise in System-on-Chips integriert werden können. Mit diesem Geschäftsmodell positioniert sich SiFive verstärkt als Konkurrent zu Arm. Dazu gehört auch der Aufbau eines umfassenden Ökosystems rund um den Open-Source-Prozessorbefehlssatz RISC-V.
Bereits heute kann SiFive nach eigenen Angaben Design-Wins bei mehr als 100 Kunden in Anwendungen wie Automotive, AR/VR, Client Computing, Rechenzentren und Intelligent Edge vorweisen – darunter mehrere der weltweit größten Hyperscale-Unternehmen und 8 der Top-10-Halbleiterunternehmen.
In diesem Zusammenhang interessant: Gut möglich, dass demnächst einige – oder möglicherweise sogar viele – der bis zu 1.000 von Arm freigestellten Mitarbeiter direkt beim aufstrebenden Konkurrenten anheuern. Denn SiFive will die Mittel aus dem Verkauf von OpenFive explizit nutzen, um neue Mitarbeiter anzuwerben – unter anderem ausgerechnet in Cambridge, dem Hauptstandort von Arm.
Für Patrick Little, CEO und Chairman von SiFive, ist die Sache klar: „Der Markt hat gesprochen und überdeutlich gemacht, dass RISC-V-Computing um das Herzstück aller zukünftigen Computing-Plattformen konkurrieren wird.“ Little hatte Ende 2020 Dr. Naveed Sherwani bei SiFive als CEO abgelöst. Zuvor hat er als Senior Vice President und General Manager von Qualcomm die Expansion des Unternehmens in die Automobilindustrie verantwortet.
Die Gründer von SiFive haben die RISC-V ISA in den Laboren der University of California, Berkeley, erfunden. Das Geschäftsmodell des Unternehmens besteht darin, Designs mit RISC-V zu entwickeln und gegen Geld zu lizensieren – also ganz analog zu dem von Arm. Letztes Jahr hat das Unternehmen den P550-Prozessor auf den Markt gebracht – ein Chipkerndesign, das Arm die Vorherrschaft bei Smartphone-Chips streitig machen soll. Mit seiner Out-of-Order-Architektur mit 13-stufiger Pipeline soll der für 7-nm-Prozesse entwickelte 64-Bit-Prozessorkern deutlich schneller rechnen als ein Arm Cortex-A75. Gleichzeitig belegt er nach einer Analyse von Lindsay Group inklusive Level-1- und Level-2-Cache nur rund 43% der Chipfläche des Konkurrenten.„Wir wollen das RISC-V-Ökosystem vorantreiben und Anwendern eine fortschrittliche Computing-Alternative zu Arm und anderen anbieten“, sagt Little.
Stand: 08.12.2025
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Intel betont Bedeutung der Zusammenarbeit mit SiFive
Gestärkt wird er – wenig verwunderlich – von Intels Bob Brennan, Vice President und General Manager, Customer Solutions Engineering, Intel Foundry Services: „Intel glaubt an eine Multi-ISA-Strategie, einschließlich RISC-V als offene Rechenbasis für zukünftige Plattformen“. Brennan war erst Anfang Februar 2022 in das Board of Directors and Technical Steering Committee der RISC-V Foundation eingestiegen.
Es ist davon auszugehen, dass Intel die Geschicke von RISC-V zukünftig maßgeblich mitbestimmt. „Unsere IFS-Investition [Intel Foundry Services] in RISC-V beinhaltet eine Partnerschaft mit dem führenden RISC-V-Entwickler SiFive zum Aufbau der Horse Creek-Entwicklerplattform, die Ende 2022 auf Basis der Intel 4-Prozess-Technologie allgemein verfügbar sein wird“, lässt Brennan durchblicken.