Aus einer kleinen Elektronik-Abteilung des Montage- und Befestigungstechnik-Spezialisten Würth entwickelte sich mit Würth Elektronik über fünf Jahrzehnte hinweg ein erfolgreicher Player im weltweiten Elektronikmarkt. Durch ein innovatives Servicekonzept und konsequente Produkterweiterung ist mit organischem Wachstum und geschickten Erweiterungen des Produktsortiments durch Akquisitionen ein Elektronikunternehmen mit Milliardenumsätzen entstanden.
Mega-Konzern: Die Unternehmenszentrale der Würth-Elektronik-eiSos-Gruppe in Waldenburg ist gleichzeitig größter Logistikstandort und wurde seit 2001 in mehreren Bauabschnitten kontinuierlich erweitert. Heute sind dort über 800 Beschäftigte tätig.
(Bild: Würth Elektronik)
Vor 55 Jahren startete die Erfolgsgeschichte der Würth Elektronik: „Auf der Suche nach neuen Geschäftsfeldern hatten wir im Jahr 1971 beschlossen, in die Elektronik einzusteigen. Dort sah ich Zukunftspotenzial. Eine richtige Entscheidung, wie die Erfolgsgeschichte der Würth Elektronik Gruppe heute zeigt“, stellte Prof. Dr. Reinhold Würth in der Rückschau auf die Unternehmensgeschichte fest. Den Einstieg in die Elektronik trieb damals maßgeblich Rolf Bauer, heute Ehrenmitglied des Beirats, voran.
Alles begann mit der Frage: Wo liegen die zukünftigen Wachstumsmärkte? In der Elektronik! Dieser Überzeugung ließ Reinhold Würth Taten folgen und gründete 1971 innerhalb der Adolf Würth GmbH & Co. KG die Abteilung Würth Elektronik. Nach einem Abstecher in den Messgerätebau spezialisierte sich die neue Abteilung auf die Produktion von Leiterplatten für die Elektronikindustrie. Für die neue Abteilung wurden Räume in der Bahnhofstraße in Künzelsau zur Verfügung gestellt.
Vor 50 Jahren, also im Jahr 1976, startete mit der Eintragung der Würth Elektronik in das Handelsregister Schwäbisch Hall die Existenz als eigenständiges Unternehmen. Das neue Geschäft wuchs und wuchs. Die Betriebsräume in Künzelsau platzten aus allen Nähten. So wurde im nahegelegenen Niedernhall 1980 ein Leiterplattenwerk mit einer Produktionsfläche von 2.200 m² errichtet.
1984 wurden auf Anregung von Rolf Bauer zwei zusätzliche Unternehmensbereiche gegründet: Elektromechanische Baugruppen (EMB) und Verbindungstechnik (VBT), aus der die spätere WE eiSos hervorging. Zunächst fertigte ein Team von acht Personen überwiegend Backplanes für die Telekommunikation. 1987 wurde die Produktionsfläche auf 6.200 m² erweitert. Mittlerweile beschäftigte das Unternehmen mehr als 120 Mitarbeitende. Neben der Produktion von Leiterplatten zeigten die Unternehmensbereiche für elektronische und elektromechanische Bauteile und Baugruppen immer größeres Potential.
Jahre des Aufbruchs – die 1990er-Jahre
Der Unternehmensbereich EMB zog nach Kupferzell um und baute seine Belegschaft, das Produktportfolio und die Zahl der Kunden massiv aus. Das Thema elektromagnetische Verträglichkeit wird immer wichtiger. Im Herbst 1995 wird das erste Patent beim Deutschen Patentamt für das aufklappbare Ferritgehäuse angemeldet. Ein Neubau in Waldenburg verdreifachte die Lagerkapazität. Heute ist der Standort Waldenburg das Headquarter der weltweit aktiven Würth Elektronik eiSos Gruppe.
Mit der Übernahme des EMV-Traditionsunternehmens Radialex in Frankreich und der Gründung der Würth Elektronik Italien startete die europäische Expansion.
Wachstum und Akquisitionen – die 2000er-Jahre
2001 wurde eiSos (EMC & Inductive Solutions) zum eingetragenen Warenzeichen. Das Geschäft mit elektronischen und elektromechanischen Bauelementen stieß in Kupferzell an die Grenzen der räumlichen Kapazitäten. Im März erfolgte in Waldenburg der Spatenstich für ein neues Vertriebs- und Verwaltungszentrum. Im August folgte mit der Gründung der Wurth Electronics ein Logistikzentrum in den USA.
2002 wurde aus Würth Elektronik VBT die Würth Elektronik eiSos GmbH & Co. KG. Die bisherigen Betriebsleiter Norbert Heckmann und Oliver Konz werden Geschäftsführer der nunmehr rechtlich selbstständigen Firma. Man zieht in das komplett neu gestaltete Vertriebs- und Verwaltungsgebäude nach Waldenburg um. Endlich genug Raum für weiteres Wachstum.
Das Unternehmen erweiterte konsequent ihr Produktspektrum und bot neben EMV-Komponenten und Induktivitäten ab 2004 auch Übertrager und HF-Bauteile an. Immer mehr internationale Niederlassungen wurden eröffnet.
2005 kaufte man die iBE Induktive Bauelemente GmbH in Thyrnau, die kundenspezifische Stabkerndrosseln entwickelte und in großen Stückzahlen produzierte. Das war der Startschuss für den Einstieg in den Bereich Automotive.
2006 baute Würth Elektronik eiSos den Bereich Elektromechanik aus, entwickelte und vertrieb weltweit Verbindungstechnik. Am Firmensitz in Waldenburg wurde mit dem Lageranbau die vierfache Lagerkapazität geschaffen, denn Verfügbarkeit ab Lager und schnelle Lieferfähigkeit gehören zum Markenkern.
Mit einer besonderen Akquisition ging man ins Jahr 2007: Der amerikanische Transformatorenhersteller Midcom Inc. aus Watertown, South Dakota, wurde übernommen – ein seit mehr als 30 Jahren führender Hersteller für kundenspezifische Übertrager. Das Vertriebsnetz wurde weiter ausgebaut und auch der internationale Vertrieb.
Trotz Weltwirtschafts- und Finanzkrise im Jahr 2009 investierte das Unternehmen aus Künzelsau weiter in den Ausbau des internationalen Vertriebsnetzes. Mit der Entwicklung von Übertragern für energieeffiziente Schaltnetzteile setzte man den Fokus auf Zukunftstechnologien. Die Kunden schätzen die Kompetenz der Experten für passive Bauelemente: Das Fachbuch „Trilogie der induktiven Bauelemente“ erscheint in der vierten Auflage. Auch der Ausbau der Standorte und Produktionen geht ungebremst weiter.
Internationalisierung und Expansion – die 2010er-Jahre
Im Jahr 2010 erschien das Fachbuch „Trilogie der Steckverbinder“ In Norwegen und der Türkei startet der Direktvertrieb. 2012 wurde in Waldenburg ein Technologiezentrum eingeweiht. Der zehn Millionen Euro teure Erweiterungsbau mit Labor- und Technikräumen sowie Multimedia-Offices bot Platz für weiteres Wachstum und war auf 300 Arbeitsplätze ausgelegt. 2013 wurde das Design & Application Center in München-Garching eröffnert, ein weiteres Zentrum für die Entwicklung innovativer elektronischer und elektromechanischer Bauelemente.
2014 übernahm Würth Elektronik eiSos den italienischen Steckverbinderhersteller Stelvio Kontek SpA. 2015 wurde das Competence Center in Berlin eröffnet, in dem Lösungskonzepte in der Anwendungsentwicklung erarbeitet und Technologiepartnerschaften mit Startups gepflegt werden. Gleichzeitig entwickelte das neue Design & Application Center in Barcelona kundenspezifische Lösungen und vertiefte die Kooperation mit der Universität Valencia.
2016 erhöhte man die Lagerkapazitäten für elektronische und elektromechanische Bauelemente in Waldenburg: Mit dem Großprojekt der Erweiterung des Logistikzentrums in Waldenburg wurde die Lagerkapazität verdoppelt, so dass nun 14.000 verschiedene Artikel ab Lager verfügbar und 4.000 Entnahmen täglich möglich sind. Ebenfalls 2016 erweiterte das Unternehmen mit der Übernahme der AMBER wireless GmbH das Produktsortiment signifikant. AMBER war spezialisiert auf Entwicklung, Herstellung und Vertrieb von Produkten zur drahtlosen Datenübertragung und wurde nun Teil der Würth Elektronik eiSos Gruppe, wodurch das Produktportfolio um Funkmodule und Sensoren erweitert wurde.
2017 wurde durch den Zukauf von IQD Frequency Products mit Hauptsitz in Crewkerne, England, das eiSos-Produktsortiment durch Quarze und Oszillatoren erweitert. Die Firma stützte sich auf eine über 40-jährige Erfahrung in der Fertigung von Frequenzprodukten. Die Würth Elektronik Gruppe erhält 2019 zum dritten Mal in Folge die Auszeichnung „Innovator des Jahres“ durch das Wirtschaftsmagazin Statista. 2019 wurde das Quality & Design Center in Shenzhen, China, sowie den „Open Space“ für Kreative und Entwicklerinnen und Entwickler am EUREF-Campus in Berlin eröffnet.
Auf dem Weg zur Umsatzmilliarde – die 2020er-Jahre
Würth Elektronik eiSos veranstaltet 2020 zum ersten Mal die Online-Konferenz „Digital WE Days“. 2021 knackte der Umsatz der Würth Elektronik Gruppe zum ersten Mal die Eine-Milliarde-Euro-Marke – alle Geschäftsbereiche erzielten neue Rekordumsätze. Im gleichen Jahr war auch der Baubeginn für das Hightech Innovation Center in München-Freiham.
Gegen Ende 2022 wurde das Hightech Innovation Center in München-Freiham fertig und bezogen. 2022 freute man sich über einen gelungenen Marken-Refresh, der mit mehreren Awards ausgezeichnet wurde, darunter der WINNER beim German Brand Award.
2023 fand die feierliche Eröffnung des Hightech Innovation Center im Beisein von Reinhold Würth statt, im gleichen Jahr wurden auch neue Produktionsstandorte in Shenyang und Tianjin eröffnet. 2024 wurde die Kundenplattform MyWE eingeführt, mit der Kunden der Würth Elektronik eiSos und CBT rund um die Uhr auf alle relevanten Business-Daten wie Angebote, Bestellungen, Sendungsverfolgung und Lagerbestände zugreifen können.
Unter dem neuen Geschäftsbereichsleiter Thomas Garz hat sich die Würth Elektronik eiSos 2025 eine neue global ausgerichtete Organisationsstruktur gegeben. Diese Umstrukturierung wurde in Folge eines schnellen Unternehmenswachstums in den letzten Jahren erforderlich, um die Organisation auch an die Größe des Unternehmens anzupassen und für weiteres Wachstum zu rüsten. Einer der beiden Geschäftsführer der WE eiSos Deutschland, Dirk Knorr, rückte als COO in das globale Management neben CEO Thomas Garz und CTO Alexander Gerfer auf und verantwortet dort nun die zentralen operativen Säulen des Unternehmens, darunter: IT, digitale Transformation, Produktion, Logistik und Qualität sowie eiSos Group Compliance-Standards. Sebastian Valet rückt in die Geschäftsführung Deutschland auf, und bildet nun als Nachfolger von Dirk Knorr das deutsche GF-Tandem zusammen mit Josef Wörner.
2026 investierte man in den Ausbau des Asia Quality Design Center in Shenzhen, genau gesagt in zusätzliche Prüfkapazitäten, schnellere Validierungsprozesse und noch bessere Serviceleistungen für Kunden.
Ausblick – Digital-Services im Fokus
Würth Elektronik eiSos hat in vergangenen Jahren intensiv die Digitalisierung von Design-In und Logistikunterstützung für die Kunden vorangetrieben. Beispiele sind die Kundenplattform MyWE, eine API-Anbindung für Kunden, 24/7-Erreichbarkeit durch Chat sowie die Online-Design-Plattform Redexpert. MyWE ist die persönliche Online-Kundenplattform. Sie bietet registrierten Kunden rund um die Uhr Zugriff auf alle relevanten Daten und Services.
Die WE Kunden-API ermöglicht es Unternehmen, ihre eigenen Systeme (z. B. ERP, CAD-Tools oder Online-Shops) direkt mit den Produktdaten von Würth Elektronik zu verbinden. REDEXPERT ist eine kostenlose Online-Plattform, die von Ingenieuren für Ingenieure entwickelt wurde und Elektronikentwickler bei der Auswahl, dem Vergleich und der Simulation von Bauteilen auf Basis realer Messdaten aus den Elektronik-Laboren unterstützt. REDEXPERT wird laufend erweitert. Aktuell wurde 2026 ein neues Modul zur Auswahl des passenden Strommesswandlers (CST – Current Sense Transformer) freigeschaltet. Der Ausbau sämtlicher Kundenservices – digital wie analog – wird auch in den nächsten Jahren höchste Priorität haben, um unsere Service-Führerschaft weiter zu sichern, getreu unserem Claim „MORE THAN YOU EXPECT“.
* Gerhard Stelzer ist Senior Technical Editor bei Würth Elektronik eiSos in Waldenburg.
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Stand: 08.12.2025
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