Laut der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft haben die Rohstoffpreise insgesamt etwas nachgegeben. Doch ausgerechnet die Preise für die wichtigen Batterie-Ausgangsmaterialien Lithium und Kobalt sind stark gestiegen. Weltweit treibt die hohe Nachfrage die Beschaffungskosten nach oben.
640 Prozent Steigerung binnen einen Jahres: Die weltweit hohe Nachfrage nach Lithium hat die Beschaffungskosten für das Metall explodieren lassen. Auch andere Rohstoffe haben deutlich angezogen.
„Bei einzelnen, besonders wichtigen Rohstoffen sehen wir derzeit geradezu eine Preisexplosion“, warnt Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw). So habe sich Lithium gegenüber dem Vorjahresquartal um satte 640 Prozent verteuert. Allein verglichen mit dem ersten Quartal diesen Jahres sei der Preis um zwei Drittel gestiegen.
Auch Kobalt, ein weiteres für die Produktion von Batteriezellen essenzielles Metall, hat sich innerhalb eines Jahres um 53 Prozent verteuert. „Lithium und Kobalt sind zentrale Rohstoffe für die Produktion von Batteriezellen, beispielsweise von Elektrofahrzeugen. Die weltweite Nachfrage ist enorm und treibt die Preise immer weiter nach oben“, erklärt Brossardt. Darüber hinaus verteuerte sich Aluminium gegenüber dem Vorjahr um 21 Prozent, Chrom um 38 Prozent, Nickel um 68 Prozent und Titan um 169 Prozent.
Rohstoffe insgesamt gesehen etwas günstiger als nach dem Angriffsschock
„Insgesamt haben sich die Rohstoffmärkte nach einem Schock infolge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine wieder etwas beruhigt“, sagt Brossardt. Das hat dazu geführt, dass die Beschaffungskosten für die meisten der für die Industrie wichtigen Rohstoffen im Juni 2022 den dritten Monat in Folge nachgegeben haben. Gegenüber dem Jahresanfang ist somit auch der vbw-Rohstoffpreisindex um rund fünf Prozent auf 185,5 Punkte gesunken. Zuletzt war der Index vor etwas über zehn Jahren auf einem ähnlich hohen Niveau.
Das gilt allerdings nur, wenn die gestiegenen Energiepreise außen vorbleiben. Mit einberechnet ist der Index erneut gestiegen, und zwar auf mittlerweile rund 215 Punkte. So oder so, der Index bleibt auf hohem Niveau. Ohne Frage seien die hohen Energiepreise eine gravierende Belastung für die Industrie im Freistaat, erklärt Brossardt.
Angesichts des hohen Preisniveaus fordert der vbw einen deutlich diversifizierteren Bezug von Rohstoffen: „Einerseits müssen wir die Abhängigkeit von einzelnen Rohstofflieferanten und -ländern verringern. Andererseits müssen wir die Rohstoffe durch gezielte Forschung effizienter nutzen und das Gewinnen von Sekundärrohstoffen durch eine ganzheitliche Kreislaufwirtschaft stärken“, ist Brossardt überzeugt.
Welche Rohstoffe wurden teurer, welche billiger
Entwicklung des vbw-Rohstoffpreisindexes: Nach dem Peak im ersten Quartal 2022 ist der Preisindex für wichtige Industrierohstoffe um rund 5 Prozent gefallen. Doch es es gibt extreme Ausreißer wie Lithium und Kobalt.
(Bild: Daten: vdw)
Die meisten Rohstoffpreise gaben im Juni 2022 den dritten Monat in Folge nach. Der vbw-Rohstoffpreisindex sank um 4,1 Prozent gegenüber dem Vormonat. Im Vergleich zum Vorjahresmonat lag der Index nur noch um 1,3 Prozent höher. Der Quartalsdurchschnitt vom zweiten Quartal liegt 4,8 Prozent unter dem Durchschnitt des ersten Quartals und 7,8 Prozent über dem Vorjahres Quartal.
Die Preise für Industriemetalle sanken im Juni im Durchschnitt um 3,6 Prozent gegenüber dem Vormonat. Insbesondere fielen die Preise für Kobalt (-17,6 Prozent) und Magnesium (-15,6 Prozent). Auch die Preise für Titan (-12,5 Prozent), Zinn (-11,3 Prozent) und Rhodium (-11,3 Prozent) gingen spürbar gegenüber dem Vormonat zurück. Lediglich die Preise für Lithium (+11,9 Prozent) und für Wismut (+9,1 Prozent) erhöhten sich im Vergleich zum Vormonat.
Die Preise für Edelmetalle gingen im Juni 2022 ebenfalls zurück. Am stärksten reduzierte sich der Preis für Palladium, der 7,3 Prozent niedriger lag als im Vormonat. Der Preis für Silber ging um 1,9 Prozent zurück. Auch die Preise für Gold (-0,9 Prozent) und Platin (-0,7 Prozent) sanken im Vergleich zum Vormonat. Die Preise für Seltene Erden blieben im Juni 2022 weitgehend unverändert. Nur die Preise für Gadolinium (+1,5 Prozent) und Neodym (+0,9 Prozent) stiegen leicht an, während der Preis für Dysprosium um -2,3 Prozent sank.
Der Rohölpreis setzte seinen Anstiegt im Juni mit 14,5 Prozent im Monatsdurchschnitt fort. Der vbw-Rohstoffpreisindex mit Energie stieg als Folge dessen um 4,4 Prozent. DerIndex lag damit 55,6 Prozent höher als im Vorjahresmonat. Im Quartalsvergleich steig der vbw-Rohstoffpreisindex mit Energie vom ersten zum zweiten Quartal um 13,5 Prozent.
In den vbw-Rohstoffpreisindex fließen die Weltmarktpreise von 42 Rohstoffarten ein, berechnet in US-Dollar und gewichtet nach dem Importanteil des jeweiligen Rohstoffes nach Bayern.
Stand: 08.12.2025
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