Product Carbon Footprint Neuer IPC-Standard soll CO₂-Daten der Elektronik vergleichbar machen

Quelle: Pressemitteilung 3 min Lesedauer

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Unterschiedliche Berechnungsmethoden machen CO₂-Daten aus der Elektronik-Lieferkette bislang nur bedingt vergleichbar. IPC-1783-CO2E soll von der Datenerfassung über die Berechnung bis zur Bewertung der Datenqualität eine gemeinsame Basis erschaffen.

IPC-1783-CO2E soll CO₂-Daten entlang der Elektronik-Lieferkette vereinheitlichen und deren Qualität transparenter machen.(Bild:  Dall-E / KI-generiert)
IPC-1783-CO2E soll CO₂-Daten entlang der Elektronik-Lieferkette vereinheitlichen und deren Qualität transparenter machen.
(Bild: Dall-E / KI-generiert)

Wie hoch ist der CO₂-Fußabdruck einer elektronischen Baugruppe? Die Frage klingt zunächst einfach. In einer Lieferkette aus Materialien, Halbleitern, Leiterplatten, Bauteilen, Fertigungsprozessen und zahlreichen Zulieferern kann die Antwort jedoch stark davon abhängen, woher die verwendeten Daten stammen und mit welcher Methode sie berechnet wurden.

Die Global Electronics Association, die frühere IPC, will dieses Problem mit dem neuen Standard IPC-1783-CO2E adressieren. Der am 8. Oktober 2026 veröffentlichte „International Standard for Data Collection and Reporting of CO2 Equivalent Emissions for the Electronics Manufacturing Supply Chain“ definiert einen branchenspezifischen Rahmen für die Erfassung und Weitergabe von CO₂-Äquivalenten innerhalb der Elektronik-Lieferkette. Die bekannten IPC-Bezeichnungen bleiben dabei für die Standards und Zertifizierungsprogramme erhalten.

Wenn Lieferanten unterschiedlich rechnen

Ein zentrales Problem besteht bislang darin, dass Unternehmen Emissionsdaten auf unterschiedliche Weise messen, schätzen und berichten können. Selbst wenn mehrere Lieferanten einen Product Carbon Footprint bereitstellen, müssen deren Ergebnisse deshalb nicht unmittelbar miteinander vergleichbar sein.

IPC-1783-CO2E soll hier eine gemeinsame methodische Grundlage schaffen. Der Standard beschreibt, welche CO₂e-Daten für Berechnungen auf Produktebene gesammelt und gemeldet werden sollen und wie Unternehmen mit unterschiedlichen verfügbaren Daten umgehen können. Ziel ist nicht nur eine einheitlichere Berichterstattung, sondern auch eine bessere Nachvollziehbarkeit der verwendeten Daten und Annahmen.

Der Standard richtet sich ausdrücklich an komplexe, mehrstufige Elektronik-Lieferketten. Neben Nachhaltigkeits- und Compliance-Verantwortlichen nennt die Association deshalb auch Einkauf, Supply Chain, Fertigung und Produktmanagement als Anwender.

Prozessmodelle helfen bei der Berechnung

Für die Ermittlung des CO₂-Fußabdrucks auf Produktebene sieht IPC-1783-CO2E Aktivitäts- und Prozessmodelle vor. Sie sollen dabei helfen, die Emissionen einzelner Aktivitäten und Fertigungsschritte strukturiert in die Berechnung eines Produkts einfließen zu lassen.

Damit adressiert der Standard eine Besonderheit der Elektronikfertigung: Zwischen Rohmaterial und fertigem Produkt liegen häufig zahlreiche Verarbeitungsstufen und Unternehmen. Entsprechend schwierig kann es sein, belastbare Primärdaten für jeden einzelnen Prozessschritt zu bekommen.

IPC-1783-CO2E berücksichtigt deshalb unterschiedliche methodische Ansätze zur Ermittlung der benötigten Werte. Entscheidend ist dabei nicht allein der errechnete Emissionswert. Mit den verwendeten Methoden sind auch Datenqualitätsindikatoren verbunden. Dadurch soll sichtbar werden, auf welcher Datengrundlage ein Wert beruht und wie belastbar er einzuschätzen ist.

Nicht jede CO₂-Zahl ist gleich belastbar

Dieser Punkt ist für die praktische Verwendung der Daten entscheidend. Ein direkt aus einem konkreten Fertigungsprozess ermittelter Verbrauchswert besitzt eine andere Aussagekraft als ein Durchschnittswert oder eine Schätzung. Werden solche Unterschiede beim Austausch von CO₂-Daten nicht kenntlich gemacht, entsteht zwar ein exakter Zahlenwert, dessen Qualität für den nächsten Teilnehmer der Lieferkette aber nur schwer einzuschätzen ist.

Durch die Kombination aus Methodenauswahl und Datenqualitätsindikatoren soll IPC-1783-CO2E diese Unterschiede transparenter machen. Unternehmen können damit nicht nur CO₂e-Werte weitergeben, sondern auch Informationen darüber, auf welcher Grundlage sie entstanden sind.

Der Standard orientiert sich dabei laut Global Electronics Association an den Prinzipien des Greenhouse Gas Protocol und einschlägigen ISO‑Ansätzen. Er soll diese allgemeinen Regelwerke nicht ersetzen, sondern auf die Anforderungen der Elektronikindustrie übertragen.

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Gemeinsame Datenbasis für die Lieferkette

Für Elektronikhersteller liegt der mögliche Nutzen deshalb weniger in einer weiteren CO₂-Kennzahl als in einer gemeinsamen Sprache für deren Entstehung. Werden Daten entlang der Lieferkette mit unterschiedlichen Methoden erzeugt, müssen OEMs und EMS-Dienstleister sie bislang häufig zunächst harmonisieren, bevor sie für einen Product Carbon Footprint verwendet werden können.

IPC-1783-CO2E soll diesen Aufwand reduzieren und zugleich die Vergleichbarkeit verbessern. Gerade für Leiterplatten und bestückte Baugruppen sieht die Global Electronics Association darin einen Anwendungsbereich des Standards. Bereits Anfang 2026 hatte sie IPC-1783-CO2E als standardisierten Ansatz für Carbon Footprints auf PCB- und PCBA-Ebene vorgestellt. (sb)

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