Die Materialversorgung bereitet wieder mehr deutschen Industrieunternehmen Probleme, wie die aktuelle ifo-Konjunkturumfrage zeigt. Besonders deutlich ist der Anstieg bei Herstellern von Datenverarbeitungsgeräten sowie elektronischen und optischen Erzeugnissen.
Fehlende elektronische Bauteile bereiten deutschen Industrieunternehmen wieder zunehmend Probleme. Besonders die Elektronikindustrie berichtet laut aktueller ifo-Konjunkturumfrage von wachsenden Materialengpässen.
(Bild: Dall-E / KI-generiert)
Die Materialengpässe in der deutschen Industrie haben im September 2026 wieder leicht zugenommen. Nach Angaben des ifo Instituts berichteten 14,6 Prozent der befragten Unternehmen von fehlenden Vorprodukten. Im August waren es noch 13,3 Prozent. Damit verschlechtert sich die Versorgungslage zwar insgesamt etwas, die Entwicklung unterscheidet sich zwischen den einzelnen Industriezweigen allerdings erheblich.
Besonders betroffen sind Hersteller von Datenverarbeitungsgeräten sowie elektronischen und optischen Erzeugnissen. In dieser Branche stieg der Anteil der Unternehmen mit Materialengpässen von 33,2 Prozent im August auf 37,8 Prozent im September. Damit meldet mehr als jedes dritte Unternehmen Schwierigkeiten bei der Beschaffung benötigter Vorprodukte. Das ist eine Situation, die sich bei unseren Gesprächen in den vergangenen Wochen mit einigen EMS‑Dienstleistern widerspiegelt. Da hieß es, dass man mehr produzieren könne, wenn die Bauteile zur Verfügung stünden.
„Gerade in Teilen der Elektroindustrie trifft eine kräftige Nachfrage auf eine angespannte Materialversorgung. Fehlende Vorprodukte könnten dort zunehmend zum Flaschenhals werden“, erklärt Klaus Wohlrabe, Leiter der ifo Umfragen, am 12. Oktober 2026.
Elektronik ist nicht gleich Elektrotechnik
Das Geschäftsklima ist in Deutschland im September 2026 gestiegen - stellenweise allerdings auch der Materialmangel.
(Bild: ifo Institut)
Die Materialversorgung entwickelt sich innerhalb der Industrie jedoch unterschiedlich. Während sich die Lage bei Herstellern elektronischer und optischer Erzeugnisse deutlich verschärft hat, ist bei den Herstellern elektrischer Ausrüstungen eine leichte Entspannung zu beobachten. Hier sank der Anteil der Unternehmen mit Engpässen von 29,5 auf 27,4 Prozent. Damit berichtet aber weiterhin mehr als jedes vierte Unternehmen dieser Branche von Schwierigkeiten bei der Materialversorgung.
Die beiden vom ifo Institut getrennt betrachteten Industriezweige unterscheiden sich vor allem durch ihre Produkte. Zur Herstellung von Datenverarbeitungsgeräten sowie elektronischen und optischen Erzeugnissen (WZ 26) zählen beispielsweise Halbleiter, bestückte Leiterplatten, Kommunikationsgeräte und elektronische Messtechnik. Unter elektrischen Ausrüstungen (WZ 27) werden dagegen unter anderem Elektromotoren, Transformatoren, Schaltgeräte, Batterien und Kabel zusammengefasst. Die Einteilung folgt der amtlichen Wirtschaftszweigklassifikation des Statistischen Bundesamts.
Für Elektronikentwickler und -fertiger ist diese Unterscheidung wichtig. Denn obwohl beide Industriezweige eng mit der Elektronik verbunden sind, erfassen sie unterschiedliche Produktgruppen. Die ifo-Erhebung lässt deshalb nicht pauschal auf eine Verschlechterung der Versorgung mit sämtlichen Elektronikbauteilen schließen. Welche konkreten Vorprodukte besonders schwer zu beschaffen sind, geht aus den veröffentlichten Zahlen übrigens nicht hervor. Auch über die Schwere der Engpässe oder mögliche Auswirkungen auf einzelne Fertigungsprozesse macht das Institut keine detaillierten Angaben.
Keine einheitliche Entwicklung in der Industrie
Auch in anderen Branchen zeigt sich ein gemischtes Bild. In der chemischen Industrie stieg der Anteil der von Materialengpässen betroffenen Unternehmen von 12,5 auf 18,0 Prozent. Im Maschinenbau gab es einen moderaten Anstieg von 14,9 auf 16,3 Prozent. Deutlich entspannter ist die Situation dagegen in der Metallerzeugung und ‑bearbeitung. Hier sank der Anteil von 21,1 auf 14,2 Prozent. In der Automobilindustrie blieb die Versorgungslage mit 8,9 Prozent nahezu unverändert.
Von einem flächendeckenden Anstieg der Lieferengpässe kann deshalb noch keine Rede sein. In einzelnen Industriezweigen entwickeln sich fehlende Vorprodukte allerdings wieder zu einem größeren Problem, wie das ifo Institut betont.
Steigende Produktionspläne treffen auf Materialengpässe
Ein Blick in die ifo Konjunkturperspektiven für September 2026 zeigt zugleich, dass sich die Produktionspläne in Teilen der Elektronikindustrie deutlich verbessert haben. Bei den Herstellern von Datenverarbeitungsgeräten sowie elektronischen und optischen Erzeugnissen stieg der entsprechende saisonbereinigte Saldo von 31,3 Punkten im August auf 49,2 Punkte im September. Auch bei den Herstellern elektrischer Ausrüstungen legte der Saldo der Produktionspläne von 13,6 auf 21,8 Punkte zu. Die Salden geben dabei das Verhältnis der Unternehmen mit steigenden und sinkenden Produktionsabsichten wieder. Sie sind nicht mit einem prozentualen Produktionswachstum gleichzusetzen.
Stand: 08.12.2025
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Die Kombination aus steigenden Produktionsabsichten und zunehmenden Materialengpässen deutet darauf hin, dass die Beschaffung von Vorprodukten in Teilen der Elektronikindustrie wieder stärker unter Druck geraten könnte. Ob die Zulieferer mit der geplanten Produktionsausweitung Schritt halten können, werden die kommenden Monate zeigen. (sb)