ZVEI-Außenhandelsreport im Oktober 2026 Deutsche Elektroexporte wachsen deutlich stärker als der Gesamtexport

Von Susanne Braun 4 min Lesedauer

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Die deutschen Elektroexporte sind im August 2026 um 18,4 Prozent gestiegen. Besonders kräftig wächst das Geschäft mit den europäischen Nachbarn. Auch Auftragseingänge und Produktion legen zu. Doch wie nachhaltig ist die Entwicklung und welche Rolle spielen Preisanpassungen?

Die deutschen Elektroexporte legten im August 2026 um 18,4 Prozent zu. Besonders stark wuchs das Geschäft mit den europäischen Nachbarn, darunter Polen und Tschechien.(Bild:  Dall-E / KI-generiert)
Die deutschen Elektroexporte legten im August 2026 um 18,4 Prozent zu. Besonders stark wuchs das Geschäft mit den europäischen Nachbarn, darunter Polen und Tschechien.
(Bild: Dall-E / KI-generiert)

Die deutsche Elektro- und Digitalindustrie hat im August 2026 Waren im Wert von 21,6 Milliarden Euro exportiert. Das entspricht einem nominalen Plus von 18,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, wie der Branchenverband ZVEI in seinem aktuellen Außenhandelsreport vom 21. Oktober 2026 mitteilt. Damit wachsen die Elektroexporte deutlich stärker als die deutschen Warenausfuhren insgesamt, die im August lediglich um 6,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr zulegten.

Von Januar bis August summierten sich die deutschen Elektroexporte auf 185,4 Milliarden Euro, ein Zuwachs von 10,7 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Gleichzeitig stiegen die Importe elektrotechnischer und elektronischer Güter um 9,2 Prozent auf 193 Milliarden Euro. Deutschland importierte damit weiterhin mehr Elektroerzeugnisse, als es exportierte.

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Der Importüberschuss lässt sich zumindest teilweise mit der Struktur der heimischen Industrie erklären. Während viele elektronische Konsumgüter aus dem Ausland stammen, werden importierte Bauelemente und Baugruppen hierzulande häufig in Maschinen, Fahrzeugen und Industrieanlagen weiterverarbeitet. Deren spätere Ausfuhr wird nicht zwangsläufig als Elektroexport erfasst.

EU-Binnenmarkt bleibt Wachstumstreiber

Besonders dynamisch entwickelte sich das Geschäft mit den europäischen Nachbarn. Die Exporte in die EU stiegen im August um 21,2 Prozent auf 10,9 Milliarden Euro. An der Spitze standen dabei Tschechien mit einem Plus von 38,5 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro und Polen mit einem Zuwachs von 34,5 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro. Auch Rumänien (+26,7 Prozent), Portugal (+26,2 Prozent), Belgien (+25,2 Prozent) und Ungarn (+24,1 Prozent) verzeichneten deutliche Steigerungen. Lediglich die Ausfuhren nach Dänemark gingen um 4,7 Prozent zurück.

In den ersten acht Monaten des Jahres erreichten die Exporte in die EU einen Wert von 101,8 Milliarden Euro, 17,5 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Die Ausfuhren in Länder außerhalb der EU legten dagegen lediglich um 3,9 Prozent zu.

Die kräftigen Zuwächse in Polen und Tschechien sind auch mit Blick auf die europäischen Produktionsnetzwerke interessant. Beide Länder sind wichtige Standorte der Industrie- und Elektronikfertigung. Ob die gestiegenen Exporte allerdings auf eine höhere Nachfrage nach elektronischen Komponenten, Automatisierungstechnik oder anderen Elektroerzeugnissen zurückzuführen sind, lässt sich aus den Zahlen nicht ablesen.

USA erholen sich, China bleibt im Minus

Auch das Geschäft mit den USA entwickelte sich zuletzt positiv. Die deutschen Elektroexporte in die Vereinigten Staaten stiegen im August um 35,6 Prozent auf 2,4 Milliarden Euro. Damit verzeichnete der US-Markt bereits den dritten Monat in Folge ein zweistelliges Wachstum.

Anders sieht es in China aus. Die Ausfuhren in die Volksrepublik gingen im August um 6,6 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro zurück. Auch Taiwan bezog mit 272 Millionen Euro weniger deutsche Elektroerzeugnisse als im Vorjahresmonat, ein Minus von 11,2 Prozent.

Nach einem zunächst positiven Jahresauftakt hat sich das China-Geschäft damit erneut abgeschwächt. Der ZVEI hält es für möglich, dass die deutschen Elektroexporte nach China 2026 bereits das vierte Jahr in Folge zurückgehen.

Nicht nur die Exporte legen zu

Dass die Elektroindustrie derzeit besser abschneidet als der deutsche Außenhandel insgesamt, zeigt sich auch an anderen Konjunkturindikatoren. So stiegen die Auftragseingänge der Branche im August nominal um 17 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Der Branchenumsatz legte um 11 Prozent zu, während die preisbereinigte Produktion um 4,5 Prozent wuchs.

Die Entwicklung deutet damit auf eine tatsächliche Belebung der Nachfrage hin. Allerdings fällt das Produktionswachstum deutlich geringer aus als das nominale Exportplus. Wie viel des Exportwachstums auf größere Liefermengen, höhere Preise oder einen veränderten Produktmix entfällt, lässt sich aus den Außenhandelszahlen allein nicht bestimmen.

Bei der Einordnung der Exportzahlen spielt auch die Preisentwicklung eine Rolle. Die Elektronikindustrie steht weiterhin unter Kostendruck, unter anderem durch steigende Preise und Engpässe bei einzelnen Halbleitern, Metallen und Leiterplattenmaterialien. Soweit Hersteller diese Mehrkosten an ihre Kunden weitergeben, können sie auch die nominalen Exportwerte erhöhen. Das Plus von 18,4 Prozent bedeutet daher nicht zwangsläufig, dass entsprechend mehr Waren ausgeführt wurden. Wie groß der Anteil möglicher Preiseffekte tatsächlich ist, lässt sich aus den vorliegenden Zahlen nicht bestimmen.

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Hinzu kommt, dass die Elektroindustrie nicht isoliert von den übrigen wirtschaftlichen Entwicklungen betrachtet werden kann. Anfang Oktober berichtete das ifo Institut von einer verbesserten Auftragslage in der Elektroindustrie. Gleichzeitig verschärfte sich die Materialversorgung in Teilen der Branche. Laut ifo-Konjunkturumfrage meldeten im September 37,8 Prozent der Hersteller von Datenverarbeitungsgeräten sowie elektronischen und optischen Erzeugnissen Engpässe bei Vorprodukten. Im August waren es noch 33,2 Prozent. Eine anziehende Nachfrage trifft damit weiterhin auf teilweise angespannte Lieferketten.

Erholung ja, Entwarnung noch nicht

Die aktuellen Zahlen zeichnen insgesamt ein freundlicheres Bild der deutschen Elektroindustrie. Sowohl Exporte als auch Auftragseingänge und Produktion legen zu, während der europäische Binnenmarkt zunehmend an Bedeutung gewinnt. Insbesondere die kräftigen Zuwächse in den mittel- und osteuropäischen Märkten dürften für die stark vernetzte europäische Elektronikindustrie interessant sein.

Ob daraus eine nachhaltige Erholung wird, müssen allerdings die kommenden Monate zeigen. Die schwächere Nachfrage aus China, Engpässe bei Vorprodukten und die weiterhin verhaltene Entwicklung der deutschen Gesamtwirtschaft bleiben Unsicherheitsfaktoren. Immerhin: Die Elektroindustrie liefert derzeit deutlich mehr positive Konjunktursignale als noch vor einigen Monaten. (sb)

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