Transparenz in der Digitalpolitik Interaktive Karte visualisiert Big-Tech-Netzwerke in Berlin

Von Manuel Christa 2 min Lesedauer

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Die „Big Tech Lobbylandkarte“ bündelt Daten aus dem amtlichen Lobbyregister und macht die politischen Verbindungen großer Technologiekonzerne in Deutschland sichtbar. Das Tool zeigt, wie Anbieter von Cloud- und KI-Infrastrukturen in der Hauptstadt vernetzt sind.

Lobby-Netzwerk: Die „Big Tech Lobbylandkarte“ bietet Transparenz im Beziehungsgeflecht zwischen Unternehmen, Verbänden und Politik. (Bild:  Zentrum für Digitalrechte und Demokratie gGmbH)
Lobby-Netzwerk: Die „Big Tech Lobbylandkarte“ bietet Transparenz im Beziehungsgeflecht zwischen Unternehmen, Verbänden und Politik.
(Bild: Zentrum für Digitalrechte und Demokratie gGmbH)

Bei der Gestaltung digitalpolitischer Rahmenbedingungen bringen globale Technologiekonzerne ihre Interessen und Expertise in den politischen Prozess ein. Um diese Strukturen der Interessenvertretung transparenter zu machen, bündelt die neu veröffentlichte „Big Tech Lobbylandkarte“ öffentlich zugängliche Daten. Das interaktive Tool visualisiert dabei das Beziehungsgeflecht zwischen Tech-Unternehmen, Wirtschaftsverbänden und Agenturen in Berlin. Hinter dem Projekt steht die gGmbH „Zentrum für Digitalrechte”. Bekanntester Akteur dort ist Markus Beckedahl, Journalist von netzpolitik.org.

Datengrundlage der Netzwerkanalyse ist das offizielle Lobbyregister des Bundestages (Stichtag: 04. Mai 2026), wobei sich die hinterlegten Budgetzahlen auf die Selbstangaben der Unternehmen für das Geschäftsjahr 2024 beziehen. Die Größe der visualisierten Knotenpunkte orientiert sich dabei an der Höhe dieser Budgets. Im Fokus der Auswahl stehen die sogenannten „Big Five“: Google, Microsoft, Meta, Apple und Amazon (inklusive Amazon Web Services), ergänzt um TikTok und das auf Datenanalyse spezialisierte Software-Unternehmen Palantir.

Interessenvertretung über Verbände und Netzwerke

Die grafische Auswertung verdeutlicht, dass die Konzerne stark auf indirekte Netzwerke setzen. Sie engagieren nicht nur Agenturen, sondern sind Mitglieder in zahlreichen Verbänden und Vereinen, die in der Digital- und Wirtschaftspolitik agieren. Laut den Registerdaten listet beispielsweise Microsoft 50 Mitgliedschaften in verschiedenen Organisationen, Google kommt auf 28.

Für die Industrie ist diese Transparenz durchaus aufschlussreich: Diese Gremien und Verbände sind häufig an der frühen Debatte oder Ausarbeitung von Regulierungen (wie etwa dem Cyber Resilience Act oder dem Data Act) beteiligt, die sich später direkt auf das B2B-Tagesgeschäft mittelständischer Unternehmen auswirken. Insgesamt gaben allein die fünf größten US-Konzerne im Jahr 2024 laut Registerangaben auf Bundesebene 7,17 Millionen Euro für Interessenvertretung aus und beschäftigten hierfür 52 Personen.

Die Grenzen der erhobenen Daten

Die Initiatoren des Projekts weisen allerdings auch transparent auf die methodischen Grenzen der Visualisierung hin. Die Karte bildet lediglich einen Ausschnitt der tatsächlichen Netzwerke ab. Da das Tool auf den Selbstangaben des Registers basiert, lassen sich die Informationen unabhängig kaum verifizieren. Detaillierte Angaben darüber, wer sich wann konkret mit welchen Regierungsmitgliedern trifft, werden dort nicht erfasst. Auch fehlen politische Aktivitäten auf EU-Ebene sowie in den Landesparlamenten.

Spitze des Eisbergs: Die Visualisierung bildet nur einen Teil der Interessensvertretung ab.(Bild:  Zentrum für Digitalrechte und Demokratie gGmbH)
Spitze des Eisbergs: Die Visualisierung bildet nur einen Teil der Interessensvertretung ab.
(Bild: Zentrum für Digitalrechte und Demokratie gGmbH)

Zudem beleuchtet die Karte ausschließlich den Bereich der direkten Gesetzgebungsbeeinflussung. Andere Dimensionen der Vernetzung und Einflussnahme, wie etwa das Auftreten der Tech-Konzerne als IT-Dienstleister und Cloud-Provider für Behörden und Ministerien, bleiben in dieser Auswertung außen vor. Dennoch bietet die Lobbylandkarte Branchenbeobachtern ein kompaktes, datenbasiertes Werkzeug, um die politische Präsenz der dominierenden Tech-Player objektiv nachzuvollziehen. (mc)

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