Anbieter zum Thema
Fachwissen allein reicht nicht

Ein unverzichtbares Element der Ausbildung ist die Vermittlung der Fähigkeit, die eigenen Gedanken in eine logische Reihenfolge zu bringen und die eigene Arbeit in einer kohärenten Form darzustellen. Hier war ich selbst überrascht, als ein Diplomand mit solidem Fachwissen, herausragender sozialer Kompetenz und größtem Engagement extreme Schwierigkeiten hatte, die Ergebnisse seiner Arbeit in einer angemessenen Form darzustellen. Diese Fähigkeiten müssen im Studium durch Versuchsprotokolle, Studienarbeiten, Vorträge und Abschlussarbeiten vermittelt und geübt werden. Dass dabei in einer immer enger vernetzten Welt auch das Lesen und Schreiben in Englisch gehört, sollte selbstverständlich sein.
Aber natürlich muss auch die Industrie ihren Beitrag leisten, damit in Zukunft genügend Ingenieure für die technologische Weiterentwicklung zur Verfügung stehen. Anders als noch Ende der 90er Jahre sind sich die Industrievertreter heute einig, dass die zu erwartenden Absolventenzahlen in den Ingenieurberufen in Deutschland nicht den zukünftigen Bedarf der Industrie in Deutschland decken kann. Wenn man sich daran erinnert, dass seinerzeit Politiker gefordert hatten, dass mehr Abiturienten einen Ausbildungsberuf anstreben und nicht alle studieren sollten, kann man sich heute nur ungläubig die Augen reiben.
Sorge um eine nutzbringende Ausbildung

Dass Bildungspolitiker darüber nachdenken, ob eine Zentralisierung von Fachbereichen auf einzelne Standorte eine effektivere Hochschulausbildung ermöglicht, erfüllt mich mit Sorge. Wenn Elektrotechnik nur noch in Erlangen und Medizin nur noch in München studiert werden kann, dann wird der universitäre Gedanke ausgehöhlt und die Möglichkeit von interdisziplinärer Zusammenarbeit weiter eingeschränkt. Das wäre für die Anforderungen eines modernen Industrieunternehmens, das auf interdisziplinäre Zusammenarbeit zur kreativen Bewältigung zukünftiger Herausforderungen angewiesen ist, keineswegs wünschenswert.
Wenn wir in der Zukunft genügend junge Menschen dafür gewinnen wollen, mit uns gemeinsam für die effizienter Nutzung von Energie zu arbeiten, dann müssen alle Beteiligten mithelfen, positive Signale zu geben. Es ist wichtig, die Bedeutung der Leistungselektronik für die nachhaltige Nutzung von Energie einer breiteren Öffentlichkeit nahezubringen und den Ingenieuren von morgen eine Vorstellung von den spannenden Herausforderungen der Zukunft zu vermitteln. Ein positives Beispiel für die öffentlichkeitswirksame Darstellung der Leistungselektronik ist die PCIM Europe, die eine Ausstellung fortschrittlicher Produkte und Technologien für ein breites Publikum mit einer Konferenz als Plattform zum Gedankenaustausch für Experten auf internationaler Ebene vereinigt.“
*Dr. rer. nat. Uwe Scheuermann verantwortet beim Halbleiterhersteller SEMIKRON in Nürnberg die Produktzuverlässigkeit der Leistungselektronik und ist zudem Lehrbeauftragter an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg am Lehrstuhl Elektrische Antriebe und Maschinen. Dort vermittelt er seit 2006 praxisrelevantes Wissen über neue Aufbau- und Verbindungstechniken in der Leistungselektronik.
(ID:334066)