Mess- und Prüftechnik „Die Marktführer im Test von morgen sind diejenigen, die KI heute verinnerlichen“

Von Dipl.-Ing. (FH) Hendrik Härter 2 min Lesedauer

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Auf den NI Days sprach Kevin Schultz, CTO NI, über den KI-Assistenten Nigel und wie dieser die Mess- und Prüftechnik verändern wird. Doch er warnte vor blindem Vertrauen in die Algorithmen.

Nigel von Emerson NI ist ein integraler Bestandteil der Software geworden.(Bild:  Emerson NI)
Nigel von Emerson NI ist ein integraler Bestandteil der Software geworden.
(Bild: Emerson NI)

Zum zweiten Mal veranstaltete NI Emerson am 23. und 24. Februar in München seine NI Days. In diesem Jahr stand der erste Kongresstag ganz im Zeichen der künstlichen Intelligenz und mit Fokus auf den KI-Assistenten Nigel.

Kevin Schultz, Chief Technology Officer & General Manager des Test and Measurement Technology Innovation Office innerhalb der Emerson Test and Measurement Business Group, zeichnete in seiner Eröffnungs-Keynote ein eindrucksvolles Bild der Zukunft des Engineerings. Die Tech-Branche befindet sich in einer grundlegenden technologischen Transformation, die die historische Einführung des Personal Computers sogar noch in den Schatten stellt. Schultz, der auf eine über 30-jährige Karriere bei NI zurückblickt und heute die technologische Speerspitze bei Emerson leitet, betonte, dass der Weg von NI mit künstlicher Intelligenz (KI) auf drei fundamentalen Säulen basiert: Hardware, Software und der neuen strategischen Ressource Daten.

Der Weg, den NI mit seinen KI-Assistenten einschlägt, ist nach seinen Worten „strikt an den Bedürfnissen der Elektronikentwicklung ausgerichtet“. Schultz beschrieb eine Evolution der Software, die über einen bloßen „Berater-Status“ (Advisor), der Tipps gibt, hinausgeht.

Testsequenzen und Code-Strukturen entwerfen

Kevin Schultz ist Chief Technology Officer & General Manager Test and Measurement Technology Innovation Office Emerson Test and Measurement Business.(Bild:  Hendrik Härter)
Kevin Schultz ist Chief Technology Officer & General Manager Test and Measurement Technology Innovation Office Emerson Test and Measurement Business.
(Bild: Hendrik Härter)

In der Vision von NI wird die KI zum „Autor“, der eigenständig Testsequenzen und Code-Strukturen entwirft, bis hin zum autonomen „Agenten“. Ein solcher Agent agiert als echter Partner im Entwicklungsprozess, übernimmt komplexe Validierungsaufgaben und modifiziert Testparameter in Echtzeit, während der Ingenieur stets die finale Entscheidungsgewalt behält. Um dieses Ziel zu erreichen, optimiert NI seine Hardware-Plattformen konsequent für das „Direct Data Streaming“. Dies ist essenziell, um die massiven Datenmengen, die beispielsweise in der 6G-Entwicklung oder der hochauflösenden Optoelektronik anfallen, verzögerungsfrei an spezialisierte Prozessoreinheiten (GPUs und FPGAs) weiterzuleiten.

Ein zentraler Aspekt der Strategie, die Schultz in München präsentierte, ist das Prinzip der „Expert-led AI“. Gerade in sicherheitskritischen Branchen wie der Medizintechnik ist blindes Vertrauen in Algorithmen keine Option. Schultz positioniert KI daher als einen hochbegabten „digitalen Praktikanten“: Er findet Korrelationen in Datenfriedhöfen, die einem menschlichen Auge verborgen bleiben, und beschleunigt Routineaufgaben massiv. Dennoch bleibt die fachliche Expertise des Ingenieurs das unverzichtbare Korrektiv. Dieser Ansatz stellt sicher, dass Innovationen nicht nur schneller, sondern auch nachvollziehbar und sicher erfolgen – ein entscheidender Faktor für die Zulassungsprozesse in der Medizintechnik oder der Automobilindustrie.

Daten gleichauf mit Hard- und Software

Abschließend machte Schultz deutlich, dass Daten in der neuen Ära denselben Stellenwert einnehmen wie Hardware und Software selbst. Eine intelligente Messplattform muss heute in der Lage sein, Daten nicht nur zu speichern, sondern sie mit dem vollständigen Kontext – wie Hardware-Konfiguration, Nutzerprofilen und Umgebungsbedingungen – anzureichern. Nur durch diese „AI-Ready“-Datenstrategie lassen sich langfristig Effizienzgewinne erzielen. Für die Besucher der NI Days in München wurde klar: NI sieht KI nicht als Ersatz für den Ingenieur, sondern als das mächtigste Werkzeug seit der Erfindung des PCs, um die Grenzen der physikalischen Messbarkeit und der Designvalidierung neu zu definieren. (heh)

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