1980: Heim-PC Sinclair ZX80 war geboren Der mickrige 100-Pfund-PC ohne Videochip

Von Manuel Christa 4 min Lesedauer

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Wenn ich mich heute auf meinem heimischen Raspberry Pi einlogge, bin ich noch immer fasziniert, wie so eine winzige Platine derartiges leisten kann. Wohlgemerkt auf einem Einplatinen-Rechner, den ich für rund 35 Euro erworben habe. Ähnlich muss sich ein Nerd in meinem Geburtsjahr 1980 mit einem Sinclair ZX80 gefühlt haben.

Der Sinclair ZX80: 
In einem sehr guten Zustand aus dem Computer History Museum.(Bild:  Michael Hicks / CC BY )
Der Sinclair ZX80: 
In einem sehr guten Zustand aus dem Computer History Museum.
(Bild: Michael Hicks / CC BY )

Meine eigene digitale Reise begann erst ein paar Jahre später mit einem Schneider CPC samt ratternder Datasette. Sie ging weiter mit einem Amiga 500 mit Diskette und in den 90ern vor meinem ersten echten PC mit CD-Laufwerk. Zeitweise wurden diese Maschinen von Spielkonsolen überbrückt. Erst als Teenager packte mich die Magie, die früh schon die Programmiersprache Basic hervorbrachte, also mit einer relativ einfachen Programmiersprache erste Anwendungen aus dem Nichts zu erschaffen. Dabei konnte schon der ZX80 Basic interpretieren. Der eigentliche Urknall, der Computer aus den Laboren in die Wohnzimmer holte, passierte schon damals in der Zeit um das Jahr, in dem ich geboren wurde.

Wir schreiben das Jahr 1980. Während Rechner wie der Apple II oder der Commodore PET zwar existieren, sind sie für normale Haushalte mit Preisen von weit über 1.000 Dollar schlicht zu teuer. In Großbritannien hat der Erfinder Clive Sinclair daher nur ein einziges, radikales Ziel: Er will einen Heimcomputer bauen, der weniger als 100 Pfund kostet. Das Ergebnis ist der Sinclair ZX80 – ein Meisterwerk der extremen Kostenreduktion und eine elektronische Kuriosität, die eine ganze Generation von Programmierern prägen sollte. Die Geschichte erinnert mich an die Herangehensweise und den Erfolg der Raspberry Pi: ein vollwertiger Computer zum Bruchteil des damaligen Status Quo. Und vielleicht weil er mich an die damaligen „Brotkästen“ der 80er erinnert, habe ich mir rein aus Spielerei einen Raspberry Pi 400 zugelegt, also die Tastaturversion des Single-Board-Computers.

Die Architektur der absoluten Sparsamkeit

Für Hardware-Entwickler und Elektroniker ist das Platinen-Design des Sinclair ZX80 bis heute faszinierend, weil es zeigt, wie weit man Komponenten reduzieren kann, bevor ein System aufhört, ein Computer zu sein. Der Rechner bestand aus einem nur 1 mm dünnen, weißen Plastikgehäuse mit aufgemalten – nicht echten(!) – Lüftungsschlitzen und einer furchtbaren Folientastatur, die absolut kein haptisches Feedback bot. Man könnte sagen, der ZX80 war vielmehr ein Taschenrechner auf Steroiden als ein schlanker, günstiger PC.

An dieser Stelle wäre aber jeder heutige Taschenrechner beleidigt, denn der ZX80 konnte nicht mit Gleitkommazahlen rechnen. Dabei konnten die Ganzzahlen lediglich Werte von -32768 bis +32767 annehmen – 16 Bit eben.

Architektur am Limit: 
Neben dem Z80-Hauptprozessor begnügte sich der komplette Rechner mit winzigen 1 Kilobyte RAM und einem 4 Kilobyte großen ROM.(Bild:  Joho345 / CC BY-SA )
Architektur am Limit: 
Neben dem Z80-Hauptprozessor begnügte sich der komplette Rechner mit winzigen 1 Kilobyte RAM und einem 4 Kilobyte großen ROM.
(Bild: Joho345 / CC BY-SA )

Im Inneren schlug ein Z80-Prozessor mit 3,25 MHz. Dazu kamen winzige 1 Kilobyte RAM und ein 4 Kilobyte großes ROM, in dem das Betriebssystem und der Basic-Interpreter zusammengepfercht waren. Wer auf dem Mainboard nach einem Video- oder Sound-Chip suchte, wurde enttäuscht. Der ZX80 hatte keinen Sound. Und der Z80-Prozessor musste die Bildschirmausgabe via Software über ein simples Schieberegister komplett selbst übernehmen: Er zeichnete das Bild buchstäblich Pixel für Pixel.

Ein Bildschirm, der beim Tippen schrumpft

Diese radikale Sparmaßnahme der geteilten Aufgabenverteilung führte zu den skurrilsten Eigenheiten der Computergeschichte: Der ZX80 konnte entweder Code ausführen oder das Bild an den Fernseher senden. Beides gleichzeitig ging nicht. Sobald man eine Taste drückte oder ein Programm startete, wurde der Bildschirm schwarz, weil die CPU anderweitig beschäftigt war. Programmieren glich einem Stroboskop-Gewitter.

Noch absurder wurde es beim Speicher. Von dem 1 KB RAM (1024 Bytes) beanspruchte die reine Text-Bildschirmanzeige (32 × 24 Zeichen) bis zu 768 Bytes. Blieben also gerade einmal 256 Bytes für das eigentliche Programm des Nutzers. Wenn man nun ein Basic-Programm schrieb, das diesen Speicher überschritt, griff das System zu einer pragmatischen Lösung: Es fraß den Videospeicher an. Je länger der Code wurde, desto kleiner wurde der Bildschirm von unten nach oben. Irgendwann blieb nur noch eine einzige Zeile übrig. Der berüchtigte „Error 5“ des Handbuchs bedeutete schlichtweg: „Kein Platz mehr auf dem Bildschirm.“

Um bei nur 4 KB ROM überhaupt einen Basic-Interpreter unterzubringen, erfand Sinclairs Team eine geniale Notlösung: Anstatt den eingegebenen Text Buchstabe für Buchstabe zu parsen, war jedem Basic-Befehl eine Taste zugeordnet. Drückte man 'O', erschien sofort das Wort PRINT. Das sparte wertvollen Speicherplatz für die Fehlerprüfung und erleichterte Anfängern das Tippen auf der grauenhaften Folientastatur.

Ein Spielzeug, das die Welt veränderte

War der Sinclair ZX80 ein guter Computer? Nach allen objektiven Maßstäben der IT: Nein. Er war ein glorifizierter Minirechner mit TV-Ausgang. Aber das spielte keine Rolle. Er war billig genug, dass normale Familien das Risiko eingingen, herauszufinden, was es mit dieser „Computer-Revolution“, von der alle sprachen, auf sich hatte. Er war die Einstiegsdroge für Nerds in ganz Europa, die an ihm ihre ersten Zeilen Code tippten.

Aus dem ZX80 entstand ein Jahr später der etwas ausgereiftere ZX81 mit unglaublichen 5 Chips statt 21, dank eines neuen Custom-Chips und später der legendäre ZX Spectrum. Der extrem reduzierte Ansatz des Clive Sinclair, übrigens Basler aber kein Ingenieur, säte den Samen für die florierende europäische Soft- und Hardwareindustrie der 80er und 90er Jahre.

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Ich liebe den Raspberry Pi seit der ersten Stunde, weil er mir genau dieses Bastelgefühl der damaligen Zeit zurückbrachte, also die Begeisterung, wie viel mit so wenig Hardware möglich ist. Ich hatte viele Jahre nicht mehr programmiert, aber der Pi weckte mit Python in mir, was damals solche Geräte wie der ZX80 mit Basic schaffte. Also IT-Bastelei quasi aus dem Nichts zu schaffen, egal wie sinnlos und verspielt sie war. Während Consumer-Rechner heutzutage mehr durch ihre Leistung und RGB-Beleuchtung glänzen, überzeugen solche scheinbar mickrigen Computer wie damals der ZX80 oder jetzt der Raspi mit den Erlebnissen und Möglichkeiten, die ein Nerd damit haben kann. (mc)

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