Nach der geplatzten Übernahme durch Nvidia dreht sich bei Arm das Personalkarussell. Allerdings nicht nur in der Führungsetage: Offenbar plant der Chip-Designer, bis zu 1.000 Jobs zu streichen. Welches Potenzial hat vor diesem Hintergrund der nun angestrebte Börsengang des Unternehmens?
Arms Hauptquartier im britischen Cambridge: Der aktuelle Eigner Softbank will den Prozessor-IP-Spezialisten nach der fehlgeschlagenen Akquise durch Nvidia schnell an die Börse bringen.
Wie The Telegraph und The Verge berichten, hat der neue Arm-Geschäftsführer Rene Haas seiner Belegschaft mitgeteilt, dass Hunderte von Mitarbeitern entlassen werden. Nicht bestätigten Informationen zufolge soll der Aderlass zwischen 10 und 15 Prozent der Beschäftigten treffen. Derzeit arbeiten rund 6.500 Mitarbeiter für den Konzern – es droht also der Abbau von bis zu 1.000 Stellen. Die Ankündigung kommt kurz nachdem in der Arm-Konzernführung etliche Positionen neu besetzt wurden.
„Dies wird eine harte Zeit für alle sein, deshalb möchte ich klarstellen, warum wir dies tun“, sagte Haas laut The Telegraph in einer E-Mail. „Wir müssen disziplinierter sein, was unsere Kosten angeht und wo wir investieren.“ Um wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen man jetzt, als unabhängiger Konzern, „Doppelarbeit vermeiden, Tätigkeiten einstellen, die für unseren künftigen Erfolg nicht mehr entscheidend sind, und darüber nachdenken, wie wir unsere Arbeit erledigen.“ Nach den bisher vorliegenden Informationen sind vor allem Mitarbeiter im Vereinigten Königreich und in den USA von den Kürzungen betroffen. Unklar ist hingegen, in welchen Bereichen die Jobs wegfallen sollen.
Der aktuelle Eigner, die japanische Softbank Group, steht unter Druck: Das Unternehmenskonglomerat hatte den britischen Chip-Entwickler 2016 für 32 Milliarden US-Dollar übernommen – und in der Folge eine klare strategische Ausrichtung des Unternehmens vermissen lassen. So hatte der britische Prozessorhersteller mit teuren Zukäufen 2018 sein IoT-Geschäft ankurbeln wollen – nur um die IoT-Bereiche „IoT Platform“ und „Treasure Data“ später wieder die an Muttergesellschaft zu übertragen, so dass sie aus der Bilanz herausgerechnet werden konnten. Darüber hinaus wurde Arms Pelion IoT-Plattform in ein eigenständiges Unternehmen ausgegliedert.
Nun ist Softbanks Gewinn im vergangenen Quartal um gut 97 Prozent auf 29 Milliarden Yen (etwa 220 Mio. Euro) im Vergleich zum Vorjahr eingebrochen. Da Softbank an vielen Technologiefirmen beteiligt ist, hängt die eigene Bilanz stark von deren Performance ab. Vor diesem Hintergrund drückt der Konzern nun beim angestrebten IPO aufs Gaspedal: Noch im bis Ende März 2023 laufenden Geschäftsjahr soll Arm an einer Börse gelistet sein – voraussichtlich an einer amerikanischen. Möglicherweise hat Softbank den besten Zeitpunkt für dieses Vorhaben allerdings bereits verpasst.
Kommt der Börsengang zu spät?
Letztes Jahr sind die Werte für Halbleiter- und Technologie-Unternehmen stark gestiegen. Das zeigt sich etwa an den Aktien von Nvidia: Als CEO Jen-Hsun (Jensen) Huang die Übernahme von Arm Ende 2020 ankündigte, wurde der allein auf Aktien basierende Deal mit knapp 40 Mrd. USD bewertet. Etwas über ein Jahr später, als der Stecker gezogen wurde, war der Wert auf fast 80 Mrd. USD geklettert.
Schwer vorstellbar, dass Softbank eine solche Kapitalisierung für Arm erzielen kann, wenn es das Unternehmen an die Börse bringt. Oder, wie Ian King, Analyst beim Marktbeobachter Bloomberg es ausdrückt: „Softbank hat den Peak für den IPO verpasst.“ Masayoshi Son, Multimilliardär und Gründer der Softbank Group, sieht das naturgemäß anders: Mit dem anvisierten Börsengang kehre man lediglich zum ursprünglichen Plan für die Entwicklung von Arm zurück: „Wir streben den größten Börsengang in der Geschichte der Halbleiterindustrie an.“
Kann Arm langfristig allein überleben?
Es gibt allerdings Branchenexperten, die die Aussichten Arms, sich am Kapitalmarkt zu behaupten, durchaus kritisch sehen. Der Grund: Zwar sind die Produkte des Unternehmens sehr weit verbreitet und haben unzweifelhaft eine hohe Marktrelevanz – doch beruht das Geschäftsmodell einzig auf Einnahmen aus den Lizenzen, die an Chipentwickler verkauft werden. Entsprechend seien die Einnahmen überschaubar – und es ist keineswegs in Stein gemeißelt, dass sie dauerhaft auf hohem Niveau fließen.
So steht etwa die offene Prozessorarchitektur RISC-V in den Startlöchern. Sie könnte der Arm-IP zunächst zumindest im Low-End-Bereich das Wasser abgraben. Zuletzt hatte Chipriese Intel bekannt gegeben, die Verbreitung von RISC-V mit einer Milliardeninvestition antreiben zu wollen. Darüber hinaus ist das Unternehmen als Premiummitglied in die RISC-V Foundation eingetreten. Es ist davon auszugehen, dass Intel die Geschicke der Open-Source-Befehlssatzarchitektur in Zukunft maßgeblich mitbestimmen wird.
Stand: 08.12.2025
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Investitionsniveau in Gefahr
Sollte Arm deutlich weniger an der Börse kapitalisieren, als es durch die Nvidia-Übernahme erzielt hätte, besteht die Gefahr, dass das derzeitige Investitionsniveau nicht aufrechterhalten werden kann. Davor hat der ehemalige CEO von Arm, Simon Segars, gewarnt. Segars hatte das Unternehmen von 2013 bis Februar 2022 geleitet. Bei der Übernahme 2016 hatte Softbank vorgesehen, die Mitarbeiterzahl in UK innerhalb von fünf Jahren zu verdoppeln. Dazu wird es nun nicht mehr kommen – im Gegenteil.
So zitiert das britische Nachrichtenmagazin Guardian einen Arm-Sprecher: „Wie jedes Unternehmen überprüft auch Arm ständig seinen Geschäftsplan, um sicherzustellen, dass das Unternehmen das richtige Gleichgewicht zwischen Chancen und Kostendisziplin findet. Leider beinhaltet dieser Prozess auch vorgeschlagene Entlassungen in der weltweiten Belegschaft von Arm.“
Hintergrund
Chips auf Basis der Arm-Architektur stecken in fast allen Smartphones und unzähligen Mikrocontrollern für unterschiedlichste Anwendungen – vom Auto bis zur Zahnbürste. Auf Basis der Arm-Designs entwickeln zum Beispiel Apple und Samsung die Prozessoren für ihre Smartphones. Auch der Chipkonzern Qualcomm, mit dessen Chips viele Android-Telefone laufen, greift darauf zurück. Darüber hinaus kommen die Arm-Designs mittlerweile auch in Server-Chips und Hochleistungs-System-on-Chips wie dem neuen Apple M1 Ultra zum Einsatz. Maßgeblichen Anteil daran, dass die Arm-Prozessoren heute so breitbandig eingesetzt werden, hat übrigens der neue CEO Haas. Der hatte, bevor er 2013 nach Arm kam, mehrere Jahre ausgerechnet bei Nvidia gearbeitet.