EMS-Tag 2017

Vom Brexit zu den Folgen der digitalen Transformation

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Wenig Hoffnung auf einen „weichen“ Brexit

Genau wie Gontermann hält Professor Mann einen harten Brexit für die wahrscheinlichste Option. Nur ein harter Brexit (also eine Zurückstufung der Wirtschaftsbeziehungen zwischen der EU und Großbritannien auf die eines normalen WTO-Landes) sei mit dem konsistent, was die EU-Ausstiegskampagne im vergangenen Jahr gefordert hatte.

Er sieht darin jedoch für Großbritannien langfristig eine positive Perspektive. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass sich Premierministerin Theresa May zu einer charismatischen Führungspersönlichkeit entwickeln, um das britische Volk wie einst Moses bei der entbehrungsreichen Wüstenwanderung der Israeliten bei der Stange zu halten.

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Professor Mann kritisierte auch die mangelnde kritische Selbstreflexion auf Seiten der EU nach dem Brexit-Referendum. Die aus Brüssel erschallenden Rufe nach einer Vertiefung der europäischen Integration seien vielmehr von einer gewissen Ignoranz geprägt gewesen. „Ein Schweizer Kanton hat bald mehr Souveränität als ein Mitgliedsland der EU“, sagte Mann.

Für wenig wahrscheinlich hält der Münchner Professor dagegen einen „Exit vom Brexit“. Die vergnügliche britische Filmkomödie „Passport to Pimlico“, in dem ein Londoner Stadtteil wegen des überraschenden Fundes eines historischen Dokuments kurzerhand seine Unabhängigkeit erklärt, dann aber nach allerlei Wirrungen wieder in den Schoß Englands zurückkehrt, werde aller Voraussicht nach keine Entsprechung in der Realität haben – auch wenn die Regierung von Theresa May nach der jüngsten Wahl von der nordirischen Unionistenpartei DUP abhängig ist, die keine EU-Außengrenze zwischen Nordirland und der Republik Irland wünscht.

Der Ausstieg Großbritanniens bleibt laut Professor Mann aber auch für die EU nicht folgenlos. Er befürchtet, dass die EU ohne das Vereinigte Königreich noch zentralistischer wird, dass die Regulierungswut weiter zunimmt und der Wettbewerb sowie die bürgerlichen Freiheiten weiter beschnitten werden. Der französische Präsident Macron „wird uns einen dreistelligen Milliardenbetrag kosten“, prognostiziert Mann. Und angesichts der Schuldenvergemeinschaftung durch die Politik der Europäischen Zentralbank EZB brauche es keine Eurobonds mehr.

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