EMS-Tag 2017

Vom Brexit zu den Folgen der digitalen Transformation

< zurück

Seite: 2/6

Anbieter zum Thema

Wolken am Konjunktur-Horizont

Auch am deutschen und europäischen Konjunkturhorizont macht Gontermann einige Wolken aus. Trotz guter aktueller Wirtschaftsdaten lasse der Rückenwind durch den billigen Euro und den vergleichsweise günstigen Ölpreis nach. „Das Öl kann nicht mehr weiter fallen“, betonte der ZVEI-Volkswirt. Außerdem mahnte er das Fehlen eines wirtschaftlichen Grundkonsens in der Eurozone an: Während die einen eine Fiskalunion, eine Art „Maastricht 2.0“, anstreben, tendieren andere dazu, bei der Geldpolitik entweder aufs Gaspedal oder auf die Bremse zu treten. Das Problem: „Alle haben recht!“, so Gontermann, denn je nach der Situation des jeweiligen Euro-Mitgliedslandes sei entweder die eine oder die andere Politik wünschenswert.

Die italienische Dauerkrise hält der ZVEI-Chefvolkswirt für das größte Problem der europäischen Gemeinschaftswährung: In Italien überschneiden sich nämlich eine Wirtschafts-, eine Banken-, eine Schulden- sowie eine Vertrauenskrise. Zudem sei Italien zu groß, um im Fall einer Staatspleite aufgefangen werden zu können.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 56 Bildern

Die Behauptungen anderer Länder, unter anderem der USA, Deutschlands Außenhandelsüberschuss sei das Ergebnis von Manipulationen, wies Gontermann als „Unfug“ zurück. Diese Vorwürfe seien nicht haltbar. Es sei auch wenig hilfreich, bilaterale Handelsbilanzsalden zu betrachten. Der ZVEI-Experte gab jedoch zu, dass Leistungsbilanzen auf lange Sicht ausgeglichen sein sollten.

Kritik an der permanenten Erreichbarkeit

Als zweite Sprecherin des Tages gab Dr. Consuela Utsch, Geschäftsführerin der Beratungsfirma Acuroc und Expertin für Personalmanagement, ihre Visitenkarte ab. In ihrem Vortrag zur „unterschätzten Ressource Mitarbeiterideen“ skizzierte sie zunächst die Herausforderung, die die digitale Transformation an die Unternehmen stellt. Sie forderte mehr Bereitschaft zu lebenslangem Lernen, ein besseres Klima für Innovationen und Entwicklungen, das auch Spielraum für Fehler und Misserfolge zulasse, sowie Offenheit für Einflüsse von außen.

Utsch sprach sich dabei gegen die permanente Erreichbarkeit der Mitarbeiter aus. Diese sorge dafür, dass Mitarbeiter permanent gestört würden. Laut einer Studie von Cornelius König, Professor für Arbeits- und Organisationspsychologie an der Universität des Saarlandes, wird jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter pro Tag im Schnitt 27 Mal ungeplant gestört. Dadurch leide die Qualität der Arbeit und die Innovationskraft: MItarbeiter, die mit ihrem Tagesgeschäft, Projektarbeiten und sonstigen Aufgaben bereits überbelastet seien, können demnach nicht innovativ sein.

Utsch wies darauf hin, dass der menschliche Geist nach einer ungeplanten Störung etwa 15 Minuten benötigt, um mit derselben Konzentration an derselben Aufgabe weiter zu arbeiten. Bei einer zweiten Störung neige die Mitarbeiterin oder der Mitarbeiter dann dazu, die Aufgabe zur Seite zu legen.

Die Beraterin rät den Unternehmen deshalb, rollenbasiertes Arbeiten einzuführen. Verantwortlichkeiten und Aktivitäten sollten klar definiert sein und einen sicheren Handlungsrahmen vorgeben. Die Kolleginnen und Kollegen könnten so unterbrechungs- und stressfreier arbeiten und die Qualität ihrer Tätigkeit steigern.

(ID:44761976)

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung