Exit-Strategie

Manager auf dem Weg in den Ruhestand, der wahrscheinlich nie kommt

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Silver Patchwork-Life

... das sind – weniger spezifisch ausgedrückt – „Silberjahre“, ein Lebensabschnitt, der, richtig angefasst, ein Gewinn sein kann. Die Silberjahre sind ein wesentlicher Teil der „gewonnenen Jahre“ des Alters insgesamt, von denen die Akademiegruppe Altern spricht .

Silberjahre und Silver Patchwork-Life sind keine geschlossenen Konzepte. Sie bilden das Dach für viele verschiedene Lebensentwürfe. Am Dachfirst steht als gemeinsames Credo: „Arbeit, bezahlt und unbezahlt, bleibt ein Teil meines Lebens. Mein Ruhestand kommt später. Ich kann noch etwas bewirken.“

Menschen wollen im Alter eine zweite Karriere, die sich von der ersten unterscheidet. Sie wollen keine bloße Fortschreibung ihres Berufslebens.

Der scharfe Paradigmenwechsel der Politik, ein Umsteuern in voller Fahrt, aufgenommen und verstärkt von den Medien, unterstützt die Akzeptanz dieses Lebensmodells. Arbeitsfreude steht nicht länger auf dem Index politischer Korrektheit. Eben noch war die Frühverrentung ein solidarischer Akt der Alten mit den Jungen und der goldene Handschlag ein solidarischer Pakt der Jungen mit den Alten. Nun, Rente mit 67, Staatsrente seit Riester gar nicht mehr sicher, jedenfalls sicher nicht hoch genug, wird heftig umgesteuert. Das hohe Lied von Diversity ist besser wird allenthalben angestimmt, der Chor der Alten verstärkt um MultiKulti mit weiblichem Einschlag intoniert unter Leitung der eisernen Ursula. So macht man ratzfatz mit etwas flinker Argumentation aus den Herausforderungen des demografischen Wandels geradezu einen Wettbewerbsvorteil gegenüber den jungen Nationen, die mit so viel Weisheit und Erfahrung nicht aufwarten können.

Auch innerhalb der Manager gibt es solche, die Zeit ihres Lebens, beginnend mit Schüler- und Studentenzeiten, zu den Engagierten ihrer Alterskohorte gehören. Sie tun sich in der zweiten Karriere nicht schwer. Ihnen stehen häufig beide Möglichkeiten, bezahlte und unbezahlte, offen und sie haben bei gesicherten Einkommensverhältnissen das Privileg, sich ihren Mix wählen zu können. Wer aber beruflich seine Zweitkarriere nicht vorbereitet hat und nun auf den Anruf wenigstens ins unbezahlte attraktive Arbeitsfeld wartet, dürfte in den allermeisten Fällen enttäuscht werden. Die Karrieren folgen dem gleichen Muster, aber auf getrennten Bahnen. Wer sich nicht während seiner ersten Karriere kenntlich gemacht hat, der wird beim Aufbau der zweiten feststellen, dass er sich in den ehrenamtlichen Sektor neu hereinarbeiten und bewähren muss. Die Wenigsten sind in der Lage und willens, die Karrierenentwicklung durch eigenes Geld (Stiftung, Gründung NGO oder Start Social Business) voran zu bringen.

Eigentlich sind es drei Karrieren

„Man sagt zwar: Der hat eine gute Karriere gemacht. ‘ Dann ist aber nur die Berufskarriere gemeint. Meines Erachtens gehören auch eine Lebens- und eine Privatkarriere dazu. Ich glaube, das ist ganz wichtig, dass man das nicht aus dem Auge verliert. Man braucht auch eine andere Karriere, und diese andere Karriere ist länger als die Berufskarriere. Die hört ja irgendwann mit 56, mit 63 oder mit 65 auf.“ (Ein Banker))

Wer im privaten Sektor das Wort „Karriere“ vermeiden will, kann das tun. Das schließt nicht aus, dass es auch in diesem Lebenssektor der Aufmerksamkeit, Zeit, Fantasie und Tatkraft bedarf. Klar ist: Wer meint, konsekutiv verfahren zu können, also erst die erste Karriere, dann die zweite Karriere, dann das Privatleben in den Fokus zu nehmen, macht, so meinen erfahrenen Gesprächspartner, es falsch. Es geht nur nebeneinander. Also frühzeitig anfangen. Spätestens, wenn die Karriere und das Privatleben kriseln, ist es Zeit, die Lebensprioritäten zu sortieren, lautet der Ratschlag.

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