Exit-Strategie

Manager auf dem Weg in den Ruhestand, der wahrscheinlich nie kommt

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Eine verwöhnte Generation auf Liebesentzug

Es gibt, postuliert der Essayist Alain den Botton , zwei Quellen, aus dem der Mensch schöpft, was ihn im Leben und in der Liebe hält und labt: die Partner- und die Welt-Liebe. Letztere findet, je mehr Lebenszeit und Lebenskonzentration in diesen Sektor fällt, im Arbeitsleben statt. So werden Statusmerkmale für de Botton zu Liebesbezeugungen, der Wegfall mit dem Ausscheiden aus dem Job , bei Pensionierung unwiderbringlich, bildet dann einen Kern der Übergangsschwierigkeiten, von de Botton auf den Begriff „Statusangst“ gebracht. Manager, in der Regel bis zur Selbstausbeutung mit ihrer Arbeit im Einklang –sie halten sich für Unternehmer und merken spätestens beim oft abrupten vorzeitigen und ungewollten Ausscheiden, dass sie es nicht sind- tun sich folglich beim Übergang besonders schwer.

Als Angehöriger der 68er Generation erlebten sie ihr Arbeitsleben als von Anfang an erfolgreich, rundum abgesichert, bruchlos und verwöhnend. Und dann kommt, zumeist ohne Vorwarnung weil ohne Vorbereitung, eine heftige Rüttelstrecke, Länge und Ziel unbekannt. Das ist etwas Neues. Vorbilder sind selten. Die vorherigen Erfahrungen lassen sich nicht übertragen. Im Gegenteil, jedenfalls nicht selten: Sie haben verwundbar gemacht.

Es gibt drei Fallen im Arbeitsleben, in die hineinzufallen jedem einfacher ist als es nicht zu tun. Diese Fallen stehen nicht nur Führungsleuten sperrangelweit offen, sondern jedermann. Aber Führungsleute, egal ob sie aus der Wirtschaft aus Politik oder Administration kommen, sind besonders gefährdet.

Falle 1: Verwechselung von Position und Person: „Ich bin in meinem Berufssektor wichtig. Ich habe es geschafft. Dafür habe ich mich aber auch gerührt im Leben.“ Wer glaubt, dass hier die Gefahrenausmalung arg ausgeleuchtet wird, lese sich die Beschreibung durch, wie ein Ex-Führungsmanager aus der zweiten oder dritten Reihe eines Großunternehmens, der anonym bleiben will, reflektiert: „Wenn du auf einem hohen Managementlevel bist, da rollen sie alle einen roten Teppich aus und sagen, du bist der Größte. Die Gefahr ist riesengroß, dass du abhebst. Das heißt, du musst eigentlich dreimal täglich eine Gewissenserforschung machen und fragen: ‚Bin ich schon abgehoben oder noch ein normaler Mensch? ‘“.

Wer ehrlich mit sich umgeht, wird zugeben, dass auch er vor der verführerischen Idee, diese Aufmerksamkeit eines Mitarbeiters, jene nette Floskel eines Lieferanten etc. gelte ganz persönlich ihm als Person und nicht etwa ihm in seiner beruflichen Position, erlegen ist.

Falle 2: Zu eng angelegte Berufsausübung. „Der Beruf fordert meine ganze Kraft, nur nicht nach links und rechts gucken. Was soll ich denn sonst noch alles tun?“ Gesprächspartner berichten, was sie während des Berufslebens alles ausschlugen, weil es von der Hauptsache vermeintlich ablenkte: Beirats- und Beratertätigkeiten in anderen Branchen, Vortragsaufforderungen, Lehraufträge, Publikationsmöglichkeiten, Ehrenämter in und außerhalb der Branche. Durchgänge Feststellung in der Retrospektive: Ein Fehler. Ein Banker, der gezwungen war, seinen geliebten Beruf vorzeitig aufzugeben, kann dies besonders eindrücklich beschreiben: „Das gibt es in allen Berufen, wo Leute am Ende dann in ein großes Loch fallen. Ich glaube nicht, dass das ohne abgeht. Jeder identifiziert sich immer ein Stück weit mit dem, was er tut.

Und irgendwann formt das Berufsbild die eigene Persönlichkeit. Vielleicht nicht gleich zu Anfang, wo man noch ganz weitwinkelig denkt. Dann verengt sich das Verhalten durch den Beruf doch immer mehr auf einen bestimmten berufstypischen Fokus, den man vor Augen hat. Obwohl man meint, davon frei zu sein, ist dies sicher schon lange nicht mehr der Fall.“ Man sagt, Selbsterkenntnis sei der erste Weg zur Besserung. Sagen wir lieber: zur Veränderung. Es geht um den Wechsel in ein anderes Rollenfach.

Falle 3: Zweimal zu weit weg von der Basis: „Technik verstehen meine Mitarbeiter. Ich muss nun wirklich nicht wissen, wie das im Einzelnen funktioniert. Warum soll ich mich in meiner Position auch noch mit dem unterhalten?“ Wer seinen Computer versteht und sich daran freut, dass ihn ehemals junge Leute in heute einflussreichen Positionen freundlich begrüßen, findet, er habe seine Zeit damals gut investiert. Oft, ohne die positiven Folgen zu ahnen.

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