Exit-Strategie

Manager auf dem Weg in den Ruhestand, der wahrscheinlich nie kommt

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Der Trend zur zweiten Karriere

Der Befund ist: Die Generation der 68er, die in diesen Jahren aus ihrer letzten Vollbeschäftigung ausscheidet, strukturiert ihr Leben anders als ihre Vorgängergenerationen. Daraus wird sich ein Trend entwickeln, der jetzt erst in den Umrissen sichtbar wird, der Trend zur zweiten Karriere. Sie ist keine bloße Fortsetzung der ersten. Ich spreche von Silver Patchwork-Life.

Mit „Patchwork“ lässt sich Erwerbsarbeit aus verschiedenen Bestandteilen, zum Beispiel Teilzeitarbeit plus Selbständigkeit plus Engagement-Arbeit bezeichnen. Ein „Patchwork-Life“ ist ein Leben rund um verschiedene Bestandteile von Arbeit und Leben, die zu einem individuell passenden Ganzen zusammengesetzt werden. Das „Silver Patchwork-Life“ ist eine Form davon, die nach der letzten Festanstellung beginnt. Patchwork-Life steht für eine bewusst herbeigeführte Balance zwischen Arbeit und allen anderen Lebensbestandteilen und ist somit zu unterscheiden von unfreiwilligen und in aller Regel als unerfreulich empfundenen, weil ungesicherten Arbeitsformen.

Gleiches oder mindestens stark Ähnliches wird unterschiedlich interpretiert. Die neue Realität des Silver Patchwork-Life, bei dem die Arbeit bezahlt, teilbezahlt und unbezahlt sein kann, wichtig sind Sinn und Wirksamkeit des eigenen Tuns, hat die alte nicht vollständig abgelöst. Realität, insbesondere kollektive, verändert sich nicht in harten Schnitten, sondern langsam. Neue Realität formt schrittweise ihr Profil. Silver Patchwork-Life wäre als Lebensabschnittskonzept schon viel deutlicher hervorgetreten, gäbe es nicht gruppen- und generationsspezifische Merkmale, die sowohl der Profilierung in der Bezahlarbeit (zumeist als Selbständiger) als auch in der Engagement-Arbeit entgegenstehen . Die Generation hätte gern mehr Optionen für bezahlte und unbezahlte Arbeit, fühlt sich aber nicht stark und informiert genug, um sich diese zu besorgen.

Der Blick auf die 68er Generation liefert durchaus widersprüchliche Befunde. Das Selbstbewusstsein der Generation ist durch Politisierung und Individualisierung ausgeprägt. Gleichzeitig kommen viele aus dieser Generation mit ihrem Ausscheiden aus der gewohnten beruflichen Erfolgshöhe nicht selten erstmals in ihrem Leben in eine Selbstverständniskrise. Hier treten – Stichwort „Status“ – spezifische Gruppenmerkmale hervor, besonders deutlich bei männlichen Führungsmanagern. Niemand ist davor gefeit. Er möchte ankommen, weiß aber nicht, wo und wie. Der Weg zurück in die alte Herrlichkeit ist verstellt

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