Was für Hersteller von Rechenzentren ein „Engpass“ ist, ist für Zulieferer eine Goldgrube. Die Listen für neu gemünzte Millionäre und Milliardäre in Asien wachsen gerade schnell. Neu darauf sind Gründer von Firmen wie Envicool in Shenzhen, die für die Kühlung von KI-Chips sorgen.
Illustration: Bei der Direct-to-Chip-Kühlung nimmt eine Kühlplatte die Wärme direkt am Prozessor auf. Bei der Immersionskühlung werden die elektronischen Komponenten dagegen vollständig in eine elektrisch isolierende Kühlflüssigkeit eingetaucht.
(Bild: Dall-E / KI-generiert)
Ein einzelner Blackwell-B200-Prozessor von Nvidia nimmt mehr als 1.000 Watt auf, schrieb die Hongkonger Zeitung South China Morning Post im Februar 2026. Dutzende davon, dicht gepackt in einem einzelnen Server-Rack, erzeugen sehr viel Abwärme. Luftkühlung stößt da schnell an ihre Grenzen.
Auf der „Data Centre World Asia“ vom 29. bis 30. September in Singapur waren die wichtigsten Hersteller von Kühlungen für KI-Rechenzentren mit ihren neuesten Produkten vertreten. Wer zu den Aufsteigern der Branche gehört und welche technischen Trends beim Kühlen gerade heißlaufen, war da gut zu beobachten.
Chinesische Kühlungsspezialisten wie Envicool, Midea, Shenling, Sugon Data Energy und Goaland waren ebenso in das Marina Bay Sands Hotel gekommen wie Branchenzulieferer, darunter etwa Sanhua, Kehua Data und Lansi Technology. Von ihren internationalen Wettbewerbern waren Vertiv und Delta Electronics vor Ort. Potenziellen Kunden waren sowohl chinesische Technologiekonzerne wie Alibaba und Tencent als auch Google, Intel und Nvidia.
Ohne Kühlung geht's nicht
Die US-Regierung in Washington mag einen Chip- und Technologiekrieg gegen China führen, um dessen wirtschaftlichen Aufstieg zu erschweren, aber amerikanische Hyperscaler kommen beim Bau ihrer Rechenzentren nicht ohne chinesische Zulieferer aus. Beim Thema Kühlung wird dies besonders deutlich.
Envicool, ein chinesischer Spezialist für Präzisionskühlung und Temperaturmanagement aus Shenzhen, der Kühlsysteme für Rechenzentren liefert, begrüßte Medienberichten zufolge in seiner Firmenzentrale dieses Jahr auch schon eine Delegation von Google aus Taiwan. Keine der beiden Firmen wollte sich anschließend öffentlich über das Treffen äußern.
Die zwei wichtigsten technologischen Routen, die Chinas Kühlexperten momentan verfolgen, sind die „Direct-to-Chip“-Kühlung und die Immersionskühlung. Envicool, dessen Aktienpreis im vergangenen Jahr um 255 Prozent stieg, bevor er dieses Jahr zeitweise wieder leicht fiel, konzentriert sich auf die am weitesten verbreitete Direct-to-Chip-Kühlung. Der Aufsteiger aus Shenzhen zeigte „Cooling Distribution Units“ (CDUs) seiner neuesten Generation. Für diese kritische Komponente von Kühlsystemen, mit der die Verteilung der Kühlflüssigkeit auf bestimmte Server-Racks kontrolliert werden kann, soll Envicool bereits eine Version mit den Spezifikationen für die Server von Google gebaut haben, hatte die Nachrichtenagentur Reuters Anfang dieses Jahres berichtet.
Envicool baut Produktionsstätten in der südchinesischen Provinz Guangdong, in Thailand und in den USA aus. Der chinesische Hersteller wird damit zu einem starken Konkurrenten von taiwanesischen Firmen wie Foxconn, Auras und Delta Asia in diesem Markt.
Kühlung von Beginn an mitgedacht
Midea Building Technologies, eine Sparte des chinesischen Midea-Konzerns, stellte in Singapur eine Architektur vor, die Stromversorgung, Energiespeicher und Kühlung schon bei der Planung eines Rechenzentrums zusammenführt. Das Angebot von Midea reicht von einzelnen Komponenten bis zu kompletten Anlagen, die mehrere Aufgaben der Kühlung übernehmen.
Besonders viele Innovationen fallen in den Bereich der Infrastruktur von Kühlsystemen, etwa der Kühlplatte am Chip, die das Kühlmittel bereitstellt und verteilt. Hier zeigte Midea in Singapur seine „Magnetic CDU“, mit der Kühlmittel in den Kühlplatten für Chips angeblich besonders effektiv zugeteilt werden können. Bei dieser Lösung werden eine Kältequelle mit Magnetlagertechnik und die Flüssigkeitsverteilung in einer Einheit kombiniert. Gegenüber einem getrennten Kaltwassersatz und einer passiven CDU spare das bis zu 70 Prozent Aufstellfläche, verspricht der Hersteller. Für Planer von Rechenzentren ist das eine konkrete Möglichkeit, den Platzbedarf der Kühltechnik zu verringern.
Aus dem südchinesischen Shenzhen war Sanhua Intelligent Controls mit einem Stand vertreten, ein chinesischer Hersteller von Heizungs-, Klima- und Thermomanagementkomponenten, der gerade verstärkt in das Geschäft mit Flüssigkühlung einsteigt. „Wir bauen unser Geschäft mit flüssiggekühlten Servern aktiv aus und treiben die entsprechenden Partnerschaften weiter voran“, erklärte ein Sprecher von Sanhua Intelligent Controls auf einer Investorenplattform. Insbesondere hob er dabei die Thermomanagementkomponenten für Flüssigkühlung hervor, die seine Firma produziert.
Stand: 08.12.2025
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Der Stromsystemhersteller Kehua Data und der Elektronikfertiger Lansi Technology kündigten in diesem Jahr ebenfalls Ausbaupläne für ihre Fertigung von Kühltechnologie an. Beide sind Beispiele für Zulieferer, die in anderen Branchen groß geworden sind, jetzt aber die Geschäftschance mit Rechenzentren erkannt haben und groß einsteigen. Kehua Data ist ein chinesischer Hersteller von Stromversorgungssystemen und Cloud-Infrastrukturdiensten, der gerade schnell im Bereich der Rechenzentrumskühlung expandiert.
Lansi Technology oder „Lansi Keji“, außerhalb Chinas auch als „Lens Technology“ bekannt, ist der von der Unternehmerin Zhou Qunfei gegründete Hersteller von Präzisionskomponenten für die Unterhaltungselektronik. Als Lens Technology zum Zulieferer von Apple wurde, machte das Zhou Qunfei zur Milliardärin. Unvorstellbar, dass sie sich eine Chance wie die Kühlung von Rechenzentren entgehen lassen könnte.
Das große Rennen zwischen Luft- und Flüssigkühlung scheint weltweit weitgehend entschieden zu sein. Bis 2030 könnte Flüssigkühlung bei 70 Prozent der neuen KI-Rechenzentrumsinstallationen eingesetzt werden, heißt es in einer Prognose der Bank of America vom September dieses Jahres. Zum Zeitpunkt des Berichts seien es rund 30 Prozent gewesen. Für chinesische Zulieferer geht es also gerade um die Entscheidung für die am schnellsten wachsende technologische Route in einem ohnehin schnell wachsenden Markt.
Bei der Direct-to-Chip-Kühlung fließt Kühlmittel durch geschlossene Kreisläufe in Platten an den Prozessoren. Bei der Immersion werden die Serverkomponenten in ein Flüssigkeitsbad getaucht. Welche Technik zum Einsatz kommt, hängt auch davon ab, ob ein bestehendes Rechenzentrum nachgerüstet wird und welche Leistungsdichte es bewältigen muss. Bei Nachrüstungen haben Kühlplatten einen wirtschaftlichen Vorteil. Wegen der technischen Reife und vergleichsweise geringen Umbaukosten dürfte das Verfahren vorerst den größten Anteil am chinesischen Markt behalten, schreibt das chinesische Branchenportal Huajing Qiaobao Wang.
Neben Envicool gehört auch Shenling Environmental Systems aus Foshan zu den aufstrebenden Anbietern von CDUs. Die Anlagen kommen unter anderem bei der Modernisierung von Rechenzentren chinesischer Telekommunikationsbetreiber zum Einsatz. Die Immersionskühlung, das war in Singapur klar zu erkennen, ist hingegen die am schnellsten wachsende Kühltechnik. Sugon Data Energy aus Peking entwickelt dafür komplette Systeme und Komponenten, die bei Supercomputern und KI-Rechenanlagen eingesetzt werden.
Die Bauteile geben ihre Wärme dabei unmittelbar an eine elektrisch isolierende Flüssigkeit ab. Damit lassen sich angeblich leistungsfähige Datenzentren auf besonders geringem Raum kühlen und die Geräuschentwicklung dabei begrenzen. Goaland aus Guangzhou (Gaolon Gufen) hat beide Verfahren im Angebot und baut auch ganze Flüssigkühlsysteme in Containerbauweise. Wie breit sich das Flüssigkeitsbad auf dem Markt durchsetzen kann, hängt auch von den Kosten ab. Mit sinkenden Kosten könne der Marktanteil längerfristig wachsen, erwarten Beobachter in Peking und Shenzhen.
Was den internationalen Wettbewerb unter Kühlungsspezialisten betrifft, profitieren Chinas Anbieter von ihrem großen Heimatmarkt. Viele Rechenzentrumsprojekte ermöglichen höhere Stückzahlen und niedrigere Kosten. Staatliche Effizienzvorgaben für KI-Rechenleistung und lokale Zuschüsse für besonders energiesparende Anlagen stützen die Nachfrage zusätzlich. Die chinesischen Firmen werden so zu immer stärkeren Wettbewerbern der großen Anbieter Vertiv in den USA und Delta Electronics in Taiwan. (sb)