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7 grandios gescheiterte Branchengrößen

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Siemens Mobile/BenQ Mobile: Durch eigene Probleme gehandicapt

Als führender deutscher Elektronikkonzern lag es in der Natur der Dinge, dass Siemens auch zu einem bedeutenden Hersteller von Mobiltelefonen aufstieg. Bereits 1985 kam das erste Mobiltelefon von Siemens mit der Bezeichnung C1 auf den Markt, 1994 folgte mit dem S1 das erste Siemens-Telefon nach dem GSM-Standard.

Vor allem im deutschen Markt war Siemens einer der wichtigsten Hersteller für Mobiltelefone. Auf internationaler Ebene gelang es dem Konzern aber nie, zu Branchengrößen wie Nokia oder Motorola aufzuschließen.

Dabei waren die internationalen Marktführer alles andere als unverwundbar: So kündigte Nokia zur CeBIT 1999 mit dem Modell 7110 das erste internetfähige Handy an, war aber nicht in der Lage, das Gerät zum Weihnachtsgeschäft in größeren Stückzahlen zu liefern. Die Motorola-Modelle jener Zeit zeichneten sich durch eine schauderhafte Benutzerführung aus, doch Siemens konnte daraus kein Kapital schlagen.

Denn die Münchner hatten eigene Probleme: Das Oberklasse-Handy S25 besaß 1999 zwar eines der ersten Farbdisplays und wäre theoretisch WAP-fähig gewesen. Der WAP-Browser für das mobile Internet folgte jedoch dem frühen Standard 1.0, während die Netzbetreiber die WAP-Standards 1.1 beziehungsweise 2.0 verwendeten.

Das Nachfolgemodell S35 besaß diesen Makel zwar nicht mehr, aber inzwischen hatten auch die Konkurrenten WAP-fähige Mobiltelefone am Start.

Siemens war zwar einer der ersten Hersteller, der mit dem C35 ein Mittelklassehandy mit WAP ausrüstete. Aber an der Zielgruppe des Geräts ging dieses Feature größtenteils vorbei, da das mobile Internet im Jahr 2000 noch sehr teuer und sehr langsam war. Zudem sorgten gerade beim Volumenmodell C35 unzuverlässige Akkus für Ärger, so dass sich viele potenzielle Kunden für Nokia entschieden.

Im Jahr 2000 übernahm Siemens die Handysparte von Bosch; die Münchner wurden damit endgültig zum dominierenden deutschen Player und rückten international auf den vierten Platz unter den Herstellern vor. Einige der von Bosch entwickelten Handys wiesen jedoch noch Softwarefehler auf und ließen das Vertrauen gerade bei den anspruchsvollen Kunden schwinden.

Dabei blieb Siemens stets innovativ. Das Oberklasse-Gerät SL45 aus dem Jahr 2001 verfügte über den weltweit ersten Musik-Player in einem Handy. Zudem konnte der Gerätespeicher durch eine Speicherkarte erweitert werden. Die Variante SL45i enthielt sogar eine Java Virtual Machine.

Die SL45-Baureihe war allerdings sehr teuer und hatte zudem mit Softwarefehlern zu kämpfen.

Den größten Flop leistete sich Siemens allerdings mit seinen Modehandys, die ab 2003 unter dem Markennamen Xelibri verkauft wurden. Die Geräte wurden als teure Mode-Accessoires mit zum Teil gruseliger Usability verkauft – viele besaßen nicht einmal ein Tastenfeld – und boten meist nur die Grundfunktionen Sprache und SMS. Das Experiment wurde 2004 eingestellt, auch angesichts schwindender Marktanteile der gesamten Handysparte.

2005 wurde Siemens Mobile an das taiwanische Unternehmen BenQ abgestoßen. Auch unter der neuen Regie konnte das Blatt nicht mehr gewendet werden.

Innerhalb eines Jahres brach der Marktanteil noch einmal deutlich ein, und der taiwanische Mutterkonzern BenQ stellte die Zahlungen ein. 2006 stellte BenQ Mobile, wie der Handyhersteller jetzt hieß, den Insolvenzantrag. Tausende Arbeitsplätze gingen in der Folge verloren.

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