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Sun Microsystems: Pyrrhussieg gegen Microsoft
In den Boomjahren der Internet-Euphorie war die Sun-Aktie eines der heißesten Papiere. Kein Wunder: Der amerikanische IT-Konzern versorgte Großunternehmen, Internetprovider und Telekommunikationskonzerne mit Server-Equipment und dem für besonders hohe Anforderungen ausgelegten Betriebssystem Solaris.

Wie kam es daher, dass sich Sun rund zehn Jahre später ohne große Gegenwehr von Oracle aufkaufen ließ?
Viele Marktkenner bezeichneten Sun als das Pendant zu Apple auf der Server-Seite der IT. Sun setzte nämlich auf die selbst entwickelten SPARC-Chips und das eigene Unix-Derivat Solaris, genauso wie Apple lange an der Power-PC-Plattform festhielt und nach wie vor ein eigenes Desktop-Betriebssystem entwickelt und pflegt.
Darüber hinaus waren Sun-Server nicht einfach nur graue Kästen, sondern waren durchaus geschmackvoll gestaltet und hoben sich mit ihrer violetten Farbe deutlich von der Konkurrenz ab.
Das Problem ist leider – vereinfacht gesagt – , dass es im Serverraum nicht auf geschmackvolle Servergehäuse ankommt, sondern auf das Preis-Leistungs-Verhältnis der Infrastruktur. Und hier setzten sich nach dem Ende des Dotcom-Booms langsam aber stetig die mehr oder weniger austauschbaren Server auf x86-Basis mit Linux- und teilweise Windows-Betriebssystem durch.
Die großen Telekommunikationsanbieter mit Heavy-Duty-Anforderungen blieben Sun, SPARC und Solaris zwar treu, aber für viele mittelständische Betriebe tat es auch die Kombination aus x86 und Linux.
Sun reagierte zwar auf den Trend und bot x86-Server an und unterstützte Linux, konnte in diesem Feld jedoch keine nachhaltigen Akzente setzen.
Zudem gelang es der kalifornischen Company praktisch nie, aus der Java-Plattform – immerhin der bis heute am weitesten verbreiteten Programmiersprache der Welt – Kapital zu schlagen. Wie auch: Jeder Entwickler, der mit Java arbeiten will, kann sich die notwendigen Tools gratis herunterladen.
Geld konnte Sun im Wesentlichen nur für die Kompatibilitätstests verlangen, mit denen die Übereinstimmung virtueller Java-Maschinen mit dem Java-Standard geprüft und zertifiziert wurde.
Sun war zudem lange Jahre vor Gericht in Kämpfe gegen Microsoft verstrickt. 2004 wurden die Auseinandersetzungen endlich gegen eine Zahlung von knapp zwei Milliarden Dollar von Microsoft an Sun beigelegt.
Seltsamerweise hatte man hinterher das Gefühl, dass Sun in diesem Prozess mehr Kraft gelassen hatte als Microsoft. Denn Sun ging es in diesen Konflikten immer auch um das Prinzip und nicht ausschließlich um das Geld.
Kurz danach trat Unternehmensgründer Scott McNealy als CEO zurück; den Haudegen alter Schule löste der smarte Jonathan Schwartz ab, der dem Unternehmen aber insgesamt keine neue Richtung geben konnte.
Ironie der Geschichte: Schließlich wurde das Powerhaus, das viele technische Entwicklungen auf den Weg gebracht hatte, von einem Unternehmen gekauft, das sich viel besser darauf versteht, Software zu versilbern und auch für Java endlich Geld sehen will. Was der Prozess von Oracle gegen Google beweist.
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