Anbieter zum Thema
Commodore: Brotkästen und Traummaschinen
Viele gestandene Softwareentwickler und Ingenieure bekommen feuchte Augen, wenn sie von ihrem ersten Computer erzählen. In vielen Fällen war das ein Commodore 64. In den achtziger Jahren galt der liebevoll "Brotkasten" genannte Rechner als der Home-Computer schlechthin.
Die Geschichte von Commodore beginnt mit Jack Tramiel. Der im polnischen Lodz geborene Jude Idek Tramielski überlebte den Holocaust und wanderte nach Kriegsende in nach Amerika aus, wo er sich in Jack Tramiel umbenannte.
Nach seiner Dienstzeit bei der US-Armee gründete er ein Geschäft für die Instandsetzung von Schreibmaschinen, das er Commodore Portable Typewriter nannte. Der Firmenname Commodore war von einem militärischen Dienstgrad abgeleitet und erklärt sich aus Tramiels Respekt für das US-Militär. Mitte der fünfziger Jahre begann Tramiel, Schreibmaschinen aus der Tschechoslowakei zu importieren.
Als Schreibmaschinen aus Japan in den sechziger Jahren den US-Markt überschwemmten, sattelte Tramiel auf mechanische Rechenmaschinen um. Als auch hier die Konkurrenz zu groß wurde, setzte Commodore auf Taschenrechner und schließlich auf Computer.
Angeblich war Tramiel sogar daran interessiert, die junge Computerfirma Apple aufzukaufen. Der Deal soll lediglich daran gescheitert sein, dass der Commodore-Gründer versuchte, den Kaufpreis zu weit zu drücken.
Um von fremden Chip-Lieferanten unabhängig zu sein, kaufte Commodore 1976 MOS Technology, ein eigenes Halbleiterwerk, das damals auch Apple mit Prozessoren belieferte.
Ende der siebziger Jahre entwickelte MOS einen Videochip namens VIC für Spielkonsolen und Computerterminals, der aber keine Abnehmer fand. Darüber hinaus hatte sich ein gewaltiger Vorrat an Speicherchips angesammelt.
Tramiel machte aus der Not eine Tugend und befahl die Entwicklung eines Heimcomputers, der 1981 erschien und unter dem Namen VIC-20 (in Deutschland VC 20) bekannt wurde.
Kurz darauf wurde sein großer Bruder, der C64, vorgestellt, der alle Rekorde brechen und zum meistverkauften Home-Computer der Geschichte werden sollte.
Firmengründer Tramiel überwarf sich allerdings 1984 mit dem kanadischen Großaktionär und Aufsichtsratsvorsitzenden Irving Gould und verließ das Unternehmen.
Der Erfolg des C64 blieb Commodore einstweilen treu, stellte die Firma jedoch vor ein riesiges Problem: Ein Nachfolger war nicht in Sicht, der Branchentrend ging zur 16-Bit-Technik, und Commodore hatte hier nichts zu bieten.
(ID:29501090)