Consumer Electronic

7 grandios gescheiterte Branchengrößen

Seite: 3/8

Anbieter zum Thema

Grundig: Von der eiskalten Witwe im Stich gelassen

Grundig galt als ein Symbol des westdeutschen Wirtschaftswunders der fünfziger Jahre. Der Fürther Unternehmensgründer Max Grundig erkannte den Radio-Boom nach dem Zweiten Weltkrieg und brachte 1947 einen Radiobausatz mit dem schönen Namen "Heinzelmann" auf den Markt. In den fünfziger Jahren avancierte das Unternehmen zum größten Hersteller für Radiogeräte in Europa.

Grundig war auch entscheidend daran beteiligt, dass das Fernsehen im Nachkriegsdeutschland ins Rollen kam: Auf dem Firmengelände befand sich ein Werkssender, der ab 1951 das erste regelmäßige TV-Programm in Deutschland ausstrahlte. Im selben Jahr stieg das Unternehmen auch in die Produktion von Fernsehgeräten ein.

Auf dem Höhepunkt des Erfolges beschäftigte das Unternehmen 40.000 Mitarbeiter.

Wie bei vielen deutschen Unternehmen der Unterhaltungselektronik machte auch Grundig die Konkurrenz aus Fernost ab den siebziger Jahren schwer zu schaffen. 1980 kam es erstmals zu einem Umsatzeinbruch.

Gleichzeitig nahm die Abhängigkeit vom niederländischen Elektrokonzern Philips immer mehr zu. Philips hatte seinen Einfluss immer weiter gesteigert, 1984 folgte die Übernahme durch die Niederländer.

Der Unternehmensgründer Max Grundig starb im Jahr 1989, seine wohlversorgte dritte Ehefrau Chantal nahm aber am Schicksal der Firma keinen Anteil. Da sie trotz der zunehmend schwierigen Lage des Traditionsbetriebs nicht investierte, machte bald das böse Wort von der "eiskalten Witwe" die Runde.

1998 verlor auch Philips angesichts der negativen Geschäftsentwicklung das Interesse und verkaufte Grundig an ein bayerisches Konsortium unter Führung von Anton Kathrein. Aber auch diese Konstellation bewirkte keine Wende: 2003 musste die Grundig AG schließlich die Zahlungsunfähigkeit erklären.

Zwei Nachfolgeunternehmen führen den traditionsreichen Namen weiter: Zum einen die Grundig Business Systems mit Sitz in Bayreuth, die sich auf Diktiersysteme spezialisiert hat, und zum anderen die Grundig Intermedia. Sie ist nach wie vor im Bereich der Unterhaltungselektronik und der Hausgeräte tätig und fertigt primär in der Türkei.

(ID:29501090)