Consumer Electronic

7 grandios gescheiterte Branchengrößen

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Schneider: Der Radiohersteller, der Computer vertrieb

Die späteren Schneider-Rundfunkwerke entstanden bereits 1889 in Türkheim im Unterallgäu. Das von Felix Schneider gegründete Unternehmen stellte jedoch zuerst vor allem Maschinen zur Holzbearbeitung her.

Erst in den sechziger Jahren fand die Firma den Weg in die Elektronikindustrie, indem sie zunächst die Gehäuse für die damals populären schweren Radios und Musiktruhen fertigte.

In den siebziger und achtziger Jahren war Schneider ein bekannter Hersteller von Unterhaltungselektronik, hauptsächlich im Audiobereich. Die Firma konzentrierte sich jedoch nicht wie andere deutsche Hersteller auf das hochpreisige Highend-Segment, sondern eher auf preiswerte Produkte, die unter anderem über Versandhauskataloge vertrieben wurden.

1984 begann Schneider damit, die Heimcomputer des englischen Herstellers Amstrad in Mitteleuropa zu vertreiben. Aufgrund des für die damalige Zeit sehr mächtigen BASIC-Dialekts und der guten Grafikfähigkeiten waren die Schneider-CPCs (das Kürzel steht für Colour Personal Computer) insbesondere für Anwender interessant, die selbst programmieren wollten. Auch in Schulen fanden sie weite Verbreitung.

Spätere Versionen der CPC-Modellreihe verfügten über ein eingebautes Diskettenlaufwerk, allerdings im ungewöhnlichen und seltenen 3-Zoll-Format. Da sie neben dem Amstrad-OS das Betriebssystem CP/M nutzen konnten, stand ihnen eine umfangreiche Bibliothek an Standardsoftware zur Verfügung.

Die Kooperation mit Amstrad endete allerdings schon vier Jahre später. Schneider brachte 1988 mit dem Euro-PC einen selbst entwickelten IBM-kompatiblen Rechner auf den Markt, der komplett in einem Tastaturgehäuse untergebracht war. Etwas später folgte der Euro-AT, der mit dem 80286 einen vollwertigen 16-Bit-Prozessor sowie verbesserte Grafikfähigkeiten besaß. Mit diesem Rechner war aber schon das vorläufige Ende der Schneider-Computeraktivitäten erreicht.

Eine zukunftsträchtige Technologie namens Laser-TV für die Projektion von Fernsehbildern wurde in Zusammenarbeit mit Jenoptik entwickelt, konnte sich aber nicht durchsetzen.

Auf dem Höhepunkt des Internetbooms zur Jahrtausendwende kehrte Schneider noch einmal ins Computersegment zurück und versuchte mit der Surfstation eine Set-Top-Box zu etablieren, mit der man am Fernseher im Internet surfen konnte. Die schnurlose Tastatur des Geräts war zwar bemerkenswert, das Gerät benötigte aber eine Kabelverbindung mit der Telefonsteckdose, was für viele Haushalte problematisch war. Zudem waren die allermeisten Fernseher nicht für die Darstellung textorientierter Internetseiten geeignet.

2002 stellte Schneider einen Insolvenzantrag, der chinesische Konzern TCL übernahm Markenrechte, Produktionsanlagen und Warenbestände. 2005 wurde die Fabrikation endgültig eingestellt.

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