Consumer Electronic

7 grandios gescheiterte Branchengrößen

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Der Amiga bringt die Wende – und leitet das Ende ein

Commodore kaufte daher die kleine Firma Amiga Corporation, die sich eigentlich das Design einer Spielkonsole zum Ziel gesetzt hatte. Nach dem Zusammenbruch des Videospielemarktes im Jahr 1983 und dem Kauf durch Commodore fokussierte man sich jedoch darauf, einen Personal Computer zu entwickeln.

Die Frucht dieser Bemühungen war der Amiga. Er wurde 1985 vorgestellt und avancierte aufgrund seiner Grafikfähigkeiten zum absoluten Traumgerät der Computerfans. Ähnlich wie der Apple Macintosh verfügte der Amiga über eine Motorola-CPU vom Typ 68000. Die Tochter-Chips für die Grafik- und Soundausgabe stammten jedoch von der Commodore-Halbleiterschmiede.

Der Ur-Amiga mit der Modellnummer 1000 war bei einem Kaufpreis von rund 1500 Dollar allerdings nicht für jedermann erschwinglich. Erst der Amiga 500, der 1987 auf den Markt kam, konnte hinsichtlich der Popularität das Erbe des C64 antreten.

Commodore erlebte mit dem Amiga eine zweite Blütezeit, allerdings war der Erfolg nicht so durchschlagend wie beim berühmten "Brotkasten". Denn die Beliebtheit des Amiga 500 als Home-Computer und Spielerechner führte dazu, dass man die teureren Versionen als Büro-Computer nicht ernst nahm.

Dazu kam ein weiterer Trend: Ende der achtziger Jahre setzten sich in den USA die IBM-kompatiblen Rechner auch als Heimcomputer durch, da viele Amerikaner dazu tendierten, sich Arbeit ins Home Office mitzunehmen.

Zudem verzettelte sich Commodore im Marketing. Spätere Modelle des Amiga waren zu den früheren Baureihen nicht mehr hundertprozentig kompatibel. Neue sogenannte "Super-Amigas" wurden angekündigt, verspäteten sich aber. Das führte dazu, dass die Verkaufszahlen der damals aktuellen Modelle in den Keller fielen.

Als die versprochenen neuen Modelle (der Amiga 1200 und der 4000) dann kamen, hatten sich viele Interessenten schon anderweitig eingedeckt, hauptsächlich mit IBM-kompatiblen Rechnern.

Mit wachsender Verzweiflung versuchte Commodore einen Schwenk in Richtung Unterhaltungselektronik zu machen Die vom Amiga abgeleitete Multimediakonsole CDTV floppte ebenso wie das Nachfolgemodell CD32, das auf den Spielemarkt gezielt hatte.

Das Problem dieser Geräte lag darin, dass sie keinen erkennbaren Mehrwert gegenüber einen Amiga-Computer mit CD-ROM-Laufwerk boten.

Im Mai 1994 musste Commodore schließlich Insolvenz anmelden. Die Markenrechte und das geistige Eigentum kaufte der deutsche PC-Filialist Escom. Der war jedoch zwei Jahre später seinerseits am Ende.

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