Mehr Investment in die USA Trump kündigt (erneut) 100% Zölle auf Halbleiter an

Von Sebastian Gerstl 5 min Lesedauer

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Seit dem 6.August 20225 gelten in den USA 15% Zollgebühren auf Waren aus der EU. Doch US-Präsident Trump holt bereits zum nächsten Rundumschlag aus: Er möchte 100% Zollgebühren auf sämtliche Halbleiterprodukte – es sei denn, Unternehmen produzieren sie in den USA.

Donald Trump und Apple-CEO Tim Cook während eines Besuchs des US-Präsidenten in der Apple-Produktionsstätte Flextronics International LTD-Austin Product Introduction Center während Trumps erster Amtszeit im November 2019. Bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus, auf der Apple versprach, 100 Mrd. US-Dollar in seine US-Fertigungsstätten investieren zu wollen, holte der US-Präsident vergangenen Mittwoch ein aktuelles Lieblingsthema aus der Tasche: 100% Zölle auf alle Halbleiter. Dies steht im Widerspruch zu bereits getroffenen Vereinbarungen wie etwa mit Südkorea oder der EU... (Bild:   / CC0)
Donald Trump und Apple-CEO Tim Cook während eines Besuchs des US-Präsidenten in der Apple-Produktionsstätte Flextronics International LTD-Austin Product Introduction Center während Trumps erster Amtszeit im November 2019. Bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus, auf der Apple versprach, 100 Mrd. US-Dollar in seine US-Fertigungsstätten investieren zu wollen, holte der US-Präsident vergangenen Mittwoch ein aktuelles Lieblingsthema aus der Tasche: 100% Zölle auf alle Halbleiter. Dies steht im Widerspruch zu bereits getroffenen Vereinbarungen wie etwa mit Südkorea oder der EU...
(Bild: / CC0)

Zoll, Zoll und nochmals Zoll - US-Präsident Donald Trump behauptet regelmäßig stolz, dass das Wort (zu englisch „tariff") eines seiner Lieblingswörter im Lexikon sei. Er sieht Zollgebühren als ultimative Waffe im Wirtschaftskampf gegen den Rest der Welt. Auf die Chip-Industrie hat er es dabei besonders abgesehen: Schon zu Jahresbeginn hatte Trump öffentlich geäußert, Halbleiter mit Zöllen von bis zu 100% belegen zu wollen. Das Ziel dahinter: Die einheimische Industrie anzukurbeln, die Abhängigkeit aus dem Ausland zu verringern und Unternehmen aus Asien oder der EU dazu zu bringen, in eine Fertigung in den USA zu investieren.

Kaum treten die ersten Zölle in Kraft, sorgt der Präsident wieder für Verwirrung

Als dann im April der Rundumschlag kam, in dem zahlreiche Länder und Wirtschaftsräume - scheinbar willkürlich - mit sogenannten „reziproken Zöllen" belegt wurden, stiftete dies besonders im Halbleitermarkt für Verwirrung und Verunsicherung. Erst hieß es, Halbleiterprodukte seien von den Zollgebühren ausgenommen. Dann veröffentlichte das Handelsministerium eine Zoll-Liste, aus der hervorging, dass dies nur auf einen geringen Teil von Halbleiterprodukten überhaupt zutreffe – und vor allem Fertigungsanlagen doch nicht ausgenommen seien. Nach einigen Wochen chaotischem Hin-und-Her-Gezerre war es dann um das Thema Halbleiter erstaunlich ruhig geworden. Statt dessen wurde erst einmal mit vielen Ländern verhandelt, wie hoch nun die generellen neuen Zölle aus dem jeweiligen Ausland sein sollen.

Mit dem EU-Raum wurden 15% vereinbart. Diese sind mittlerweile (Stand 8.8.2025) offiziell in Kraft. Und schon holt Trump wieder sein altes Lieblingsthema aus der Kiste: Die Halbleiterzölle! 100% Zollaufschlag auf alle Unternehmen aus dem Ausland sollen es sein – ja, echt ehrlich, wirklich! Zumindest kündigte das US-Präsident Donald Trump einmal mehr an, diesmal bei Pressekonferenz im Weißen Haus, bei der auch Apple-CEO Tim Cook anwesend war. Eine große, schwerwiegende Ausnahme soll allerdings gelten: Die Zölle sollen nicht auf Unternehmen zutreffen, die in den USA produzieren oder sich dazu verpflichtet haben.

Die „Ausnahmen“ würden den Weltmarkt komplett verzerren

Anlass für Tim Cook's Anwesenheit war eigentlich etwas anderes: Er kündigte an, dass Apple in den nächsten Jahren 100 Milliarden US-Dollar in seine Produktionsstätten in den Vereinigten Staaten stecken werde. Aber es wäre natürlich keine Ankündigung unter der Trump-Administration, die der US-Präsident nicht sogleich für seine eigene Person vereinnahmen würde.

Für Unternehmen wie Apple, die sich verpflichtet haben, in den Vereinigten Staaten zu produzieren, werde es keine Gebühren geben, sagte er Reportern im Oval Office: „There will be no charge“. Zugleich sprach er eine Warnung aus an Unternehmen, die Investitionspläne in den USA angekündigt hatten, dies aber – wie etwa TSMC – von etwaigen Halbleiterzöllen (oder dem Ausbleiben derselben) abhängig machen wollten: „Wenn Sie aus irgendeinem Grund sagen, dass Sie bauen werden, und dann doch nicht bauen, dann werden wir das nachträglich berechnen, es summiert sich, und wir stellen Ihnen die Kosten zu einem späteren Zeitpunkt in Rechnung, Sie müssen zahlen, und das ist eine Garantie“, fügte Trump in seinem üblichen Sprachstil hinzu.

Es klingt mal wieder nach einem Paukenschlag – aber erneut tat Trump nur seine eigene Meinung kund, ohne dass dies zum gegenwärtigen Zeitpunkt eine echte Regierungsentscheidung ist. Eine formelle Ankündigung zum Thema Halbleiterzölle bleibt weiterhin aus, und es bleibt somit unklar wie sich dies auf Unternehmen und Länder weltweit auswirken wird. Es ist, einmal mehr, Öl in ein chaotisch wütendes Feuer.

Dementsprechend lösten Trumps Äußerungen vom Mittwoch einmal mehr eine sofortige Flut von Reaktionen seitens betroffener Länder und Wirtschaftsverbände aus, wie die Nachrichtenagentur Reuters meldet. Der oberste Handelsbeauftragte Südkoreas erklärte am Donnerstag, dass die großen Chiphersteller Samsung Electronics und SK Hynix nicht den 100-prozentigen Zöllen unterliegen werden. Ferner habe Südkorea im Rahmen eines Handelsabkommens zwischen Washington und Seoul bereits fest vereinbart, dass es zwischen den Ländern nur „günstigsten Abgaben für Halbleiter" geben werde.

Auf der anderen Seite sagte der Präsident der philippinischen Halbleiterindustrie, Dan Lachica, Trumps Plan sei „verheerend” für sein Land. Ähnlich äußerte sich sein Pendant aus Malaysia. Beide Nationen haben sich in den letzten Jahren zunehmend als günstiger Standort für die Endfertigung von Halbleitern, vor allem im Bereich Packaging, etabliert.

Der Minister des taiwanesischen Nationalen Entwicklungsrats, Liu Chin-ching, erklärte am Donnerstag gegenüber Reportern, dass taiwanesische Unternehmen US-Fabriken bauen oder US-Firmen mit lokalen Fabriken kaufen sowie mit US-Chipherstellern zusammenarbeiten, um möglichen Chip-Zöllen entgegenzuwirken. Träfen die Aussagen also zu, werde der taiwanesische Chip-Auftragsfertiger TSMC voraussichtlich relativ unbeschadet davonkommen. Schließlich Investiert das Unternehmen derzeit massiv in den Ausbau seiner Chip-Produktionsstätten in Arizona. Damit dürften auch TSMC-Großkunden wie Nvidia oder AMD maximal mit einem blauen Auge davonkommen.

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Es wäre ein Musterbeispiel des Extrem-Kapitalismus: Große Unternehmen, die hohe Milliardenbeträge investieren können, kämen unbeschadet aus der Sache heraus. Kleine Unternehmen könnte dies dagegen komplett ruinieren. „Große, kapitalkräftige Unternehmen, die es sich leisten können, in Amerika zu produzieren, werden am meisten davon profitieren. Es ist das Überleben der Größten“, sagte entsprechend auch Brian Jacobsen, Chefökonom der Investmentberatungsfirma Annex Wealth Management, gegenüber Reuters.

Vage, schwammig, und widersprüchlich – wie gewohnt

Und natürlich herrscht in einer Sache weiterhin Unklarheit: Trifft dies nur auf die einzelnen Halbleiter zu - oder auch auf Endprodukte, in denen diese Halbleiter verbaut wurden? Sicher, Chips von chinesischen Fertigern wie SMIC oder Huawei wären mit ziemlicher Sicherheit nicht ausgenommen. Aber Chips dieser Unternehmen, sind in zahlreichen Geräten oder Komponenten verbaut, die im asiatischen Ausland hergestellt werden. „Wenn diese Zölle ohne einen Komponenten-Zoll erhoben würden, würde das wahrscheinlich keinen großen Unterschied machen“, sagte Martin Chorzempa, Senior Fellow am Peterson Institute for International Economics, gegenüber Reuters-Reportern. Mit anderen Worten: Es wäre viel Lärm um Nichts.

Trump präsentiert sich dagegen weiter überzeugt, dass die Chip-Unternehmen durch einen solchen drastischen Schritt die Produktion in den USA ausbauen. Was, wie viele Wirtschaftsbeobachter schon seit Monaten bekräftigen, die Preise für Elektronik in den USA im Allgemeinen massiv erhöhen würde, werden doch Chips und Endprodukte in Asien produziert. Alles, was unterhalb von 5-Nanometern-Prozessen gefertigt wird, kommt aktuell ausnahmslos aus Taiwan - daran werden auch die neuen TSMC-Anlagen in Arizona nichts ändern. Und dass Intels 18-A-Prozess hieran etwas nachhaltig ändern dürfte, halten Branchenexperten für mehr als fraglich.

Und natürlich bleibt unklar, was mit den Zollvereinbarungen geschehen würde, die bereits mit einzelnen Handelsräumen geschlossen wurde. Schließlich hat die EU sich erst kürzlich mit den USA auf Zollgebühren von 15% geeinigt. Das betrifft auch und insbesondere Produkte wie Autos, medizinische Produkte und Geräte – und Halbleiter! (sg)

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