Am Freitag herrschte im globalen Elektronikmarkt kurzes Aufatmen: Das US-Handelsministerium kündigte an, dass unter anderem Smartphones und Fertigungsanlagen von den verkündeten reziproken Zöllen ausgenommen sein sollen. Am Sonntag lieferte Präsident Trump aber bereits den nächsten Nackenschlag: er wolle noch diese Woche einen Sonderzoll auf Halbleiterimporte verkünden.
Ausnahmen von Ausnahmen und neue Sondererhebungen: Seit Ankündigung der reziproken Zölle der USA vergehen kaum zwei Tage in denen wieder neue Regelungen rückwirkend erfolgen – und kurze Zeit später wieder verworfen werden. Eine planbarer Kurs scheint nicht ersichtlich.
Die US-Regierung scheint sich selbst intern noch immer nicht im Klaren zu sein, wo sie eigentlich genau stehen möchte, wenn es um die von Präsident Donald Trump heiß begehrten Zölle geht - vor allem, wenn es Elektronikprodukte betrifft. Am vergangenen Freitag, dem 11. April 2025, schien es kurzfristig so, als könnte der weltweite Halbleitermarkt noch einmal aufatmen: Die US-Zoll und Grenzschutzbehörde CBP teilte in einer Aktualisierungsmeldung zu den die reziproken Zölle betreffenden Ausnahmen mit, dass 20 weitere im Harmonized Tariff Schedule (HTS) festgeschriebenen Produktkategorien von den neuen Zollregelungen ausgenommen seien. Hatte das zuvor nur für einzelne Halbleiterbausteine wie Transistoren oder Dioden gegolten, sahen die neuen Ausnahmeregelungen schon deutlich vielversprechender aus: Nun sollten auch Produktkategorien wie Speicher, Smartphones, Laptops, Server oder Fertigungsmaschinerie für Halbleiter nicht mehr länger den neuen Einfuhrabgaben unterliegen. Diese Ausnahmen würden explizit rückwirkend zum 5. April gelten.
Zudem wurden die weltweit geltenden reziproken Zölle für 90 Tage ausgesetzt – vorgeblich, um mit den einzelnen betroffenen Regionen neue Bedingungen aushandeln zu können. Einzig und allein für China sollten die Zölle gelten. Mehr noch: für Importe aus China gelten nun insgesamt Zölle von 125 % auf alle Waren – außer denen auf der Ausnahmeliste.
Das Bizarre dabei: Die überwiegende Mehrheit an Produkten, welche die USA aus China beziehen, sind Elektronikprodukte! Einer Erhebung des Observatory of Economic Complexity (OEC) aus dem Jahr 2023 zufolge hatten die USA im Jahr 2023 Elektronik und Elektrische Maschinen in einem Warenwert von 119,1 Mrd. US-Dollar aus China importiert – überwiegend Produkte aus jenen Kategorien, die nun von den Zöllen ausgenommen sein sollten. Auf Rang 2 und 3 der Warengruppen folgen im übrigen „Maschinen, mechanische Geräte & Teile" (89 Mrd. US-Dollar), von denen ebenso einige in den neuen Ausnahmeregelungen enthalten sind, und „Spielzeug, Spielwaren & Sportartikel" (33,1 Mrd US-$). Bei allen Zöllen und Ausnahmen unterstreicht die Reaktion der US-Zoll- und Grenzschutzbehörde CBP nur, wie abhängig hier die Vereinigten Staaten von China bereits sind.
Aufatmen ist nur von kurzer Dauer
Die Aktualisierung war eine direkte Reaktion auf das Chaos, dass die Ankündigung der reziproken Zölle im Elektronikmarkt ausgelöst hatte. Zwar hatte das US-Handelsministerium von Beginn an versichert, dass es für bestimmte Halbleiterprodukte Ausnahmen geben würde. Doch diese bezogen sich überwiegend nur auf einzelne digitale Bauelemente wir Transistoren, Dioden oder einfache Mikrocontroller. Für komplexere Bausteine wie SoCs, High-End-GPUs oder Mikrocontroller mit integrierter Peripherie, aber auch Maschinerie zur Fertigung von Halbleitern oder komplette Systeme wie Smartphones, Laptops und Server sollten aber die Einfuhrzölle voll zutreffen. Vor allem US-Technologiefirmen, allen voran die wertvollsten gelisteten US-Techfirmen wie Apple, Nvidia, Microsoft, Meta oder Alphabet, brachen infolgedessen an der Börse ein. Denn im Falle von Nvidia wären gerade einmal 20% des gesamten Produktportfolios nicht von den Zöllen betroffen gewesen.Und Analysten hatten berechnet, dass ein Apple iPhone Pro, dass in den USA derzeit 1.600 US-Dollar kostet, um bis zu 700 Dollar teurer werden dürfte, wenn die Zölle wie angekündigt greifen. Apple reagierte umgehend und charterte mehrere Flugzeuge, um Nachrichtenmeldungen zufolge möglichst schnell bis zu 600 Tonnen an in Indien gefertigten Smartphones in die USA einzufliegen.
Doch das Aufatmen vom Freitag hatte nicht lange Bestand. Nur zwei Tage später, vergangenen Sonntag dem 13. April, kündigte US-Präsident Donald Trump vor versammelten Reportern bereits wieder an, dass diese Ausnahmen nur „von kurzer Dauer" sein sollen. Ferner versprach er, dass er noch im Laufe dieser Woche die von ihm bereits im Januar versprochenen Sonderzölle auf Halbleiter verkünden werde. Nur um dann im Anschluss gleich wieder sibyllinisch zu relativieren, dass es für einige Unternehmen Ausnahmen geben müsse. Was genau er damit meinte, führte er nicht näher aus.
Trumps Handelsminister Howard Lutnick kündigte ebenfalls am Sonntag in einem Interview mit dem US-Fernsehsender ABC an, dass der Präsident „in ein oder zwei Monaten [...] eine Art Schwerpunktzoll“ auf Smartphones, Computer und andere Elektronikprodukte sowie sektorale Zölle auf Halbleiter und Pharmazeutika erheben werde. Die neuen Zölle würden dann nicht unter Trumps so genannte reziproke Zölle fallen. „Er sagt, dass sie von den reziproken Zöllen ausgenommen sind, aber sie sind in den Halbleiterzöllen enthalten, die wahrscheinlich in ein oder zwei Monaten kommen werden“, sagte Lutnick in dem Interview in der ABC-Sendung „This Week“. Erneut betonte Lutnick, dass diese Maßnahmen dazu dienen sollten, die Produktion dieser Produkte in die Vereinigten Staaten zu bringen.
Fertigt überall – bloß nicht in den USA
Dieses Versprechen Lutnicks darf stark angezweifelt werden. Nicht nur, weil es für Chip- und Elektronikhersteller schwierig bis unmöglich werden dürfte, innerhalb von kürzester Zeit – geschweige denn innerhalb von drei Monaten – ihre Entwicklung und -Produktion ins Inland zu verlagern, da es schlichtweg an geeigneten Fabrikationsstätten fehlt. Denn selbst wenn es gelingen dürfte, zeitnah die Produktion von Speichern, Prozessoren oder SoCs, oder gar die Gesamtproduktion von Smartphones und Laptops, wieder in die USA zu verlegen, würde diese dennoch durch die Zölle drastisch verteuert werden. Denn Grundmaterialien und Rohstoffe, allen voran Seltene Erden oder Metalle, müssten immer noch aus dem internationalen Ausland bezogen werden. Diese sind allerdings derzeit auch auf der erweiterten Ausnahmeliste nicht berücksichtigt.
Stand: 08.12.2025
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Eine der Hauptbezugsquellen für diese Materialien ist dabei ausgerechnet China: Mit einem Anteil von fast 70 % (270.000 metrische Tonnen) an der weltweiten Produktion von Seltenen Erden ist die Volksrepublik nach wie vor der weltweit dominierende Produzent. Die Produktion konzentriert sich auf leichte Seltene Erden wie Neodym und Praseodym, die für hochfeste Magnete in Elektrofahrzeugen und Windturbinen benötigt werden. Die USA liegen hier zwar an zweiter Stelle, können aber mit einem Abbau von jährlich etwa 45.000 metrischen Tonnen nur einen Bruchteil des Bedarfs decken.
Und in China reagiert man bereits mit entsprechend drastischen Gegenmaßnahmen: Die Ausfuhr von Seltenen Erden und Magneten in die USA sei mit sofortiger Wirkung gestoppt worden, meldet die Nachrichtenagentur Reuters unter Bezug auf chinesische Quellen. Die Botschaft ist klar: Wenn die USA an ihrem radikalen Kurs weiter festhalten, dreht China den Ressourcenstrom direkt an der Quelle ab.
Der Umstand, dass in den reziproken Zöllen offenbar ausschließlich auf Produkte geachtet wurde, macht eine weitere ironische Schwachstelle in den Zollerhebungen offenkundig: Wer für die Fertigung seiner Waren Rohstoffe benötigt, die nicht in den USA bezogen werden können, wird durch die Zölle eher ermutigt, erst recht nicht mehr in den USA zu fertigen. Denn für den Bezug der Rohstoffe müssen nun erhöhte Importgebühren beglichen werden, was sich in höheren Produktionskosten niederschlägt. Mehr noch: Das Prinzip des Second-Sourcing wird dadurch, dass für eine Vielzahl an unterschiedlichen Ländern und Märkten unterschiedliche Zollsätze erhoben werden, noch einmal drastisch erschwert: Berechnungen werden komplizierter, der bürokratische Aufwand erhöht sich.
Da aber das Endprodukt – möglicherweise, zeitweise – von den Zollgebühren ausgenommen wird, scheint als Schlussfolgerung klar: Lieber fertigt man als Hersteller weiterhin im Ausland und nimmt dabei höchstens Zölle bei der Lieferung des Endprodukts in die USA in Kauf, als dass man möglicherweise eine Vielzahl an unterschiedlichen Importzöllen hinnehmen muss, ehe man mit der Fertigung in den Vereinigten Staaten überhaupt beginnen kann. Denn in diesem Fall bleiben die Kosten für die Grundfertigung dieselben, und der Export in den Rest der Welt ist nicht erschwert.
Fast tägliche Veränderungen machen Planung nahezu unmöglich
Dieser Hin- und Her-Schlingerkurs der Vereinigten Staaten in ihrer Zollpolitik macht eines offenbar: Die Maßnahmen sind nicht von langer Hand geplant oder durchdacht, sondern erfolgen durchwegs im Schnellschussverfahren. Die erweiterten Ausnahmeregelungen auf die reziproken Zölle erfolgten erst in Reaktion auf die Kritik, die offenlegte, wie sehr vor allem der für die US-Wirtschaft so wichtige High-End-Technologiesektor von den neuen Zollregelungen leiden würde. Aber als im Zuge dieser Erweiterung noch einmal drastisch offenbart wurde, wie sehr durch diese Erweiterung ausgerechnet der größte Teil der Importe aus China weiter zollfrei erfolgen würde, wird einmal mehr das Ruder drastisch herumgerissen.
Für die amerikanische Wirtschaft wird es dadurch nahezu unmöglich, für die nähere Zukunft zu planen. Sven Henrich, Gründer und leitender Marktstratege des Marktanalyse-Büros NorthmanTrader, übte am Sonntag scharfe Kritik am Umgang mit dem Thema Zölle. „Sentiment-Check: Die größte Rallye des Jahres würde an dem Tag kommen, an dem Lutnick gefeuert wird“, schrieb Henrich auf X. „Ich schlage vor, dass die Regierung herausfindet, wer die Botschaft kontrolliert, was auch immer es ist, da sie sich jeden Tag ändert. Die amerikanische Wirtschaft kann bei diesem ständigen Hin und Her weder planen noch investieren.“
Der Milliardär und Investor Bill Ackman, der Trumps Kandidatur für das Präsidentenamt unterstützt hatte, forderte den US-Präsidenten ebenfalls noch am Sonntag auf, die umfassenden und hohen gegenseitigen Zölle gegen China für drei Monate auszusetzen, wie Trump es letzte Woche für die meisten Länder getan hat. Wenn Trump die chinesischen Zölle für 90 Tage aussetzen und sie vorübergehend auf 10 % senken würde, „würde er das gleiche Ziel erreichen, indem er US-Unternehmen dazu veranlasst, ihre Lieferketten aus China zu verlagern, ohne dass es zu Störungen und Risiken kommt“, schrieb Ackman auf X.
US-Senatorin Elizabeth Warren, eine Demokratin, kritisierte die jüngste Überarbeitung von Trumps Zollplan, vor dem Ökonomen gewarnt haben, er könne das Wirtschaftswachstum dämpfen und die Inflation anheizen.
„Es gibt keine Zollpolitik – nur Chaos und Korruption“, sagte Warren in der ABC-Sendung „This Week“, bevor Trump seinen jüngsten Beitrag in den sozialen Medien veröffentlichte. Auch Ray Dalio, der milliardenschwere Gründer des größten Hedgefonds der Welt, stimmte in die Kritik mit ein. In der NBC-Sendung „Meet the Press“, sagte Dalio, er mache sich Sorgen, dass die Vereinigten Staaten durch die Zölle in eine Rezession oder Schlimmeres abrutschen könnten. „Im Moment befinden wir uns an einem Entscheidungspunkt und sehr nahe an einer Rezession“, sagte Dalio am Sonntag. „Und ich mache mir Sorgen über etwas Schlimmeres als eine Rezession, wenn dies nicht gut gehandhabt wird.“ (sg)