Im Rückblick auf das zweite Quartal 2025 im globalen und europäischen Halbleitermarkt bleibt es bei zwei bekannten Trends: global herrscht Aufschwung, auf europäischer Ebene stagniert das Wachstum. IDEA-Analyst Marco Mezger bespricht die Entwicklungen des zweiten Quartals 2025.
Entwicklungen auf dem Halbleitermarkt im Q2/2025: Global gibt es Wachstum, in Europa stagniert der Umsatz weiterhin.
(Bild: Dall-E / KI-generiert)
Bis zum Jahr 2030 soll sich der globale Halbleitermarkt mit einer Billion US-Dollar brüsten können; bis 2040 soll sich das noch einmal verdoppeln. Theoretisch sind das fantastische Aussichten, doch kann die Praxis mit diesen prophezeiten Entwicklungen mithalten?
Marco Mezger ist ein globaler Unternehmer, Investor und Berater mit über 30 Jahren Erfahrung in der Halbleiterindustrie. Der in Deutschland geborene und in Taipeh lebende Marco Mezger verfügt über ein einzigartiges Verständnis der globalen Halbleiterunternehmen und ihrer Herausforderungen, was sich in einer Erfolgsbilanz als Matchmaker in der Branche niederschlägt. Als Vordenker auf dem Gebiet der Speichertechnologie hat Marco eine beträchtliche Anzahl an weltweiten Lesern auf LinkedIn. Er ist auch ein regelmäßiger Gastkommentator in internationalen Publikationen und Fernsehsendungen über die Neuigkeiten in der Halbleiterindustrie und Markttrends.
(Bild: IDEA)
Sie kann, wie Branchenexperte und IDEA-Analyst Marco Mezger in seinem Rückblick auf das zweite Quartal 2025 festhält, zumindest auf globaler Ebene. Für 2025 erwarten die WSTS (World Semiconductor Trade Statistics) rund 728 Milliarden US-Dollar Umsatz, nachdem im Vorjahr 2024 631 Milliarden US-Dollar umgesetzt wurden. Damit bleibt das Ziel von 1 Billion US-Dollar bis 2030 auf globaler Ebene weiterhin in Reichweite.
Allerdings, so Mezger, ist dieser Weg von Stolpersteinen gespickt. Die Auslieferungen von integrierten Schaltungen (ICs) gingen im zweiten Quartal 2025 zurück, während die durchschnittlichen Verkaufspreise (ASPs) angestiegen sind. Das lässt sich als Zeichen lesen, dass die Erholung im Markt zwar spürbar, aber dennoch fragil ist.
Europa bleibt ein schwieriges Pflaster
In Europa sieht es schwieriger aus, wie Mezger auf Basis der Quartalszahlen analysiert. Der Vertrieb über Distributoren meldete im Q2 einen Rückgang von 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Besonders stark sind davon Frankreich (–20 Prozent), Deutschland (–17 Prozent) und Österreich (–36 Prozent) betroffen. Immerhin ist das Niveau gegenüber dem vierten Quartal 2024 höher geblieben. Die Kehrseite ist allerdings, dass der kleine Aufschwung aus dem ersten Quartal nicht gehalten werden konnte.
Ein strukturelles Problem bleibt weiterhin das Book-to-Bill: Seit 2023 liegt das Book-to-Bill-Verhältnis in Europa unter 1 (Q2/2025: 0,97). Das heißt, dass die Distributoren mehr ausliefern, als dass neue Aufträge hereinkommen. Das liest sich als deutliches Warnsignal, dass der Markt eher stagniert oder rückläufig ist.
Und während die USA und Asien von massiven Investitionen der Hyperscaler und Rechenzentren in KI profitieren, bleibt Europa zurückhaltender. Hier dominieren Branchen wie Automotive, Industrie und Robotik. Das sind Bereiche, die traditionell langsamer neue Technologien adaptieren. Das führt dazu, dass die aktuelle KI-Welle an Europa vorbeirauscht und die Transformation hin zu „AI Everywhere“ ins Stocken gerät.
„AI Everywhere“ und die damit verbundenen Chancen für Europa hatte Mezger bereits im Q1-Talk hervorgehoben. Seine Kernbotschaft: Europa hat die Möglichkeit, den verspäteten Einstieg in den KI-Wachstumsmarkt mit der zweiten Welle nachzuholen. Die eigentlichen Stärken liegen in Automotive, Industrie und Robotik – genau dort, wo Künstliche Intelligenz künftig tief in Anwendungen vordringen wird. Diese Chance gilt es zu nutzen.
Der Speichermarkt bleibt Dreh- und Angelpunkt in den Marktprognosen. Nach dem Einbruch 2023 erholte sich der Markt rasant. Ein deutlicher Treiber ist mit dem KI-Boom HBM (High-Bandwidth Memory): 2024 machte HBM bereits 18 Milliarden US-Dollar aus und zeichnete damit knapp für 20 Prozent der Umsätze des DRAM-Marktes verantwortlich. Für 2030 wird gar erwartet, dass HBM die Hälfte des DRAM-Umsatzes ausmacht, etwa 194 Milliarden US-Dollar. Kein Wunder, dass SK Hynix, Samsung und Micron in jüngster Zeit beschlossen haben, Fertigungskapazitäten umzuschichten. Im Q2 stammten bei SK Hynix nur 14 Prozent der Bits aus HBM, doch diese brachten beeindruckende 54 Prozent des Profits. Andere Speicherarten stagnieren, nur NOR-Flash zeigt Wachstum.
Allerdings muss für das dritte Quartal 2025 noch eine weitere Entwicklung berücksichtigt werden. Mezger hatte im Q2-Talk betont, dass Hersteller wie Samsung und SK Hynix ihre Produktionskapazitäten massiv in Richtung HBM verlagern und dafür DDR4 sowie Low-Power-DDR-Generationen zurückfahren. Das führte im Frühjahr 2025 zu starken Preisanstiegen bei DDR4. Inzwischen zeigt sich allerdings eine Gegenbewegung: Weil die Nachfrage hoch blieb und die Preise deutlich über DDR5-Niveau kletterten, haben beide Unternehmen beschlossen, DDR4 länger im Programm zu halten – mindestens bis 2026; eine Reaktion auf die kurzfristige Marktdynamik und die ungewöhnlich starke Profitabilität von DDR4.
Automotive: Der Preisdruck bleibt
Die International Distributors of Electronics Association (IDEA) ist ein globaler Zusammenschluss führender Elektronikdistributoren, der sich für Transparenz, Qualitätssicherung und Marktintegrität im Elektronikhandel einsetzt.
(Bild: IDEA)
Automotive bleibt weiterhin ein zweischneidiges Thema. Traditionell ist Europa stark in dem Bereich, doch beim Elektroauto haben chinesische Hersteller die Nase vorn. In China ist ein batterieelektrisches Fahrzeug im Schnitt inzwischen günstiger als ein vergleichbarer Verbrenner – ein Umstand, der stark von staatlichen Subventionen und massiven Investitionen in Batterietechnologien getragen wird. In Europa und den USA ist die Lage umgekehrt: Hier bleibt das Elektroauto deutlich teurer als der Verbrenner.
Stand: 08.12.2025
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Das ermöglicht chinesischen Marken nicht nur Wettbewerbsvorteile, sondern sorgt auch für Nachfrage nach heimischen Chips. Bis 2026 wollen chinesische OEMs 100 Prozent lokal produzierte Halbleiter verbauen. Damit wächst Chinas Anteil an der weltweiten Kapazität für Major Nodes (≤ 40 nm) von 31 Prozent (2023) auf fast 40 Prozent bis 2027, vornehmlich zulasten von Taiwan.
Für europäische Autobauer hat die Entscheidung chinesischer Hersteller, künftig vollständig auf heimische Chips zu setzen, ebenfalls Konsequenzen. Zum einen sinken die Produktionskosten chinesischer BEVs durch kürzere Lieferketten und staatliche Förderung, was den Preisabstand zu europäischen Modellen weiter vergrößert. Zum anderen verlieren europäische Zulieferer Absatzmöglichkeiten im wichtigen chinesischen Markt, während ihre eigenen OEMs gleichzeitig im Heimatmarkt mit aggressiv bepreisten, technologisch gut integrierten Wettbewerbsfahrzeugen aus China konfrontiert werden.
Sprungbrett zweite KI-Welle
Der globale Halbleitermarkt bleibt auf Wachstumskurs, getrieben von KI und Speichertechnologien wie HBM. Doch Europa steht unter Zugzwang: Während Asien und die USA von der ersten KI-Welle profitieren und China seine Kosten- und Technologievorteile im Automotive-Bereich ausspielt, muss Europa seine Stärken in Industrie, Robotik und Automotive konsequent in der zweiten KI-Welle nutzen. Nur dann kann die Region vom Wachstum profitieren, statt im globalen Wettbewerb weiter zurückzufallen. (sb)