Wegen Erdbeben Drohender Lieferverzug bei japanischen Halbleitern

Redakteur: Sebastian Gerstl

Aufgrund der schweren Erdbeben, die die japanische Insel Kyushu seit dem 15. April 2016 heimgesuchen, steht die Produktion bei mehreren Halbleiterproduzenten still, insbesondere rund um Kumamoto. Unter anderem stark betroffen ist Sonys Produktionsstätte für CMOS-Bildsensoren und andere CMOS-Komponenten, wie Mikro-OLEDs oder LCOS-Bildschirmen.

Anbieter zum Thema

Die Sony-Produktionsstätten in Nagasaki (links) und in der Region Kumamoto (rechts).
Die Sony-Produktionsstätten in Nagasaki (links) und in der Region Kumamoto (rechts).
(Bild: Sony)

Derrzeit betreibt Sony einen hohen Aufwand, um so schnell wie möglich wieder in Produktion zu gehen. Seit letzter Woche werden die Back-End-Prozesse wie Montage und Prüfung wieder im Kumamoto Technology Center durchgeführt. Auch im Wafer-Fertigungsbereich ist die Arbeit nach und nach wieder aufgenommen worden. Einige Drittanbieter, die Sony mit Komponenten beliefern, verfügen ebenfalls über Produktionsstätten in der Region Kumamoto.

Obwohl es dadurch zu Verspätungen bei der Komponentenlieferung kam, nahm Sony Bestandsanpassungen vor und veröffentlichte einen Zeitrahmen, um die gewohnte Lieferversorgung bald wieder gewährleisten zu können. Dadurch sollte es keine wesentlichen Auswirkungen auf die Geschäftstätigkeit von Sony geben.

Axel Krepil, Vertriebsleiter Sensor+ bei FRAMOS, dem langjährigen Vertriebspartner von Sony, meldete hierzu: „Sony hat uns informiert, dass die Produktion wieder aufgenommen wurde, und Halbfertigwaren, die sich in verschiedenen Stadien des Herstellungsprozesses befinden, im Laufe der nächsten Monate fertiggestellt werden. Wir erwarten daher zumindest Teillieferungen, um den dringendsten Bedarf unserer Kunden zu erfüllen. Außerdem hat unser hoher Lagerbestand unseren Kunden dabei geholfen, ihre Produktion zumindest bis zu einem gewissen Grad aufrecht zu erhalten.“ Die Liefersituation für alle CMOS-Bildsensoren mit Global oder Rolling Shutter für die Industrie und die Sicherheits-/Überwachungsbranche bleibt jedoch schwierig. FRAMOS erwartet im Juni weitere Informationen zur Liefersituation sowie zu Einzelbestellungen.

Während der kommenden „Image Sensor Tech Days“, die FRAMOS vom 31. Mai bis zum 1. Juni in München abhält, wird Sony die Teilnehmer über die tatsächliche Liefersituation informieren. Sony wird mit sechs Vertretern und Sprechern teilnehmen – vier von ihnen von Sony Japan. Das ist eine einmalige Gelegenheit direkt mit den Vertretern von Sony zu sprechen und alle relevanten Fragen zu stellen.

Sony ist nicht das einzige japanische Unternehmen, das durch die Erdbebenschäden Lieferverzögerungen in Kauf nehmen muss. Auch Kamerahersteller Ricoh Imaging hat mit der Marke Pentax unter den Folgen des Kumamoto-Erdbebens zu leiden.

Die Präfektur Kumamoto war in der Zeit um den 15. April 2016 von einer Reihe schwerer Erdbeben mit Stärken bis zu 7,3 getroffen worden. Die Region ist Heimat zahlreicher japanischer Produktionsstätten, unter anderem aus der Auto-, Stahl-, Elektronik- und Schiffbauindustrie. Die Beben forderten etwa 49 Todesopfer und über 1000 Verletzte. Mehr als 10.000 Bewohner der Region mussten evakuiert werden. Verschiedenen Angaben zufolge muss die Region noch mindestens weitere zwei Monate mit stärkeren Nachbeben der Stärken 5 und 6 rechnen.

(ID:44084137)