CMOS-Prozesse Chinesischer Auftrag hilft Samsungs 2-Nanometer-Plänen

Von Henrik Bork 3 min Lesedauer

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Samsung hat dringend benötigte Großaufträge für seine 2-Nanometer-Chips erhalten. Zwei chinesische Hersteller von Ausrüstungen für Krypto-Mining haben zugesagt, pro Jahr Chips im Wert von 480 Millionen US-Dollar zu kaufen, berichtet die Zeitung „Korea Economic Daily“.

Samsung begann im Sommer 2022 mit der Chip-Produktion unter Verwendung der 3-nm-Prozesstechnologie mit GAA-Architektur.(Bild:  Samsung)
Samsung begann im Sommer 2022 mit der Chip-Produktion unter Verwendung der 3-nm-Prozesstechnologie mit GAA-Architektur.
(Bild: Samsung)

Bislang fehlten dem Technologie-Konzern Samsung Zusagen von Kunden für Produkte aus dem hauseigenen 2-nm-Prozess, doch offenbar hat sich das jetzt geändert. In China haben sich zwei interessierte Unternehmen finden lassen. Die Einkäufe der neuen Kunden – MicroBT und Canaan – kämen wie „Regen nach einer langen Dürre“ für Samsungs Chipgeschäft, kommentiert der Technologie-Blog ibaiwin.

Das Unternehmen habe eine riskante Wette auf das Geschäft mit zwei Nanometern abgeschlossen, nachdem es wegen technischer Probleme mit seinen 3-nm-Chips erst Qualcomm und später auch Nvidia als Kunden verloren hatte. Die Großbestellungen aus China seien eine Chance, die Produktion dieser fortgeschrittensten Chipgeneration wieder zu skalieren.

Weltweit sind derzeit nur drei Unternehmen in der Lage, 2-Nanometer-Chips herzustellen: TSMC, Samsung und Intel. Von den drei hat es nur der taiwanesische Hersteller TSMC geschafft, dieses Geschäft auch profitabel zu machen. In Japan und anderswo gibt es Bestrebungen, ebenfalls wieder in diese erste Liga der Halbleiterfertigung aufzusteigen, doch die Investitionskosten und technischen Hürden sind enorm.

TSMC wie gewohnt vorn

TSMC hält derzeit einen Anteil von 70,2 Prozent am globalen Foundry-Geschäft, zeigen die Umsätze des zweiten Quartals. Für Samsung sind es gerade einmal 7,3 Prozent. Vor dem Hintergrund dieses globalen Wettrennens sind in der Industrie die Leistungswerte für Samsungs 2-nm-Prozesse mit Aufmerksamkeit verfolgt worden.

Der südkoreanische Chiphersteller hat Mitte November 2025 erstmals konkrete Zahlen für diese neuen Prozesse genannt. Seine neuen GAA-Chips mit 2 nm hätten eine bis zu fünf Prozent höhere Leistung, eine bis zu acht Prozent bessere Energie-Effizienz und eine um fünf Prozent reduzierte Fläche im Vergleich zu den 3-nm-GAA-Chips, hat Samsung bekannt gegeben.

Obwohl dies von Analysten als „lediglich moderates Upgrade“ gesehen wird, könnte es entscheidend für das von Samsung angestrebte Comeback in der Chipindustrie sein. Nur wenn die Leistungen stimmen und langfristig auch die Ausbeute in der Produktion („yield rates“), wird Samsung international wieder mehr Kunden gewinnen können.

Intel auf Fachkräftefang

Auch Intel bemüht sich nach Kräften, wieder eigene Hochleistungs-Chips zu bauen. Neben ausreichender Finanzierung ist dabei auch die Anstellung geeigneter „Talente“ entscheidend. Die Liberty Times in Taiwan hat kürzlich berichtet, dass Wei-Jen Lo, ein Senior VP von TSMC, von Intel abgeworben worden sei und Ende Oktober zum „Team Blue“ in die USA wechsle.

TSMC dominiert das globale Geschäft der Auftragsfertigung von Halbleitern mit großem Abstand. Eine Folge davon ist, dass in Taiwan über mehrere Jahrzehnte hinweg ein Ökosystem aus Forschung und Lehre, Zulieferern aller Art und Massenfertigung gewachsen ist. Nirgendwo sonst gibt es einen so großen Arbeitsmarkt und nirgendwo sonst gibt es so viele Experten für alle Phasen der Chipfertigung wie in Taiwan.

Japan unter Druck

Das ist eine Hürde, mit der unter anderem auch Japan kämpft. Die Regierung in Tokio hat sich über das Industrieministerium METI an Rapidus beteiligt, einem Chiphersteller mit Ambitionen im 2-Nanometer-Segment. Angeblich will man dort ab 2027 mit der Serienfertigung beginnen. Doch in den vergangenen Jahrzehnten, als Japan seine Technologieführerschaft in der Halbleiterfertigung schrittweise immer weiter verloren hatte, ist auch der entsprechend Talentpool geschrumpft.

Dies ist jetzt nicht nur ein kritischer Engpass für Rapidus, sondern auch für TSMC, das auf Drängen der japanischen Regierung gemeinsam mit Sony ein Werk in Kumamoto zur Herstellung von Legacy-Chips eröffnet hat. Des Weiteren wird anderswo in Japan gerade ein weiteres Werk für 6-nm-Chips aufgebaut.

Dass selbst Samsung chinesischen Herstellern von Maschinen für das Krypto-Mining dankbar sein muss, sollte daher wohl als Warnung für Techno-Nationalisten weltweit verstanden werden. Es ist nicht einfach, in kurzer Zeit eine finanziell nachhaltige Fertigung von 2-nm-Prozessen „and beyond“ aufzubauen. Selbst Samsung tut sich schwer damit. (sb)

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