Automotive Radar „China Speed“ und CMOS: Wie Calterah den Radar-Markt aufmischen möchte

Von Maria Beyer-Fistrich 2 min Lesedauer

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Der chinesische Radar-SoC-Spezialist Calterah expandiert nach Europa und bringt CMOS-basierte Lösungen für ADAS, Innenraumüberwachung und UWB-Car-Access auf den Markt. Im Interview erklärt Deutschland-Chef Peter Wiese, wie sich das Unternehmen zwischen Innovation, Qualität und geopolitischen Lieferketten positioniert.

Praktisch: Der digitale Schlüssel kommuniziert automatisch mit dem Fahrzeug. (Bild:  Calterah)
Praktisch: Der digitale Schlüssel kommuniziert automatisch mit dem Fahrzeug.
(Bild: Calterah)

Die Zahl der Radarsensoren im Auto steigt rasant. Euro-NCAP-Anforderungen und neue Komfortfunktionen sorgen dafür, dass Fahrerassistenzsysteme längst nicht mehr nur Premiumfahrzeugen vorbehalten sind. Der chinesische Halbleiterentwickler Calterah, seit 2014 auf CMOS-mmWave-Radar spezialisiert, will diesen Trend nutzen – und baut mit einem Büro in München seine Präsenz in Europa aus. Im Gespräch mit Peter Wiese, Geschäftsführer Deutschland, zeigt sich: Es geht nicht nur um Technik, sondern auch um Tempo.

„China Speed“ trifft auf deutsche Gründlichkeit

„Lieferketten sind heute politisch unvorhersehbar. Als fabless Anbieter können wir flexibel reagieren – TSMC fertigt für uns, perspektivisch auch in Dresden“, sagt Wiese. Anpassungsfähigkeit sei entscheidend, doch Calterah wolle mehr: „Unsere europäischen Kunden kennen uns aus China. Jetzt verkürzen wir Wege, um lokal agieren zu können.“

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Mit Blick auf politische Rahmenbedingungen spart er nicht mit Kritik: „Europa muss schneller werden. Lange Genehmigungsverfahren haben schon Projekte gekippt. Hier würde uns etwas mehr ‚China Speed‘ auch in der Politik guttun.“

Radar-SoCs als Kernkompetenz

Peter Wiese, EMEA Managing Director, Calterah(Bild:  Calterah)
Peter Wiese, EMEA Managing Director, Calterah
(Bild: Calterah)

Technologisch setzt Calterah seit Gründung in 2014 auf CMOS – ein Unterschied zu Wettbewerbern, die erst später auf CMOS gesetzt haben. „Wir optimieren unser IP direkt auf die Applikation. Das spart Fläche und Strom – beides entscheidend für Automotive-Radar.“

Kernprodukte sind 77/79-GHz-Radar-SoCs für Außenanwendungen und 60-GHz-Lösungen für den Innenraum. Wiese nennt Beispiele: Kindersitz-Überwachung, Vitalzeichenerkennung oder Türsensoren. „Diebstahlschutz spielt in China kaum eine Rolle – in Europa ist das ein echter Use Case. Genau hier können wir unsere Chips anpassen.“

Innovationen wie Antenna-in-Package (AiP) und Radiator-on-Package (RoP) vereinfachen die Antennenintegration und verbessern Signalqualität. „Damit ersparen wir den Kunden komplexe Antennen-Designs und senken die Kosten.“

Qualität als Eintrittskarte

Im Automobilmarkt zählt nicht nur Innovation, sondern vor allem Qualität. „Zero Defects muss das Ziel sein. Wir liegen heute schon niedriger als unsere Wettbewerber“, betont Wiese. Zertifizierungen wie ASPICE, TISAX und ISO 26262 seien von Anfang an Standard gewesen. Jüngst habe ein großer deutscher Tier-1 ein Audit in Shanghai „mit A-Grade abgeschlossen“.

UWB als zweites Standbein

Während Radar das Kerngeschäft bleibt, arbeitet Calterah bereits an der nächsten Säule: Ultra-Wideband (UWB) für Fahrzeugzugang. „Wir haben den neuesten IEEE-Standard 802.15.4ab bereits umgesetzt – mit höherer Genauigkeit und zusätzlicher Radar-Funktion. Ein Chip für Access und Sensing senkt Leistung und Kosten“, sagt Wiese. Für ihn steht fest: „Das wird in den kommenden Jahren ein Wachstumsfeld – und wir sind von Anfang an dabei.“

Nachwuchs und Werte

Neue Technologien brauchen auch die richtigen Köpfe. „Wir brauchen Leute, die Embedded-Systeme verstehen – Algorithmen, Signalverarbeitung, neuronale Netze. Aber genauso wichtig sind Neugier und Freude am Kundenkontakt“, erklärt Wiese. Er betont, dass Vertrauen für ihn die Basis bildet: „Erst im Team, dann mit dem Kunden. Das trägt auch durch schwierige Projekte.“

Ausblick

Technologie und Talente sollen Calterah in den kommenden Jahren in Europa fest verankern. Wiese sieht Imaging-Radar für urbane Szenarien, Innenraum-Radar für Sicherheit und Komfort sowie UWB für den Fahrzeugzugang als Wachstumstreiber. „Wir sind eine Firma, die innovativ günstiger wird – Mehrwert statt nur billiger.“

 (mbf)

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