Reformpläne für Intel CEO Lip-Bu Tan will auf Foundry, KI und US-Allianzen setzen

Von Sebastian Gerstl 4 min Lesedauer

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Bei seinem ersten öffentlichen Auftritt als neuer CEO von Intel hat Lip-Bu Tan erstmals seine Strategie aufgezeigt, welche die angeschlagene Halbleitergröße wieder auf Erfolgskurs bringen soll: Eine Foundry-Offensive mit Hilfe der US-Regierung, Konzentration auf KI-Technologien und schlankere Strukturen sollen das Unternehmen neu aufstellen.

Intel-CEO Lip-Bu Tan vor dem Robert Noyce Building am Hauptsitz des Unternehmens in Santa Clara, Kalifornien. Auf seiner ersten offiziellen Ansprache als neuer Geschäftsführer legte Tan auf der IntelVisions Conference in Las Vegas erstmals seine Reformpläne für das zuletzt krisengeschüttelte Unternehmen dar. (Bild:  Intel)
Intel-CEO Lip-Bu Tan vor dem Robert Noyce Building am Hauptsitz des Unternehmens in Santa Clara, Kalifornien. Auf seiner ersten offiziellen Ansprache als neuer Geschäftsführer legte Tan auf der IntelVisions Conference in Las Vegas erstmals seine Reformpläne für das zuletzt krisengeschüttelte Unternehmen dar.
(Bild: Intel)

Intel-CEO Lip-Bu Tan will den US-Chiphersteller grundlegend umbauen. Bei seinem ersten öffentlichen Auftritt als neuer Geschäftsführer skizzierte er auf der Intel Vision Conference in Las Vegas eine Zukunftsstrategie, die auf Reform, Fokussierung und Zusammenarbeit mit der US-Regierung setzt.

Keine Abkehr vom Auftragsfertigungsgeschäft

Kern des Plans ist der Wiederaufbau des Foundry-Geschäfts. Intel soll zur verlässlichen Fertigungsalternative für Kunden werden – mit dem Ziel, zwei bis drei Schlüsselkunden unter führenden Halbleiterunternehmen aus den USA zu gewinnen. Dafür setzte Tan auf Vertrauen, Kundenorientierung und technologische Offenheit, etwa bei IPs und EDA-Partnern.

Die Ankündigung kann als klares Bekenntnis für das Fertigungsgeschäft und gegen einen Verkauf der zuletzt von hohen Verlusten geplagten Sparte gesehen werden. In den vergangenen Monaten hatten hierzu Verkaufsgerüchte die Runde gemacht. So soll unter anderem TSMC einen Vorstoß unternommen haben, zusammen mit Broadcom, Nvidia und AMD ein Joint Venture zu bilden, um das Foundry-Geschäft von Intel zu erwerben.

Tan betonte vielmehr, dass die Foundry-Sparte als strategisch gelte – nicht zuletzt, weil Intel als einziger US-Hersteller die Entwicklung von Halbleitern und deren Produktion nach einem der fortschrittlichsten EUV-Fertigungsprozessen unter einem Dach vereine. Tan betonte dabei vor allem die geopolitische Bedeutung dieses Zusammenspiels: Flexible, widerstandsfähige Lieferketten seien unerlässlich, Intel könne hier als „ein zentraler Baustein“ dienen. Derzeit umwirbt das Unternehmen vor allem Broadcom und Nvidia stark, um die Fabless-Chiphersteller dazu zu bringen, ihre fortschrittlichsten Produkte künftig in Intels 18A-Verfahren fertigen zu lassen.

Ausgründung von nicht-essentiellen Geschäftsbereichen

Parallel dazu kündigte Tan organisatorische Reformen an. Nicht zum Kerngeschäft gehörende Bereiche sollen ausgelagert, bürokratische Hürden abgebaut und interne Prozesse vereinfacht werden. Die Devise: kleine, schnelle Teams statt schwerfälliger Strukturen.

Dabei möchte Tan nach eigenen Worten auf eine „People-and-Ideas“-Strategie setzen: Innovation solle aus der Organisation selbst entstehen. Er rief in seiner Ansprache zugleich Talente innerhalb des Unternehmens ausdrücklich dazu auf, sich mit Ideen direkt bei ihm zu melden.

Intel hatte in den vergangenen beiden Jahrzehnten viele Unternehmen und Start-Ups übernommen, um sich breiter aufzustellen und seine Expertise auf andere Anwendungsfelder auszuweiten. Dazu zählten unter anderem die 16,7 Mrd. US-$ schwere Übernahme des FPGA-Herstellers Altera im Jahr 2015, der 2017 erfolgte Erwerb des israelischen Kameraspezialisten Mobileye, den man sich 15,3 Mrd. US-$ kosten ließ, die 2019 erfolgte Eingliederung des israelischen KI-Startups Habana Labs für 2 Mrd. US-$ sowie die 2022 geplante Akquise des israelischen Fertigungsspezialisten Tower Semiconductor für 5,7 Mrd. US-$.

Allerdings merkten Marktanalysten an, dass bei den meisten dieser Zukäufen keine rechte Langzeitstrategie zu erkennen war. So scheiterte die Übernahme von Tower Semiconductor 2023 an der chinesischen Marktaufsichtsbehörde. Zudem gelang es Intel bei fast allen dieser Übernahmen nicht so recht, diese erworbenen Unternehmen auch in die eigene etablierte Sstruktur zu etablieren.Mobileye sollte 2022 wieder als Ausgründung an die Börse gebracht werden, die Gründer von Habana Labs haben Intel wieder verlassen, um ein neues KI-Startup zu formieren, und auch Altera wurde 2024 wieder als eigenes Unternehmen ausgegliedert - Verhandlungen für einen Teilverkauf der eigenen Anteile sind bereits am Laufen.

Technologischer Fokus auf KI - in Entwicklung und Endprodukten

Auch was Technologien betrifft, möchte Lip-Bu Tan dem Unternehmen wieder einen schärferen Fokus geben. Technologisch rückt - wenig überraschend - KI ins Zentrum: Intel will künftig Künstliche Intelligenz nicht nur für Produkte, sondern auch in der Systementwicklung nutzen – etwa für das Design neuer Architekturplattformen. Ziel sind spürbare Effizienzgewinne bei Leistung und Energieverbrauch.

Auch bei klassischen Produkten gelobte Tan allerdings Besserung: Qualität, Termintreue und „First-Time-Pass“-Ansätze sollen zur Norm werden. Intel müsse wieder mit starken Produkten überzeugen – das sei nicht verhandelbar. In den letzten Jahren hatte Intel mit qualitativen Problemen insbesondere bei seiner wichtigsten Produktlinie, dem Computer- und Server-Prozessorengeschäft, zu kämpfen.

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Wie diese Strategie konkret umgesetzt werden soll, darauf ging der neue Intel-CEO nicht näher ein. Kritiker merkten bereits an, dass diese Ankündigungen wenig konkrete Maßnahmen beinhalteten. Tan setzte dem entgegen, dass er bewusst auf einen „pragmatischen Reset“ statt großer Ankündigungen setze. Der Fokus soll seinen Worten nach auf Umsetzen statt Versprechen liegen.

Mehr zur Ausrichtung der Foundry-Sparte will Tan Ende April beim Event „Intel Direct Connect“ vorstellen. Bis dahin ist klar: Intel soll schlanker, schneller und verlässlicher werden. Dabei hoffe er auch auf Rückenwind aus Washington: Er begrüßte die Bemühungen der Trump-Administration, die Führungsrolle der USA in den Bereichen Technologie und Produktion zu stärken, und erklärte seine Bereitschaft, mit den politischen Entscheidungsträgern zusammenzuarbeiten, um die Ziele von Intel zu unterstützen.

„Sie fragen mich: Wie können wir helfen?,“ sagte Tan in seiner Ansprache. „Und ich werde auf jeden Fall ihre Hilfe in Anspruch nehmen, um das zu tun, was wir tun müssen“.(sg)

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