Sparkurs verschärft Endgültiges Aus für Intel-Fabs in Magdeburg und Polen

Von Susanne Braun 3 min Lesedauer

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Intel hat die Finanzzahlen für das zweite Quartal des Jahres 2025 verkündet und verordnet sich selbst einen noch strafferen Sparkurs. Die Pläne für die Intel-Fabs in Magdeburg und Polen sind nun endgültig vom Tisch. Auch Baupläne in Ohio werden verschoben.

Der Bauabschluss von Ohio Campus One wurde im März 2025 bereits auf frühestens 2030 verschoben.(Bild:  Intel Corp)
Der Bauabschluss von Ohio Campus One wurde im März 2025 bereits auf frühestens 2030 verschoben.
(Bild: Intel Corp)

Es hatte sich in den vergangenen Tagen bereits abgezeichnet, dass der einst führende Konzern Intel weiterhin mit einer schwachen Nachfrage nach seinen Produkten sowie der wirtschaftlichen Last zu kämpfen hat. Die entstand unter anderem durch den Fokus und große Investitionen in fortgeschrittene Prozesse in der Chipherstellung, während Produktionskapazitäten älterer Prozesse längst nicht ausgelastet wurden. Im Rahmen bisheriger Sparmaßnahmen lagen Intels ehrgeizige Expansionsprojekte in Europa bislang auf Eis, jetzt sind sie offiziell gestrichen.

Am 24. Juli 2025 wurde im Rahmen der Finanzzahlen zum zweiten Quartal 2025 bestätigt, dass die Pläne für Werke in Deutschland und Polen ad acta gelegt wurden. Genau heißt es: „Intel ergreift Maßnahmen, um seine Produktionspräsenz zu optimieren und eine höhere Kapitalrendite zu erzielen. Im Rahmen dieser Bemühungen wird Intel die geplanten Projekte in Deutschland und Polen nicht weiter vorantreiben. Das Unternehmen beabsichtigt außerdem, seine Assembly- und Testaktivitäten in Costa Rica an seinen größeren Standorten in Vietnam und Malaysia zu konsolidieren. Überdies wird Intel das Tempo der Bauarbeiten in Ohio weiter verlangsamen, um sicherzustellen, dass die Ausgaben der Marktnachfrage entsprechen.“

Umsätze stabil, Verluste hoch

Insgesamt berichtet das Unternehmen, dass die Umsätze im 2. Quartal 2025 stabil gewesen sind, es jedoch weiterhin Verluste durch Umstrukturierungen und Sonderkosten gibt. Zusätzlich zu den Streichungen der Investitions- und Bauvorhaben beziehungsweise der weiteren Sparbemühungen stehen auch weiterhin Streichungen beim Personal auf dem Plan. In den vergangenen Wochen gab es mehrfach Berichte über den tausendfachen Stellenabbau bei Intel in Hillsboro, Ohio. Man wolle nun die Zielmarke von 75.000 Beschäftigten anstreben, wie CEO Lip-Bu Tan in einem offenen Brief an die Intel-Mitarbeiterschaft unterstreicht.

„Wir setzen einen Plan zur Reduzierung unserer Mitarbeiterzahl um etwa 15 Prozent um und planen, das Jahr mit einer weltweiten Belegschaft von etwa 75.000 Mitarbeitern abzuschließen, was auf Personalabbau und natürliche Fluktuation zurückzuführen ist“, so Tan. „Wir haben einen Großteil unseres Personalabbaus im zweiten Quartal abgeschlossen und dabei die Anzahl der Führungsebenen um etwa 50 Prozent reduziert.“

Pläne für die Zukunft

Tan teilt in seinem Brief weitere Informationen, auf welche Felder man sich bei Intel konzentrieren möchte beziehungsweise wie sich der Konzern neu aufstellen will. Das Ziel ist klar: Mit einer Strategie für mehr Marktanteile und profitables Wachstum plant man, drei zentrale Maßnahmen durchzusetzen:

  • 1. Foundry-Geschäft mit Disziplin neu ausrichten: Nach überzogenen Investitionen ohne ausreichende Nachfrage will Intel künftig nur noch in Produktionskapazitäten investieren, wenn konkrete Kundenbedarfe vorliegen. Fokus bleibt der Hochlauf der 18A-Technologie und die Entwicklung von Intel 14A – ausschließlich auf Basis fester Kundenzusagen. Sollte sich kein Großkunde für 14A finden lassen, dann werden die Bemühungen in den Prozess voraussichtlich eingestellt.
  • 2. x86-Ökosystem stärken: Intel will in den Kernsegmenten Client und Server wieder Boden gutmachen. Produkte wie Panther Lake und Nova Lake sollen die Notebook- und Desktop-Reihen stärken. Im Rechenzentrum liegt der Fokus auf Granite Rapids und der Rückkehr zu Simultaneous Multi-Threading (SMT), um Performance-Lücken zu schließen.
  • 3. KI-Strategie schärfen: Statt wie bisher rein chipzentriert vorzugehen, entwickelt Intel eine integrierte Strategie für Hardware, Software und Systeme. Besonders im Fokus sind dabei Inferenz und agentenbasierte KI. Künftig will Intel von den Anforderungen der Workloads aus denken und rückwärts zur passenden Technologie entwickeln.

Das Fazit: Man wolle weniger die Gießkanne ansetzen und mehr Präzision anwenden sowie sich auf wirtschaftlich tragfähige, technologisch abgestimmte Entscheidungen rückbesinnen. (sb)

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