Halbleiter-Riese im Krisenmodus Intel entlässt 2.400 Mitarbeitende und gibt Realsense auf

Von Manuel Christa 2 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Intels Aderlass geht weiter: Der Konzern baut Tausende Stellen im Kerngeschäft ab, verkauft Randbereiche und räumt offen ein, wie weit das Unternehmen hinter der Konkurrenz zurückliegt. Der Ton von CEO Lip-Bu Tan ist ungewohnt demütig.

Intels CEO Lip-Bu Tan: "Wir müssen Demut zeigen."(Bild:  Intel)
Intels CEO Lip-Bu Tan: "Wir müssen Demut zeigen."
(Bild: Intel)

Der kalifornische Halbleiterriese Intel streicht weltweit erneut tausende Stellen. Nicht nur im mittleren Management, welches der neue CEO stark verschlanken wollte, sondern nun auch im Kerngeschäft: In Oregon, einem zentralen Produktionsstandort, verlieren 2.400 Mitarbeitende ihren Job. Das bestätigte das Unternehmen am Wochenende gegenüber US-Medien. Die Kündigungen sind Teil eines größeren Restrukturierungsplans, mit dem Intel seine Kosten senken und sich wieder wettbewerbsfähig aufstellen will.

Bereits im vergangenen Jahr hatte Intel mit einer groß angelegten Sparrunde begonnen. Nun trifft es vor allem den Standort Hillsboro, wo das Unternehmen seit Jahrzehnten präsent ist. Der Stellenabbau betrifft sowohl die Produktionslinien als auch Entwicklungsabteilungen.

Scharfer Realitätscheck

Begleitet wird der Kahlschlag von ungewohnt klaren Worten aus der neuen Führungsetage. CEO Lip-Bu Tan räumte ein, dass Intel den Anschluss an die Konkurrenz weitgehend verloren habe: „Wir sind nicht unter den Top 10 der führenden Halbleiterunternehmen der Welt.“ Eine bemerkenswerte Aussage für einen Konzern, der einst als unangefochtener Branchenprimus galt.

Tan sieht die Ursachen in jahrelangen strategischen Fehlentscheidungen, zu langsamen Innovationszyklen und einem verpassten Wandel Richtung Foundry-Geschäft. Der Konzern versucht derzeit mit Milliardeninvestitionen und einer neuen Fertigungsstrategie, verlorenes Terrain zurückzugewinnen. Doch der Aufholprozess ist mühsam – das zeigen die jüngsten Entscheidungen.

Realsense geht eigene Wege

Im Zuge dieser Neuausrichtung hat Intel nun auch die Sparte für 3D-Kameratechnologie Realsense ausgegliedert. Das neue Start-up, das ebenfalls Realsense heißt, konnte sich bereits 50 Millionen Dollar Startkapital sichern.

Die Technologie hinter Realsense hatte Intel ursprünglich für den Einsatz in Robotik, Augmented Reality und Automatisierung entwickelt. Nachdem das Interesse aus dem Kerngeschäft schwand, hatte der Konzern bereits 2021 einen Teil der Plattform eingestellt. Damit beendet Intel das Kapitel Realsense endgültig.

Mit der Ausgliederung von Realsense und dem zuvor erfolgten Verkauf der NAND-Speichersparte an SK hynix verfolgt Intel konsequent das Ziel, Nebenaktivitäten abzustoßen und sich auf das Kerngeschäft zu konzentrieren. Intel aber lässt nun genau dort Federn. 

Reaktion auf steigenden Druck

Die jüngsten Entscheidungen sind eine Reaktion auf den zunehmenden Druck von Konkurrenten wie TSMC, Samsung und Nvidia. Während diese Unternehmen technologisch und finanziell vorlegen, hinkt Intel beim Umstieg auf neue Fertigungstechnologien und bei der Auslastung seiner Fabriken hinterher.

Auch CEO Lip-Bu Tan selbst weiß, dass der Weg zurück an die Spitze kein Selbstläufer ist. „Wir müssen Demut zeigen und unsere Lektionen lernen“, sagte er. (mc)

(ID:50482841)

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung