Hochtechnologie des Altertums

7 rätselhafte antike Technikwunder – Wahrheit oder Mythos?

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Ein antiker Computer: Der Mechanismus von Antikythera

Als im Jahr 1900 griechische Schwammtaucher vor der Insel Antikythera ein antikes Schiffswrack entdeckten, galt ihre Aufmerksamkeit zunächst den Kunstwerken, die das Wrack enthielt. Antike Münzen zeigten, dass das Schiff in der ersten Hälfte des ersten vorchristlichen Jahrhunderts untergegangen war. Die zusammengebackenen Metallklumpen, die ebenfalls mit dem Schiff untergegangen waren und wieder ans Tageslicht gebracht wurden, rückten erst später in den Fokus. Frühe Deutungen gingen davon aus, dass es sich um Bruchstücke eines Astrolabiums handelte.

Erst 1959 veröffentlichte der britische Wissenschaftshistoriker Derek de la Solla Price im Fachmagazin Scientific American einen Artikel, der den Fund als das beschrieb, was er war – nämlich ein antiker mechanischer Computer. Dazu mussten die zusammengebackenen Fundstücke sorgfältig voneinander getrennt und gereinigt werden. Eines der Fragmente enthielt nicht weniger als 27 Zahnräder. Prices Schlussfolgerung lautete: „Der Mechanismus ist wie eine große astronomische Uhr ohne Hemmung oder wie ein moderner analoger Computer, der mechanische Teile nutzt, um mühsame Berechnungen überflüssig zu machen.“

Das Fragment A des Mechanismus von Antikythera, der im Nationalmuseum von Athen ausgestellt ist. Deutlich ist das vierspeichige Hauptzahnrad zu sehen.(Bild:  NAMA Machine d'Anticythère 1.jpg / / CC BY-SA 3.0)
Das Fragment A des Mechanismus von Antikythera, der im Nationalmuseum von Athen ausgestellt ist. Deutlich ist das vierspeichige Hauptzahnrad zu sehen.

Die Frage aber blieb: Was genau zeigte diese astronomische Uhr an? Röntgenaufnahmen und Fragmente von Inschriften ließen vermuten, dass ein Zeiger die Mondmonate anzeigte und ein weiterer die Stellung des Mondes im Tierkreis.

Rekonstruktionsversuche von de la Solla Price und anderen Forschern sowie antike Zeugnisse ergaben, dass es sich um ein weitaus komplexeres System gehandelt haben musste. Von dem römischen Politiker Cicero (106 - 43 v. Chr.), der auf Rhodos Rhetorikunterricht genommen hatte, ist überliefert, dass er auf der Insel ein Instrument gesehen hatte, dessen Umdrehungen „dasselbe an Sonne, Mond und den fünf Planeten hervorrufen, was am Himmel in den einzelnen Tagen und Nächten abläuft.“

Man geht davon aus, dass der Mechanismus unter anderem dazu diente, um Sonnen- und Mondfinsternisse vorherzusagen. Rekonstruktionen zeigen, dass es auf der Vorderseite des Gerätes wohl eine kreisförmige Kalenderanzeige gab, auf der man das Datum sowie die Positionen der Sonne, des Mondes und möglicherweise der damals bekannten fünf Planeten im Tierkreis ablesen konnte.

Auf der Rückseite, so wird vermutet, befanden sich zwei spiralförmige Anzeigen. Die obere der beiden diente dazu, die Meton-Periode anzuzeigen (ein Zyklus von 19 Sonnenjahren beziehungsweise 235 Mondperioden) sowie die Olympiaden und die Panhellenischen Spiele, die in den vier Jahren einer Olympiade stattfanden. Auf der unteren der beiden Spiralen ließen sich demnach der Saros-Zyklus (eine Periode von 18 Sonnenjahren beziehungsweise 223 Mondperioden) sowie die in diesen Monaten zu erwartenden Sonnen- und Mondfinsternisse ablesen. Als Antrieb des erstaunlichen Geräts diente eine Handkurbel.

Verdikt: Wahr

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