Aktion Elektronik hilft Vom Flüchtling zum Fachmann; Tipps zur erfolgreichen Integration

Margit Kuther

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Zahlreiche Flüchtlinge fliehen vor politischer Verfolgung, vor Terror, Krieg und Hunger. In Deutschland wollen sie leben und arbeiten. Lesen Sie, wie sich Flüchtlinge erfolgreich in Betrieben integrieren lassen.

Das Azubi-Patenmodell hat sich bei Rittal bewährt: Gleichaltrige Azubis stehen den Flüchtlingen zur Seite, sind Ansprechpartner und Helfer bei schulischen, beruflichen und persönlichen Herausforderungen.(Bild:  Friedhelm Loh Group/Rittal)
Das Azubi-Patenmodell hat sich bei Rittal bewährt: Gleichaltrige Azubis stehen den Flüchtlingen zur Seite, sind Ansprechpartner und Helfer bei schulischen, beruflichen und persönlichen Herausforderungen.
(Bild: Friedhelm Loh Group/Rittal)

Die Zahl der Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen, ist so hoch wie seit 20 Jahren nicht mehr. In Deutschland wollen sie leben und arbeiten, doch die Bedingungen sind alles andere als einfach:

Sprachkenntnisse fehlen, Zeugnisse werden nicht anerkannt und die Orientierung im bürokratischen System ist mühsam. Die mittelhessische Friedhelm Loh Group hat sich Umdenken auf die Fahnen geschrieben und ein Kooperationsprojekt mit dem Lahn-Dill-Kreis ins Leben gerufen.

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Das Ziel: Potenziale nutzen, Chancen geben, Perspektiven eröffnen und aus Flüchtlingen gute Fachkräfte machen.

Chancen geben und Flüchtlinge zu Fachkräften machen

„Am meisten gefällt mir, dass man hier in Ruhe lernen und leben kann“, sagt Khaibar Fatehzada auf die Frage, was Deutschland für ihn bedeute. Der 26-Jährige aus Afghanistan lebt in einer Flüchtlingsunterkunft in Dillenburg und wusste bis vor kurzem nicht, wie es weitergeht.

In seiner Heimat hat er eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann abgeschlossen. Sein Deutsch ist gut, er kann lesen, schreiben und verstehen. Doch es ärgert ihn, dass ihm die Aussprache noch schwer fällt. Es beunruhigt ihn, dass er nicht schneller vorwärtskommt.

Menschen wie Khaibar Fatehzada gibt es viele, die in den Zeltlagern und Flüchtlingsunterkünften auf die Nachricht warten, dass es für sie weitergeht, dass sie bleiben, arbeiten und sich ein neues Leben aufbauen können.

Fünf Tipps: So integrieren Sie Flüchtlinge erfolgreich in Betrieben

„Nicht nur die Flüchtlinge haben im letzten Jahr unglaublich viel gelernt“, berichtet Matthias Hecker, Ausbildungsleiter bei Rittal und hauptverantwortlich für die Flüchtlinge an der Werkbank: „Auch wir haben durch das Pilotprojekt neue Erfahrungen gewonnen, die uns im aktuellen Durchgang spürbar zugutekommen.“ Fünf Punkte kristallisierten sich dabei besonders heraus, damit die Integration von Flüchtlingen erfolgreich verläuft.

1. Potenziale ermitteln: Erfolgreiche Inte-gration über ein Praktikum beginnt mit gegenseitigem Kennenlernen und der Ermittlung schulischer und beruflicher Voraussetzungen. Die Arbeitsagenturen und Job Center in Hessen haben Zugriff auf standardisierte Potenzialanalysen der Flüchtlinge. Wo diese noch nicht eingeführt sind, bietet sich eine Probearbeitswoche an.

2. Deutsch lernen: Um die Sprachkenntnisse zu erweitern, können Azubi-Paten, Ehemalige und Ehrenamtliche als Ansprechpartner für schulische, betriebliche und private Herausforderungen eingesetzt werden. Darüber hinaus bieten Apps und Websites E-Learning-Angebote zum Spracherwerb an. Berufsbezogene Sprachkenntnisse lassen sich am besten an der Werkbank erlernen.

3. Kümmerer finden: Neben mangelnden Deutschkenntnissen plagen Flüchtlinge auch Ängste und Einsamkeit. Wenn sich Ausbilder, Azubi-Paten, Kollegen und Ehrenamtliche darauf einlassen, Flüchtlinge durch Nachhilfe, praktische Hilfe und persönlichen Kontakt zu unterstützen, erreichen diese das erforderliche Leistungsniveau einer Ausbildung schneller und integrieren sich besser in das Umfeld, in dem sie arbeiten.

4. Willkommen heißen: Eine gelebte Hilfskultur im Unternehmen ist unabdingbar für die gelungene Integration von Flüchtlingen. Vorbild sein, aber nicht bevorzugen, lautet die Devise für Management und Führungskräfte. Sie geben ihren Mitarbeitern Orientierung und sorgen für die Akzeptanz der neuen Kollegen in der Belegschaft.

5. Netzwerke bilden: Enge Zusammenarbeit mit öffentlichen Stellen und Erfahrungsaustausch in unternehmensübergreifenden Initiativen, erleichtert nicht nur die Entwicklung eines Integrationsprojekts, sondern führen auch zu Veränderungen in Politik, Verwaltung und Gesetzgebung. Die 3+2-Regelung, die Flüchtlingen und Unternehmen die Sicherheit des Aufenthalts für drei Jahre Ausbildung und zwei Jahre Arbeit gibt, ist aus den Diskursen von Netzwerken wie „Wir zusammen“ entstanden.

Ohne eine Ausbildung oder einen Arbeitsvertrag ist das schwierig. Mit einem Pilotprojekt hat die mittelhessische Friedhelm Loh Group in Kooperation mit dem Lahn-Dill-Kreis daher das Thema Qualifizierung von Flüchtlingen für eine Ausbildung angestoßen.

Acht hochmotivierte junge Menschen haben im Juli ihr dreimonatiges Vorbereitungspraktikum bei Rittal, der größten Tochtergesellschaft des Familienunternehmens, erfolgreich beendet. Unterstützt von engagierten Ausbildern und ihren Azubi-Paten sind sie jetzt in der Lage, in eine Ausbildung zu starten – und sie zu meistern. Für beide Seiten ein Erfolg:

Rittal wird deshalb zwei der Flüchtlinge in ein Ausbildungsverhältnis übernehmen. Alle anderen haben mit ihrem Zertifikat eine starke Empfehlung in der Hand, wenn sie sich bei anderen Ausbildungsbetrieben bewerben.

„Als größter Arbeitgeber der Region haben wir eine Verantwortung für unser Umfeld, in dem derzeit viele Menschen eine neue, friedliche Heimat suchen“, so Friedhelm Loh, Inhaber und Vorstandsvorsitzender des Familienunternehmens über das Projekt:

„Wir sind froh und dankbar, dass wir ein gutes Leben in einem Land ohne Krieg und Hunger haben. Das möchten wir auch den Flüchtlingen ermöglichen. Die beste Möglichkeit dafür ist, ihnen eine berufliche Perspektive zu geben, die Mut macht und Selbstvertrauen schenkt.“

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