Bestellungen bleiben aus Samsung entlässt 30 Prozent der Foundry-Belegschaft

Von Sebastian Gerstl 3 min Lesedauer

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Samsung, nach TSMC der weltweit größte Foundry-Anbieter, streicht seine Halbleiterproduktion radikal zusammen: Lokalen Medienberichten zufolge sollen bis Jahresende 30 Prozent der existierenden Foundry-Belegschaft entlassen und bis zu 50 Prozent der Halbleiterproduktionslinien stillgelegt werden.

Baustelle der geplanten Samsung-Fab im texanischen Taylor, USA. Vor vier Jahren hatte Samsung einen starken Ausbau seiner Fabs angestoßen, nun sollen bis zu 50% der Fertigungslinien und 30% der Foundry-Belegschaft gestrichen werden. Die Auslastung in den Fabs sei viel zu gering, es fehlt an Abnehmern.(Bild:  Samsung)
Baustelle der geplanten Samsung-Fab im texanischen Taylor, USA. Vor vier Jahren hatte Samsung einen starken Ausbau seiner Fabs angestoßen, nun sollen bis zu 50% der Fertigungslinien und 30% der Foundry-Belegschaft gestrichen werden. Die Auslastung in den Fabs sei viel zu gering, es fehlt an Abnehmern.
(Bild: Samsung)

Samsung Foundry scheint radikal nach Wegen zu suchen, Kosten zu sparen: Wie die südkoreanische Zeitung Chosun Daily berichtet, plant die weltweite Nummer zwei der Auftragsfertiger im Foundry-Geschäft bis Ende 2024 die Hälfte der lokalen Halbleiterproduktionslienien stillzulegen. Die Produktionsstätten wiesen dem Bericht zufolge eine zu geringe Auslastung aus, als dass ein weiterer Betrieb gerechtfertigt wäre.

„Samsung hat öffentlich erklärt, dass es die Anlagen mit geringerer Auslastung weiter betreiben würde, aber in Wirklichkeit schaltet das Unternehmen nach und nach Linien ab,“ zitiert das Blatt einen namentlich nicht näher genannten Insider. „Der aktuelle Plan sieht vor, den Betrieb bis Ende des Jahres auf etwa 50 Prozent zu reduzieren.“

Gerüchte, dass das Foundry-Geschäft von Samsung Schwierigkeiten hat, gab es schon seit längerem. Als ASML vergangenen Oktober meldete, dass die angestrebten Geschäftsziele deutlich verfehlt wurden, führten dies Marktbeobachter unter anderem darauf zurück, dass Samsung offenbar zahlreiche Bestellungen für Fab-Ausstattungen kurzfristig storniert hatte. Vor allem für die Produkte, die in der 17 Mrd. US-$ teure Fab-Anlage in den USA hergestellt werden, fehlt es an potentiellen Abnehmern. An dem neuen Standort in Texas sollten vorrangig High-End-Chips mit Strukturgrößen von 5nm oder weniger gefertigt werden. Die Produktionsstätte, deren Bau 2021 begonnen wurde, hätte ursprünglich im Jahr 2024 die ersten Produkte herstellen sollen. Mittlerweile wurde dieser Start auf das Jahr 2026 verschoben.

Tatsächlich habe Samsung Foundry dem Chosun-Bericht zufolge bereits mehr als 30 Prozent seiner 4nm-, 5nm- und 7nm-Foundry-Produktionslinien an der Pyeongtaek-Linie 2 und Linie 3 stillgelegt. Diese Schließungen sollen zwar nur „vorübergehend“ sein. Doch Angaben des asiatischen Branchenmagazines Digitimes zufolge habe das Unternehmen bereits ein vierstufiges Programm zur freiwilligen Pensionierung gestartet. Ziel dieses Programms soll es sein, etwa 30 Prozent der Belegschaft im Foundry-Geschäft zu reduzieren.

Angesichts des globalen Chipmangels während und nach der Corona-Krise hatte Samsung Foundry seine Kapazitäten weltweit dramatisch hochgefahren. Ziel war es, den technologischen und Fertigungstechnischen Vorsprung des Marktführers TSMC einzuholen. Dabei hatte man in erster Linie auf fortschrittliche High-End-Chips gesetzt, die in den hauseigenen Fertigungsverfahren 3GAAE (3 nm Gate All Around Early) und deren optimierte Version 3GAAP (3 nm Gate All Around Plus) hergestellt werden sollten und auf einen stark wachsenden Bedarf in Anwendungen wie künstliche Intelligenz setzten.

Doch diese Strategie scheint in doppelter Hinsicht nicht aufgegangen zu sein.Zum einen mutmaßen Brancheninsider, dass es Samsung nicht gelungen ist, diese High-End-Produktionsverfahren auf eine Weise zum Laufen zu bringen, die auch wirtschaftlich vertretbar sei. Zum anderen blieben die erwarteten Großaufträge für diese High-End-Chips bislang aus. Auf Basis der zuletzt veröffentlichten schwachen Quartalszahlen von Samsung gehen Analysten davon aus, dass der Foundry-Betrieb im dritten Quartal 24 eine Billion Won (etwa 730 Millionen US-Dollar) verloren haben könnte, berichtete Chosun. Zu Samsungs Problemen gehörten demnach schwächer als erwartete Aufträge für 5nm- und 4nm-Chips von chinesischen Kunden und das Ausbleiben von Spitzenaufträge weltweit führender Herstellern wie Nvidia, AMD und Qualcomm, die weiterhin auf die Technologien und Kapazitäten von TSMC setzen.

Diese Berichte folgen kurz nach den Gerüchten, wonach Intel CEO mit Samsung Gespräche übereine Foundry-Allianz zwischen Intel und Samsung aufgenommen habe. Intel hat weiterhin Schwierigkeiten, für sein relativ junges Auftragsfertigungsgeschäft Großkunden an Land zu ziehen. Vor diesem Hintergrund habe der Intel-Chef erste Gespräche mit Samsung Foundry aufgenommen, um gemeinsam diese individuellen Krisen zu überwinden und den Rückstand zu TSMC aufzuholen. Wie Samsung zu diesen Plänen steht, ist allerdings weiterhin ungewiss. (sg)

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