Chipproduktion in den USA Präsident Trump droht mit Zöllen von bis zu 100 % auf Halbleiter

Von Sebastian Gerstl 6 min Lesedauer

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Schon bald dürften in den USA auf Computerchips, Halbleiter und Arzneimittel bis zu 100 % an Zollgebühren erhoben werden. Dies kündigte US-Präsident Donald Trump auf der House GOP Issues Conference, einer Klausurtagung der im Repräsentantenhaus vertretenen Republikaner, an.

Am Montag wurden mit dem STAR Act die Steuervergünstigungen für Halbleiterunternehmen im Rahmen des auslaufenden CHIPs and Science Acts fortgesetzt. Doch nur wenige Tage später verkündete Donald Trump auf einer Rede vor republikanischen Kongressabgeordneten eine Kehrtwende: Statt Steuergelder zu zahlen und Nachlässe zu gewähren, sollen Unternehmen vielmehr mit hohen Zöllen „ermutigt" werden, ihre Produktion wieder in die USA zu verlagern.(Bild:   / CC0)
Am Montag wurden mit dem STAR Act die Steuervergünstigungen für Halbleiterunternehmen im Rahmen des auslaufenden CHIPs and Science Acts fortgesetzt. Doch nur wenige Tage später verkündete Donald Trump auf einer Rede vor republikanischen Kongressabgeordneten eine Kehrtwende: Statt Steuergelder zu zahlen und Nachlässe zu gewähren, sollen Unternehmen vielmehr mit hohen Zöllen „ermutigt" werden, ihre Produktion wieder in die USA zu verlagern.
(Bild: / CC0)

Drohen in den USA bald bis zu 100 % Zollgebühren auf bestimmte, nicht in den Vereinigten Staaten produzierte Waren? Vergangenen Dienstag waren die im US-Kongress vertretenen Republikaner zu einer Klausurtagung im Trump National Doral Miami Resort in Florida, um die politische Marschroute für die angelaufene Legislaturperiode der zweiten Regierung Trump festzulegen. US-Präsident Donald Trump nutzte die Gelegenheit, um erneut die Handhabung des Chipförderungsprogramms US CHIPs and Science Act unter seinem Amtsvorgänger Joe Biden scharf anzugreifen und seine eigenen Vorstellungen zu propagieren, wie die einheimische Halbleiterindustrie – und andere schwächelnde Industriezweige – angekurbelt werden könnten.

In seiner Rede vor den republikanischen Abgeordneten bezeichnete Donald Trump die Umsetzung des Halbleiterförderungsprogramms CHIPS and Science Act – das allerdings in der bestehenden Form noch von der ersten Trump-Regierung angestoßen und ausgearbeitet worden war – als „lächerlich“. Anstatt Steuergelder an Unternehmen zu verschwenden sollten andere Anreize geschaffen werden, um Unternehmen dazu zu bringen, ihre Waren wieder in den USA zu produzieren.

Zölle statt Steuergelder sollen „Anreize“ für Produktion in den USA schaffen

Trumps Vorschlag: Anstatt Gelder an Unternehmen auszugeben sollten dagegen Zölle von 25, 50 oder gar 100 % auf die Einfuhr von Waren erhoben werden, was Unternehmen dazu veranlassen soll, wieder Werke in den USA zu bauen und lokal zu produzieren.„Insbesondere werden wir in naher Zukunft Zölle auf die ausländische Produktion von Computerchips, Halbleitern und Arzneimitteln erheben, um die Produktion dieser wichtigen Güter in die Vereinigten Staaten von Amerika zurückzuholen“, sagte der US-Präsident in seiner Rede vor den versammelten Abgeordneten.

Trump verwies in seiner Rede darauf, dass die produzierende Chipindustrie aus den USA nach Taiwan abgewandert sei. „Und wir wollen, dass sie zurückkommen, und wir wollen ihnen nicht Milliarden von Dollar geben, wie dieses lächerliche Programm, das Biden jedem Milliarden von Dollar geben muss. Sie haben bereits Milliarden von Dollar. Sie haben nichts als Geld, Joe. Sie brauchten kein Geld." Trump spielte dabei insbesondere auf den weltweiten Marktführer in der Halbleiterproduktion, die taiwanische Foundry TSMC an. Der Fertigungsspezialist hatte über das Förderprogramm des US CHIPs and Science Act insgesamt 11,6 Mrd. US-$ erhalten – 6,6 Milliarden US-$ an direkten Fördermitteln und weitere 5 Milliarden an Steuervergünstigungen und Darlehen. Trump verschwieg dabei, dass das Geld für den Standort der 5-Nanometer-Fab in Arizona geflossen ist, in deren Ausbau TSMC nach eigenen Angaben 65 Milliarden US-$ an eigenen Mitteln investiert hat.

Statt Gelder als Anreiz in Aussicht zur Verfügung zu stellen, droht Trump hingegen mit einer in seinen Reden bewährten Rhetorik-Keule: Zollgebühren. „Sie brauchten einen Anreiz und der Anreiz wird sein - sie werden keine 25, 50 oder gar 100 Prozent Steuern zahlen wollen", sagte Trump in seiner Ansprache. „Sie werden ihre Fabrik mit ihrem eigenen Geld bauen. Wir müssen ihnen kein Geld geben. Sie werden kommen, weil es für sie gut ist, hierher zu kommen." Er fügte hinzu, dass ausländische Unternehmen, die im Rahmen des CHIPS-Gesetzes Anreize in Form von Subventionen erhalten, die frei werdenden Gelder für den Bau von Fabriken in anderen Ländern verwenden könnten.

Neben den bereits erwähnten Halbleiter- und Medizinprodukten könne sich Trump auch andere Wirtschaftsfelder vorstellen, in denen Zölle in dieser Höhe angebracht werden sollten. Er erwähnte dabei insbesondere die Stahlproduktion und die Herstellung von Waschmaschinen und Wäschetrocknern.

Zollgebühren ein konträrer Kurs zu weltweiten Empfehlungen

Präsident Trumps angesprochene Zollpläne stehen dabei in einem erheblichen Widerspruch zu den Empfehlungen, die Wirtschaftsverbände weltweit zu einer Förderung der Chipindustrie aussprechen – und zu den erst jüngst verabschiedeten neuen Förderplänen. Erst am vergangenen Montag, dem 27. Januar 2025, hatte das Abgeordnetenhaus mit dem STAR-Act (Semiconductor Technology Advancement and Research) einen Nachfolger des CHIPs Acts auf den Weg gebracht. Im Rahmen dieses Gesetzes wurden die Laufzeit des Advanced Manufacturing Investment Credit (AMIC) - der erwähnten Steuergutschrift in Höhe von 25 % für die Chipproduktion - und die Förderfähigkeit der Gutschrift auf Investitionen in das Halbleiterdesign, die forschungsintensive Abbildung der komplizierten Schaltkreise und Funktionen eines Chips, offiziell verlängert.

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Damit pendelt die US-Regierung in ihren Kurs hinsichtlich der Wirtschaftsförderung weiterhin massiv hin und her. Der republikanische Sprecher des Repräsentantenhauses, Mike Johnson, hatte zunächst im November 2024 angekündigt, er würde die Aufhebung des CHIPS-Gesetzes in Betracht ziehen. Nach Protesten von Wirtschaftsverbänden machte er eine Kehrtwende und sagte, das CHIPS-Gesetz stehe nicht auf der Agenda für eine Aufhebung. Dies mündete in der Ankündigung des STARS Acts – nun spricht sich Präsident Trump effektiv für das Gegenteil dessen aus, was der aktuelle Förderplan vorsieht.

„Die Steuergutschrift für Investitionen im Rahmen des CHIPS-Gesetzes hat sich bei der Stärkung des amerikanischen Halbleiter-Ökosystems als äußerst erfolgreich erwiesen, indem sie erhebliche Privatinvestitionen ausgelöst und dazu beigetragen hat, dass die USA auf dem besten Weg sind, die inländischen Kapazitäten für die Chipherstellung bis 2032 mehr als zu verdreifachen", schrieb der Halbleiterverband SIA hierzu in einer Pressemeldung. „Durch die Verlängerung der Laufzeit des Kredits würde das STAR-Gesetz auf dieser Dynamik aufbauen, indem es das weitere Wachstum der Chipherstellung in den Vereinigten Staaten fördert. Durch die Ausweitung des Geltungsbereichs des Kredits auf das Chipdesign würde das STAR-Gesetz sicherstellen, dass die USA die wirtschaftlichen, nationalen Sicherheits- und Vorreiter-Vorteile der weltweiten Führung in der Halbleitertechnologie sichern." Zu der jüngsten Rede des US-Präsidenten hat sich der Halbleiterverband derzeit noch nicht geäußert. Es ist aber anzunehmen, dass der Verband den Rückzug der eben erst zugesicherten Vergünstigungen nicht akzeptieren wird.

In einem politischen Ratschlag für die neue Regierung hat die SIA erklärt, dass das 2020 eingeführte überparteiliche CHIPS-Gesetz den Rückgang der Chip-Produktion in den USA umgekehrt hat. Dieser war von 37 Prozent der Weltproduktion im Jahr 1990 auf 10 Prozent im Jahr 2022 gesunken. Das CHIPS-Gesetz habe die Forschung und Entwicklung stimuliert und den Bau inländischer Wafer-Fabriken ausgelöst, so die SIA. „Ausgehend von unserem derzeitigen Kurs werden die USA ihre Chipherstellungskapazitäten bis 2032 voraussichtlich verdreifachen, mit einer Wachstumsrate, die weltweit führend ist und Amerikas Anteil an den globalen Kapazitäten zum ersten Mal seit vier Jahrzehnten erhöht“, sagte John Neuffer, Präsident der SIA, in seinen einleitenden Bemerkungen.

Die Consumer Technology Association (CTA) ist ebenfalls gegen Zölle. Auf ihrer Webseite, die sich für den Handel einsetzt, heißt es: „Globale Lieferketten sind kompliziert und brauchen oft Jahrzehnte, um sich zu entwickeln. Zölle unterbrechen die Lieferketten und verursachen unnötige Kosten für amerikanische Unternehmen und Innovationen. Unfaire Handelspraktiken sollten im Rahmen der Welthandelsorganisation und mit unseren globalen Verbündeten angegangen werden. Die Öffnung globaler Märkte, nicht ihre Abschottung, fördert die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit.“ Der CTA ruft dazu auf, staatliche Eingriffe zu vermeiden, die die Lokalisierung von Produktion, Daten und Dienstleistungen erzwingen.

Tatsächlich ist es mehr als fraglich, ob ein Neubau von kompletten Chipfertigungsanlagen oder pharmazeutischen Laboren auf US-Gebiet sich überhaupt innerhalb der vier Jahre von Trumps zweiter Legislaturperiode umsetzen ließe - und ob Fertiger, die bereits weltweite Produktionsstätten betreiben, überhaupt neue Anlagen auf US-Boden bauen möchten. Selbst wenn die lokale Produktion in den USA ausgeschöpft werden würde, dürfte dies zwangsläufig zu Überschuss und mangelnder Auslastung in anderen Standorten führen. Es ist zweifelhaft, ob dies – trotz drohender Strafzölle – wirtschaftlich für die Unternehmen wäre. (sg)

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