Technikgeschichte

Päpste und elektronische Massenmedien

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Das öffentliche Sterben: Pius XII.

Pius XII. amtierte von 1939 bis 1958. Er gilt als erster Medienpapst.(Bild:   / CC0)
Pius XII. amtierte von 1939 bis 1958. Er gilt als erster Medienpapst.
(Bild: / CC0)

Eugenio Pacelli, der 1939 als Pius XII, die Nachfolge von Pius XI. antrat, war eigentlich von seiner Herkunft her ein medienaffiner Mensch. Sein Großvater Marcantonio Paceli hatte Beamter des Innenministeriums des Kirchenstaats die Vatikan-Zeitung L'Osservatore Romano (Der Römische Beobachter) ins Leben gerufen. Als erster Papst erlaubte Pius es, einen Dokumentarfilm über seine Tätigkeit zu drehen und gestattete dem Filmteam dafür den Zutritt zu Bereichen im Vatikan, die bis dahin für die Öffentlichkeit verschlossen waren.

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Während seiner Amtszeit, die bis 1958 reichte, entwuchs das Fernsehen seinen Kinderschuhen. Pius erkannte das Potenzial des damals neuen Mediums – er sah es als eine Synthese aus Rundfunk und Film an –, warnte jedoch auch vor den möglichen Gefahren, die es mit sich brachte. Als 1954 in Italien die ersten regelmäßigen TV-Programme eingeführt wurden, äußerte er in einem Rundschreiben an die italienischen Bischöfe, dass das Fernsehen „zwar einen positiven Einfluss in Bezug auf die Kultur und die Erziehung des Volkes“ haben könne. Fernsehprogramme, so schrieb er weiter, bestünden jedoch zum größten Teil „aus Spielfilmen und Theaterspektakeln, von denen die wenigsten den christlichen moralischen Ansprüchen genügen.“

Pius XII. war zu seinen Lebzeiten gerade in Deutschland außerordentlich populär, weil er als Apostolischer Nuntius als Botschafter des Vatikans in Bayern, Preußen und zuletzt beim Deutschen Reich tätig gewesen war und auch Deutsch sprach. Daher nahmen insbesondere die Gläubigen in Deutschland sehr starken Anteil am Sterben des Pontifex, das sich im Oktober 1958 in der päpstlichen Sommerresidenz von Castel Gandolfo vor den Augen der Welt vollzog.

Die kleine Ortschaft in den Albaner Bergen wurde von Hörfunk- und Fernsehreportern heimgesucht. Nachrichtenagenturen meldeten sogar voreilig das Ableben von Pius, so dass verschiedene Regierungen (unter anderem US-Präsident Eisenhower) schon Beileidstelegramme versandten, als der Papst noch lebte.Die Überführung des päpstlichen Leichnams nach Rom zur Beisetzung wenige Tage später wurde europaweit live im Fernsehen übertragen. Dies wurde dadurch möglich, da die Eurovision, die Organisation der europäischen Rundfunkanstalten zum gegenseitigen Programmaustausch, vier Jahre zuvor gegründet worden war.

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